Inklusion und Barrierefreiheit

Wie barrierefrei ist Leipzig?

Der Alltag für Menschen mit Behinderung wird durch die Auseinandersetzung mit Barrieren immer wieder erschwert. Welche Barrieren sind das und was kann dagegen getan werden?
Eine Person in einem Rollstuhl, von hinten in Bewegung fotografiert
Barrierefreiheit (Symbolbild)

Der Weg in die Senderäume gleicht sich bei den meisten unserer Redakteur:innen. Nachdem innerhalb weniger Minuten Bahn oder Bus rausgesucht wurde, erreicht man problemlos den Augustusplatz. Von dem aus geht es zu unseren Studios. Diese problemlose Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs ist aber nicht allen Leipziger:innen möglich. Menschen mit Behinderung treffen im Alltag immer noch auf viele Probleme. Um diese Probleme zu beheben, braucht es Inklusion.

Inklusion & Barrierefreiheit - Was ist das eigentlich?

Das bedeutet, soziale Teilhabe für alle Menschen und diese kann nur durch Barrierefreiheit gewährleistet werden. Barrierefreiheit ist kein neues Thema und die Stadt hat in den letzten Jahren schon erhebliche Fortschritte gemacht, das berichten Betroffene. Ein wichtiger Termin im Rathaus, ein Abend im Gewandhaus oder das Anfeuern im RB Stadion sind mittlerweile barrierefrei möglich. Diese Fortschritte sind auch auf die enge Zusammenarbeit zwischen Stadt und Organisationen wie dem Behindertenverband zurückzuführen. Martina Scholz ist aktiv im Behindertenverband und macht als Betroffene immer wieder auf alltägliche Probleme von  Personen mit Behinderung aufmerksam. 

Die Abstände zwischen Bahnsteigkante und Straßenbahn sind manchmal noch zu hoch. Manchmal klappt es und manchmal klappt es halt nicht. Da kippt man auch mitunter fast aus dem Rollstuhl, wenn einem niemand dabei hilft.

Martina Scholz, Betroffene

Knapp 40% der Haltestellen sind nicht barrierefrei zugänglich, schätzt sie. Vor knapp zwei Wochen offenbarten sich bei der Bundestagswahl weitere Probleme. Leipzigs Wahllokale sind nach wie vor zu 50% nicht barrierefrei erreichbar. Das erschwert das Wählen für Personen mit Behinderung und stößt auf Unverständnis. Zudem sind nicht alle Websites und Ankündigungen der Stadt in leichter Sprache verfasst. Leichte Sprache hilft Menschen mit kognitiven Einschränkungen, wichtige Informationen zu erhalten. 

Problemlösung durch die Politik?

Probleme im Alltag bestehen also reichlich und Probleme zu lösen, das ist eigentlich Aufgabe der Politik. Die Stadtratsfraktionen sind sich bei ihren langfristigen Zielen sehr einig. Der öffentliche Nahverkehr sowie die öffentlichen Einrichtungen sollen vollständig barrierefrei umgebaut werden. Zusätzlich fordern die Fraktionen den Ausbau von barrierefreien Wohnmöglichkeiten. Dass dort ein Mangel besteht, prangert auch der Geschäftsführer des Behindertenverbands Gunter Jänich an.

Das Problem besteht bei barrierefreien Wohnungen, wo wir in unserer Stadt einfach noch nicht genügend im zahlbaren Bereich haben. Da muss sich noch einiges tun.

Gunter Jänich, Geschäftsführer Behindertenverband

Dafür berät nicht nur der Behindertenverband, sondern auch ein Behindertenbeirat die Stadt bei dringlichen Fragen. Außerdem versuchen Parteien den Austausch zu fördern, so gibt es die Arbeitsgemeinschaft SelbstAktiv der SPD-Fraktion oder die AG Inklusion und Teilhabe der Grünen Fraktion. Frau Scholz ist bei der Inklusion die gesamtgesellschaftliche Teilnahme, die bei jedem und jeder Einzelnen beginnt, wichtig. 

Also die Barriere erstmal in den Köpfen abzubauen wäre ganz wichtig, weil die (Barrieren) eben immer noch existieren. Auch, dass Leute die dafür verantwortlich sind, sich dann auch wirklich bemühen und nicht immer sagen: “das steht zwar im Gesetz, aber machen müssen wir es nicht, wir können es machen.” Dieses können müsste weggestrichen werden. Es sollte in allen öffentlichen Gebäuden eine Selbstverständlichkeit sein.

Martina Scholz, Betroffene 

Den ganzen Beitrag zum Nachhören gibt's in unserem Podcast "Radio für Kopfhörer":

 

 

 

 

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