Rückführung kolonialer Raubkunst

Die Rückgabe der Benin Bronzen

Der Großteil der deutschen Benin Bronzen soll 2022 nach Nigeria zurück geführt werden. Damit kommt eine über 100 Jahre alte Diskussion zum Ende. Warum die Bronzen überhaupt zurückgeführt werden erfahrt ihr im Podcast.
Benin Bronzen im British Museum
Benin Bronzen im British Museum

Die Bundesregierung hat am 29.04.2021 beschlossen, dass die Benin Bronzen, die sich in Deutschland befinden 2022 nach Nigeria zurück geführt werden. Dort sind sie im Zuge der Kolonisation von Benin geraubt worden und dann über Umwege nach Deutschland gelangt. Deutschland ist das erste Land, dass den über 100 Jahre alten Restitutionsforderungen folge leistet.

Benin Bronzen

Benin Bronzen bezeichnet als Sammelbegriff generell Kunst aus dem alten afrikanischen Königreich Benin. Darunter fallen Bronzen und Terakotta aber auch Holz- und Elfenbeinkunstwerke. Insgesamt befinden sich zurzeit über 1000 dieser Bronzen in Deutschland. Ein großer Teil der Bronzen hätte in Zukunft im Humboldtforum betrachtet werden können. Aber auch im Grassi Museeum in Leipzig sind einige Benin Bronzen ausgestellt. Nun wird 2022 ein großer Teil der Bronzen nach Nigeria zurückgeführt. Das alte Königreich Benin befindet sich auf heutigem Nigeriansichen Staatsgebiet. Die Nachfahren der politischen Elite von Benin ist immernoch einflussreich im heutigen Nigeria. Der Resitutionsanspruch wurde direkt nach dem Raub gestellt und ist somit über 120 Jahre alt.

Der Raub der Bronzen

Das Königreich Benin war zur Zeit seiner Kolonisation das letzt, große unkolonialisierte afrikanische Königreich. Es konnte durch seine strategisch günstige Lage und seine guten Handelsbeziehungen eine starke Position im afrikanischen Raum behaupten. Vor der Kolonisation ist Benin City, die Hauptstadt des Königreich Benin noch nie erobert worden. 1897 kam es jedoch zu Gewaltausbrüchen zwischen Benin und England, als eine englische Delegation komplett von Soldaten aus Benin aufgerieben wurde. Als Reakton darauf entsannte England eine Strafexpedition nach Benin. Eine Strafexpedition meint das militärische Bestrafen von Fehlverhalten in einem fremden Land. Diese Strafexpedition eroberte nun Benin City und kolonialisierte das Königreich Benin. Im Zuge der Eroberung von Benin City wurde auch der Königspalast geplündert und tausende Bronzen nach England verschifft. In England wurde ein großer Teil der Bronzen dann zur Refinanzierung der Strafexpedition versteigert. Händler aus aller Welt erwarben Benin Bronzen bei den Versteigerungen in England. So kam es, dass sich die Benin Bronezn über den ganzen Erdball verteilten und auch nach Deutschland bzw. Leipzig gekommen sind.

Der Wert der Bronzen

Im Königreich Benin hatten die Bronzen einen dekorativ-repräsentativen Wert, aber auch zum Teil einen hohen sakralen Wert. Sie wurden im Königspalast ausgestellt, bis sie dort von den Engländern geraubt wurden. Aber auch heute wird den Bronzen noch ein hoher Wert zugemessen. Auf Versteigerungen können sie Millionbeträge einspielen. Auch für Museen haben sie einen hohen Wert als Austellungstück. In Afrika haben sie noch eine ganz andere Bedeutung erlangt. 90% der Bevölkerung Nigeria hatte noch nicht die Möglichkeit die Benin Bronzen zu sehen. Als wichtige Zeugnisse der westafrikanischen Geschichte befindet sich der Großteil der Bronzen nicht in Afrika. So sind die Bronzen zu einem Symbolbild für die Verbrechen und die Unrechtmäßigkeit des Kolonialismus für die Afrikanische Bevölkerung geworden. So kommt es das die Bronzen heute einen panafrikansichen Wert haben und nicht nur für die Bevölkerung von Nigeria relevant sind.

Die Rückgabe der Bronzen

2022 soll ein Großteil der Bronzen zurück geführt werden. Die Frage, warum diese Entscheidung gerade jetzt fällt habe ich Lutz Mükke gefragt. Er ist Journalist und Afrikanist und hat sich viele Jahre mit den Benin Bronzen beschäftigt.

Nur hat man eben heute eine andere Situation. Das globale Zusammenlaben hat sich verändert. Digitalisierung, junge Leute insbesondere reden jetzt auf Augenhöhe. Die Kolonialzeit ist im grunde genommen vorbei.Und so sind die Benin Bronzen doch im Grunde genommen ein wichtiges Symbol geworden auch zur Heilung dieser historischen Wunden.    

Lutz Mükke, Journalist und Afrikanist

In Nigeria wird die Rückführung der Bronzen auf jedenfall sehr positiv aufgenommen. In Benin City soll ein neues Nationalmuseeum errichtet werden. In diesen werden die Bronzen ausgestellt und es wird sowohl über ihre eigentliche Geschichte als auch über den Kolonialsimus aufgeklärt.

 

Im Podcast zu diesem Thema gehen wir nochmal auf die Thematik des kolonialen Erbes von Leipzig ein. Außerdem haben wir mit Leontine Mejer van Mensch gesprochen. Sie ist die Direktorin des Grassi Museums für Völkerkunde, indem zurzeit einige Benin Bronzen ausgestellt sind.

 

 

Kommentieren

Mehr Infos zum Thema: