Gretchen schaut - Der Filmpodcast

Der große Kino-Rückblick 2021

2021 war ein spannendes Jahr für die Kultstatus Redaktion: Unter anderem durfte unser Filmpodcast "Gretchen schaut" Premiere feiern. In einer extra großen Sonderfolge werfen wir einen Blick auf das Kinojahr und stellen unsere Lieblingsfilme vor.
Der große "Gretchen schaut" Jahresrückblick

2021 war kein leichtes Jahr für die Filmindustrie. Trotzdem waren einige großartige Filme zu sehen - auf der großen Leinwand oder im Streaming. Vincent und Alex lassen im Podcast das Jahr Revue passieren und unsere Redaktion stellt dazwischen ihre persönlichen Lieblingsfilme des Jahres vor.

Die ganze Folge zum Nachhören findet ihr hier:

 

Promising Young Woman

Cassandra war auf dem besten Weg, ihren Traum zu verwirklichen und Ärztin zu werden. Doch dann wird ihre beste Freundin Nina betrunken von einem Kommilitonen vergewaltigt. Cassandra zieht wieder bei ihren Eltern ein und arbeitet ziellos in einem Café. Doch nachts geht sie einem ganz anderen Plan nach… 

Hinter der Inszenierung steht Regisseurin und Drehbuchautorin Emerald Fennell, die von Hauptdarstellerin Carey Mulligan als "mad genius" bezeichnet wird. Jedes Detail dieses Films ist durchdacht und ganz klar Teil einer zusammenhängenden Vision. Ihre absolute Stärke ist, es dem Zuschauer äußerst unwohl zu machen. Dem Mann, der bei diesem Film nicht einmal kurz wegschauen muss, der sich nicht einmal zusammenkrümmt oder die Augen zusammenkneift, will keine Frau nachts betrunken in einer Bar begegnen. 

Mehr zum Film gibt es in dieser Podcastfolge zu hören.

Chantal Awassi

Bo Burnham: Inside

Bo Burnham: Inside
Bo Burnham: Inside   

Wir befinden uns im Jahr 2020: Wie der Rest der Welt fühlt sich der Comedian Bo Burnham in seinen eigenen vier Wänden eingesperrt. Daraus folgt ein gut anderthalb stündiger Film gefüllt mit Liedern und Sketches, die alle lose durch den roten Faden der lockdownbedingten Isolation zusammengehalten werden.

"Inside" ist durch und durch als One-Man-Show inszeniert. Und zwar nicht nur vor, sondern vor allem auch hinter der Kamera: Bo Burnham performt nicht nur seine Texte und Comedy alleine, sondern übernimmt auch Kameraarbeit und Lichttechnik. Er nutzt jede neue Möglichkeit seines Mikrokosmos, in dem er die uneingeschränkte Kontrolle hat, voll aus: Ob bei Licht, Ton oder Schnitt, ständig überrascht er mit Effekten, die man so noch nie gesehen hat. 

Julia Wegner

Cruella

London in den 1970ern: Die junge Waise Estella, gespielt von Emma Stone, träumt davon, ihr Design-Talent in einem der großen Londoner Modehäuser unter Beweis zu stellen. Eine fehlende Ausbildung macht ihr dies jedoch schwer. Doch dann gewinnt sie die Aufmerksamkeit der bekannten, narzisstischen Designerin Baroness von Hellman. Diese nimmt sie unter ihre skrupellosen Fittiche.

Design-Talent trifft Wahnsinn in dieser Herkunftsgeschichte der Disney-Bösewichtin Cruella de Vil aus "101 Dalmatiner". In düsterem Punk-Rock Flair und mit einer Protagonistin, die man als Rebellin mit weicher Seite kennenlernt, versucht der Film, die Zuschauer:innen von der Menschlichkeit Cruellas zu überzeugen. Typisch Disney, gelingt dies vor allem durch den Kampf gut gegen böse. Oder wie in diesem Fall: Quasi-böse gegen richtig hardcore bitterböse. Im Vergleich zur Baronesse wirkt Cruella wie ein schnurrendes Kätzchen.

Eine ausführliche Rezension findet ihr hier.

Solveig Luft

The Green Knight

Am Weihnachtsabend taucht an König Arthurs Tafelrunde plötzlich ein geheimnisvolles Wesen auf: Der Grüne Ritter. Dem Ritter, der ihn mit dem Schwert zu treffen vermag, verspricht er seine Axt, die Ruhm und Reichtum bescheren soll. Doch genau ein Jahr später müsse derselbe Ritter das Wesen aufsuchen, um nun seinerseits einen Treffer an genau derselben Stelle entgegenzunehmen. Der junge Sir Gawain nimmt die Herausforderung an und in seinem Übermut enthauptet er den Grünen Ritter. 

