Frisch Gepresst: AURORA

Den Göttern so nah

AURORAS neues Album „The Gods We Can Touch“ ist ein mystisches Abenteuer quer durch Raum und Zeit.
AURORA
AURORA

Seit ihrer ersten Single „Runaway“, die sie mit gerade einmal elf Jahren geschrieben hat, entführt AURORA immer wieder in die raue und atemberaubende Landschaft Skandinaviens und sorgt mit glasklaren Vocals dafür, dass man die eiskalte Waldluft ihrer Heimat förmlich spüren kann. Diese Naturverbundenheit zieht sich auch durch ihr neues Album „The Gods We Can Touch“. Allerdings handelt es sich dieses Mal mehr um die Natur des Menschen selbst.

„This album is a celebrations of all the things we should never be ashamed of;
They are what make us human.“

AURORA zu „The Forbidden Fruits Of Eden“ auf Spotify

Göttliches Feuer statt obsessive Perfektion

Auf der Platte, die von EDM, Synth Pop, Folk-Elementen und Retro-Charme geprägt ist, wehrt sich AURORA gegen eine Gesellschaft, deren höchstes Gebot die Perfektion ist und dabei Menschen in ihrer Individualität, Sexualität und Persönlichkeit einschränkt. Sie bezieht dafür ihre Faszination für die griechische Mythologie mit ein und stellt so immer wieder eine passende Analogie zur realen Welt her. Die Götter der griechischen Mythologie sind nicht perfekt, sondern handeln in all ihrer Stärke und Macht menschlich. Eigenschaften wie Eifersucht, Wut und Begierde machen sie verletzlich. Doch gerade dafür werden sie in der Menschenwelt respektiert und wertgeschätzt. Wieso versuchen wir also genau diese Eigenschaften bei uns zu unterdrücken?

„That is why I relate to the greek gods. Because they are flawed. And I love the idea of people worshipping something flawed“

AURORA zu„The Innocent“ auf Spotify

Ihr eigener Selbstbefreiungsakt beginnt mit dem ersten Vorab-Release der Platte, „Cure For Me“. Inspiriert von der LGBTQ+ Community steht AURORA in dem Elektro-Pop Track für gnadenlose Selbstakzeptanz ein und lehnt es ab, sich den Konventionen der Gesellschaft zu unterwerfen. Dabei denkt sie besonders an Menschen, die ihre Identität aufgrund von staatlicher oder familiärer Gewalt verbergen oder unterdrücken müssen. 

„I don’t like the tension, the misapprehensions about our nature in love“    

AURORA auf "Cure For Me"                              

Deutlich persönlicher wird es in dem Art Pop Track „Giving In To The Love“ und in „Blood In The Wine“, in denen sich AURORA endgültig von jeglicher Scham bezüglich ihrer eigenen Sexualität loslöst und die Lust als menschliches Bedürfnis unabhängig von Schönheitsidealen feiert.

„I want to live my life, be all of it’s pages and underline that I am not an angel“

AURORA auf "Giving In To The Love"

Bemerkenswert ist, wie schnell die Message ihrer Kunst deutlich wird. Mit einer musikalischen Vielfalt, die das Album durchweg spannend bleiben lässt, haucht AURORA ihren Texten besonders durch ihre softe, doch sehr klare Stimme gleich mehrere Bedeutungen ein und verleiht der Platte so ihre ätherische Atmosphäre.
Neben Dance Pop Synth Tracks wie „A Temporary High“, bietet „The Gods We Can Touch“ auch intimere Tracks wie „A Dangerous Thing“, der mit einem einfachen Gitarrenpattern anfängt und durch AURORAS mysteriöse Hintergrundharmonien und dramatische Klavierakkorde immer intensiver wird. Doch selbst hinter den düstereren Liedern verbirgt sich überall ein gewisser Grundoptimismus. Die Euphorie mit der AURORA ihre eigene Menschlichkeit beschreibt, ist so ansteckend, dass sie einen auch die latente Melancholie des Albums genießen lässt. Mit „Exist For Love“, dass mit einem sanften Streichorchester und engelsgleichem Gesang echte 60s-Vibes versprüht, gibt AURORA einen Einblick in ihre spirituelle und positive Perspektive auf Liebe und Beziehungen.

Fazit 

Mit „The Gods We Can Touch“ liefert AURORA etwas, dass sich unverkennbar nach ihr anhört, jedoch sowohl musikalisch, als auch inhaltlich komplexer und umfangreicher ist, als ihre bisherigen Alben. Die knapp 50 Minuten wirken dabei länger, als sie eigentlich sind, da AURORAS lyrische Detailverliebtheit einen besonders tief in ihre Welt eintauchen lässt. Man lässt sich gerne auf die göttlichen Vergleiche ein und wird dazu ermutigt die eigene Selbstwahrnehmung zu hinterfragen.

 

Kommentare

Kommentieren

AURORA : The Gods We Can Touch

Tracklist:

1. The Forbidden Fruits Of Eden
2. Everything Matters
3. Giving In To The Love*
4. Cure For Me
5. You Keep Me Crawling
6. Exist For Love* 
7. Heathens
8. The Innocent
9. Exhale Inhale 
10. A Temporary High
11. A Dangerous Thing* 
12. Artemis*
13. Blood In The Wine 
14. This Could Be A Dream
15. A Little Place Called The Moon 

*Anspieltipps der Redaktion

 

 

 

 

Erscheinungsdatum: 21.01.2022
Universal Music