Frisch Gepresst: KUČKA

Seidig schimmernder Elektropop

Nach einer langen Pause von Soloprojekten und mit vielversprechenden Singles angekündigt, veröffentlicht Elektropop Künstlerin KUČKA ihr Debütalbum „Wrestling“.
KUČKA kehrt mit ihrem neuen Album "Wrestling" ins Solo-Rampenlicht zurück.
KUČKA kehrt mit ihrem neuen Album "Wrestling" ins Solo-Rampenlicht zurück.

Kollaborationen mit Flume, SOPHIE oder Vince Staples, Vergleiche mit Art-Pop Größe FKA Twigs und gewonnene Musik-Awards – Laura Jane Lowther alias KUČKA (serbokroatischer Slang für „Bitch“) hat schon einige große Schritte in der Popwelt getan. Trotzdem blieben ihre EPs „kučka“ (2012) und „Unconditional“ (2015) die bis dato einzigen Soloprojekte der australischen Sängerin und Produzentin. Jetzt, nach langem Warten, ist ihr Debütalbum „Wrestling“ erschienen.

Ausschlaggebend für die Arbeit an der Platte war dabei vor allem die Einsicht, dass sie nach den vielen Kollaborationen wieder etwas schaffen wollte, das gänzlich ihr eigenes Werk ist. Deshalb geht es in „Wrestling“ um persönliche Themen, wie den Umzug mit 16 Jahren von Liverpool nach Perth („Drowning“), die Beziehung zu ihrer Frau („Eternity“) und die anfänglich negative Reaktion ihrer Großmutter auf die homosexuelle Beziehung („Wrestling“).

Das Pop 1x1

War KUČKAs „Unconditional“-EP noch sehr experimentell, ist „Wrestling“ doch eher geradliniger Elektropop. Gänzlich verschwunden sind die komplexen Songstrukturen aber nicht, außerdem mischen sich neben die hörbare Inspiration (und Mitarbeit an "Drowning") von Flume  auch ein paar R&B Beats. Gemein haben die zwölf Titel auf „Wrestling“ KUČKAs hohe Stimme, die von träumerischen elektronischen Elementen untermalt wird, was sich besonders in Tracks wie „Drowning“ oder „Ascension“ abzeichnet. Dazu kommen seidige Synth-Klänge sowie die Ambient-Atmosphäre diverser Titel.

Gleich zu Anfang versprechen gelayerte Soundelemente und catchy Hooks ein spannendes Hörerlebnis. Dieses anfänglich geweckte Interesse bekommt im mittleren Teil des Albums jedoch einen ganz schönen Dämpfer und die Songs wirken uninspirierter als zuvor. „Joyride“ wartet zwar mit experimentelleren Sounds auf, wirkt aber auch wie ein eintöniger Lückenfüller, während „Your World“ ein absolut generischer Pop-Titel ist. Dass die Spannungskurve auch innerhalb einzelner Songs meist recht flach verläuft, liegt vor allem daran, dass viele der Titel klassischen Songstrukturen folgen. Das ist an sich zwar nicht weiter schlimm, doch führt es in diesem Fall dazu, dass das Potential einiger Titel nicht gänzlich ausgeschöpft wird und der interessanteste Teil nach spätestens zwei Minuten vorüber ist. Aber auch wenn Einiges, wie der Beatdrop im letzten Part von „Ascension“, einfach ein bisschen zu vorhersehbar ist, gibt es auch immer wieder sehr überzeugende Momente – besonders dann, wenn KUČKA diese strukturierte Komfortzone verlässt. So begeistern Titel wie „Drowning“, der vor allem gegen Ende ein wenig rauer und experimenteller klingt. „Real“ lädt derweil nicht nur mit den Lyrics, sondern auch mit seiner weichen anmutigen Atmosphäre zum Träumen ein und „Contemplation“ kommt sogar mit 808-Beats daher, ohne dabei den KUČKA-Sound zu verlieren. Besonderes Highlight der Platte ist aber der mitreißende Elektropop-Track „No Good For Me“, der auch schon als Singleauskopplung erschienen war.

Rein ins Rampenlicht

Die sechs bereits veröffentlichten, vielversprechenden Singles hatten die Messlatte hochgeschraubt – zu hoch, denn ganz erfüllt wurden die Erwartungen nicht. Das große Potential einiger Songs wird in vielen Fällen einfach nicht zur Genüge ausgeschöpft und die anfängliche Spannung verläuft sich schnell. Trotzdem gelingen KUČKA auch immer wieder einnehmende Elektropop-Titel, die das Album am Leben halten und überzeugen. Während viele Debüts in gewisser Weise als „Soundfindungsprojekt“ fungieren, hat KUČKA ihren schon längst gefunden und mit „Wrestling“ ihren Weg (zurück) ins Solo-Rampenlicht geebnet.

 

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KUČKA: Wrestling

Tracklist:
  1. Wrestling
  2. Contemplation*
  3. Drowning
  4. Ascension
  5. Afterparty 
  6. Joyride 
  7. Your World 
  8. Sky Brown 
  9. No Good For Me*
  10. Real *
  11. Eternity* 
  12. Patience 

*Anspieltipps der Redaktion

Erscheinungsdatum: 30.04.2021
LuckyMe