Der Film ist als Kritik am klassischen Ehrbegriff zu verstehen. Es handelt sich hier um einen Anti-Ritterfilm, welcher die Lächerlichkeit des höfischen Selbstverständnisses entlarvt. Die Hauptfigur wird nicht etwa vom Grünen Ritter heimgesucht,  sie wählt den Weg in den prophezeiten Tod selbst. Mystische Wesen sowie eine allgemein recht surreale Atmosphäre, welche durch die sehr gelungene Kameraführung und das alptraumhafte Szenenbild erzeugt wird, verkommen nicht etwa zum Selbstzweck einer klassischen Rittersage, sondern bilden die Symptome einer realitätsfernen Weltanschauung ab, welche den jungen Sir Gawain einem selbst konstruierten Schicksal in die Fänge treibt.

Mehr zum Film gibt es in dieser Podcastfolge zu hören.

Leonard Loeper

Home

In seiner Jugend brachte Marvin Hacks eine alte Dame um und wurde deswegen zu 17 Jahren Haft verurteilt. Nach seiner Freilassung zieht es ihn zurück in seine kleine Heimatstadt Newhall, nur um zu erfahren, dass ihm sein Ruf schon vorauseilt. Dort schlägt ihm nur Abneigung entgegen und niemand will ihn wieder da haben – besonders nicht die Familie des Opfers. Aber wo soll ein jung inhaftierter Ex-Häftling, der nie etwas anderes kannte, schon hin? 

In der Rolle des Marvin spielt Jake McLaughlin eindrucksvoll einen Mann, der sehr unter den Konsequenzen seines Handelns leidet und gegen den Hass und die Isolation durch die Gesellschaft ankämpft. Besonders in den Momenten mit seiner Mutter, großartig verkörpert von Kathy Bates, zeigt sich die innere Zerrissenheit der Charaktere. Aber auch die Interaktionen mit seinem alten Schulfreund oder der Enkelin seines Opfers, machen jeweils verschiedene Perspektiven und Ansätze auf, wie man mit der Situation umgehen kann.

Eine ausführliche Rezension findet ihr hier.

Nils Wilken

Fabian oder Der Gang vor die Hunde

Fabian ist der Protagonist in Dominik Grafs "Fabian oder Der Gang vor die Hunde", basierend auf dem gleichnamigen Roman von Erich Kästner. Fabian gelingt es nicht immer, sich der Absurdität des brodelnden Berlins zu entziehen. Erzählt wird von einer Zeit des Moralverfalls, von Aufstieg und Abstieg und dem Preis, der dafür gezahlt werden muss. Aber es ist auch eine Liebesgeschichte. Zum ungünstigsten Zeitpunkt tritt Cornelia Battenberg in Fabians Leben. Für einen kurzen Moment scheint es, als könnten die beiden den gesellschaftlichen Umständen und ihren eigenen Dämonen trotzen und glücklich werden.

Der Film ist eine stilvolle, aber keineswegs nostalgisch verklärte Zeitreise in die 30er Jahre. Immer wieder wird aber auch eine Brücke zu unserer Gegenwart geschlagen: So laufen die Berliner:innen zum Beispiel über Stolpersteine, die es damals noch gar nicht gegeben haben dürfte. Solche Handgriffe der Regie machen “Fabian” zu mehr als nur einer guten Buchverfilmung. Bei knapp drei Stunden Laufzeit findet sich zwar auch die ein oder andere langatmige Sequenz, das tut dem Gesamteindruck aber keinen Abbruch: "Fabian oder Der Gang vor die Hunde" ist die zeitlose Erzählung einer anderen Zeit, die atmosphärisch und visuell, wie auch auf inhaltlicher und schauspielerischer Ebene ihresgleichen sucht.

Annalena Gebauer

Free Guy

Videospiel-Verfilmungen genießen einen eher schlechten Ruf. Die Actionkomödie "Free Guy" basiert hingegen nicht auf einem existierenden Spiel. Sie betrachtet das alltägliche Leben des NPCs Guy, einem nicht spielbaren Charakter innerhalb einer fiktiven Gaming-Welt. 

Der Film überzeugt durch seinen Humor und den Fanservice für all diejenigen, die gerne selbst Videospiele spielen. Ryan Reynolds glänzt wie so oft mit Brüchen der vierten Wand. "Free Guy" bietet beste Unterhaltung für alle Gamerinnen und Gamer und ist eine solide Videospielverfilmung - obwohl es eigentlich gar keine ist.

Martin Arendt

Dune

Mit "Dune" präsentiert Regisseur Denis Villeneuve den Auftakt zu seinem Science-Fiction-Epos. Herzog Leto Atreides wird die Verwaltung des Wüstenplaneten Arrakis übertragen. Der Planet birgt jedoch mit seinen Sandstürmen und bedrohlichen Sandwürmern viele Gefahren. Paul, der Sohn des Herzogs, steht vor der großen Aufgabe, Frieden über den Wüstenplaneten und seine Bewohner zu bringen. Pauls innerer Konflikt und das Hadern mit seinem Schicksal wird von Timothée Chalamet überzeugend dargestellt. 

In weiteren Rollen sind unter anderem Rebecca Ferguson, Zendaya und Oscar Isaac zu sehen. Allesamt überzeugen sie mit einer lebendigen Performance, die es den Zuschauenden leicht macht, in die fremde Welt einzutauchen. Auch die musikalische Untermalung von Hans Zimmer schafft eine atemberaubende Atmosphäre, die die Zuschauenden in ihren Bann zieht. Das Highlight des Films ist die unglaubliche Bildgewalt. Mit eindrucksvollen und realistischen Einstellungen  wird der Wüstenplanet von Denis Villeneuve inszeniert. Ob Stürme, epische Schlachten oder die endlos weite Sandwüste: Die Bilder des Films brennen sich auf die Netzhaut ein. 

Mehr zum Film gibt es in dieser Podcastfolge zu hören.

Julia Aichele

Titane

Seit einem Autounfall in ihrer Kindheit trägt Alexia eine Titanplatte in ihrem Schädel. Als Tänzerin arbeitet sie in einem Auto-Stripclub. Dort setzt sie sich den begierigen Blicken von Männern aus. Doch sobald diese sie sexuell bedrängen, müssen sie schmerzvoll erfahren, dass Alexia so gar nichts von ihnen wissen will und sich überdies sehr effektiv zu wehren weiß. Sowieso steht Alexia eigentlich auf Fahrzeuge - mit Verbrennungsmotor. Als sie von einem Cadillac schwanger wird, werden sie und ihr Körper tiefgreifenden Veränderungen ausgesetzt.

"Titane" ist gewaltig und gewalttätig - ein Film der Extreme. Und so verwundert es nicht, dass es scheint, als gäbe es nur Menschen, die diesen Film entweder lieben oder hassen. "Titane" ist weit mehr als nur ein intelligentes Spiel mit Identitätsfragen. Der Film passt wunderbar in eine Zeit, in der die immer weiter zunehmende Polarisierung der Gesellschaft auch die Menschen immer mehr zerreißt, die sich nach Geborgenheit und Liebe sehnen. 

Mehr zum Film gibt es in dieser Podcastfolge zu hören.

Tim Puls

Flee

Es sind die 1980er Jahre und die Mudschahiddin stürmen Afghanistan. Amin ist ein 11-12-jähriger Junge und lebt mit seiner Mutter und zwei Schwestern in Kabul. Von einem auf den anderen Tag flieht Amins Familie aus der Heimatstadt. Ihr Ziel ist Europa. Moskau sollte eigentlich eine Zwischenstation sein. Aber die Familie lebt dort einige Jahre versteckt. Mit 15 steigt Amin allein in den Flieger nach Dänemark. Hier beginnt er sein neues Leben - ohne seine Familie. 

"Flee" ist ein Animadok-Film – ein animierter Dokumentarfilm. Liebevoll gezeichnete Bilder spiegeln Amins Gefühlswelt eindrücklich wider. So wird auf berührende Art und Weise die Fluchtgeschichte eines afghanischen Mannes erzählt. Amins Flucht dauert mehrere Jahre und sie dauert auch dann noch an, wenn Amin sich gar nicht bewegt. Selbst in Dänemark lässt ihn die Flucht nicht los. Zuhause ist für ihn kein Ort, sondern das Gefühl von Sicherheit. "Flee" verbindet die Themen Flucht, Coming of Age und Identitätsfindung. Hoch intim, einfühlsam und berührend sehen wir, wie Amin in einer Welt aufwächst, die ihm sein Zuhause entreißt. Dieser Film brennt sich unter die Haut. 

Mehr zum Film findet ihr hier.

Charlotte Nate
 
 

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Julia Wegner, Solveig Luft, Annalena Gebauer, Chantal Awassi, Leonard Loeper, Martin Arendt, Tim Puls, Nils Wilken, Charlotte Nate, Julia Aichele
30.12.2021 - 15:09
  Kultur

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