Gretchen #23

Wer profitiert vom Freiwilligen Jahr?

"Was willst du denn nach der Schule machen?" - Für immer mehr junge Menschen lautet die Antwort darauf "ein FSJ". Was genau macht man dabei eigentlich, welchen Mehrwert hat es und sollte so ein Jahr eventuell sogar für alle verpflichtend sein?
Gretchen: FSJ
Gretchen: FSJ

Was ist ein FSJ?

Das FSJ, das Freiwillige Soziale Jahr, erfreut sich großer Beliebtheit, weil es Jugendlichen ermöglicht, sich nach der Schule ein Jahr zu orientieren, auszuprobieren und sozial zu engagieren. Aber nicht nur Jugendliche können das Angebot wahrnehmen. Menschen im Alter von 16-26 Jahren können sich, solange die gesetzliche Schulpflicht von neun Jahren erfüllt wurde, in diesem Rahmen ehrenamtlich betätigen. Mögliche Bereiche, in denen man ein soziales Jahr machen kann, sind beispielsweise in der Altenpflege, in Krankenhäusern, Schulen, Kindergärten oder der Behindertenhilfe.

Wenn man sich eher im kulturellen Bereich, wie im Theater, Bibliotheken oder Museen, ausprobieren möchte, kann man ein Freiwilliges Kulturelles Jahr machen. Für Menschen, die sich für Umweltschutz interessieren, gibt es das Freiwillige Ökologische Jahr. Ein Freiwilliges Jahr können die Freiwilligen sowohl in Deutschland als auch im Ausland absolvieren.

Für gewöhnlich ist man bei seiner Einsatzstelle für 12 Monate als ehrenamtliche Vollzeitkraft angestellt. FSJler:innen arbeiten dementsprechend in der Regel 40 Stunden die Woche. Gehalt bekommen sie nicht, es gibt jedoch ein Taschengeld, welches meist ungefähr 300€ beträgt. Am Ende des Jahres stellt die Einsatzstelle ein Zeugnis aus. An einigen Universitäten ist es möglich, sich damit bei der Zulassung zu NC-Studiengängen das FSJ anrechnen lassen.

Das ganze Jahr über werden FSJler:innen von einem sogenannten Träger begleitet - etwa dem Roten Kreuz oder der Diakonie. Neben der ganzjährigen Betreuung und Unterstützung bei Problemen der FSJler:innen oder Einsatzstellen beraten die Träger Interessierte und sind für die allgemeine Koordination zuständig.

Probleme und Hilfen

Inga Voigt, Koordinatorin beim Träger "Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung Sachsen", sieht als ein Problem vor allem die falschen Vorstellungen, mit denen Freiwillige oft in das FSJ gehen. Besonders im kulturellen Bereich erwarte man, gleich auf der Bühne zu stehen und "Kultur zu machen". In der Realität jedoch übernehmen FSJler:innen meist organisatorische Tätigkeiten und Aufgaben hinter der Bühne. Von Seiten der Einsatzstellen werden Freiwillige in manchen Fällen wie ausgebildete Mitarbeitende behandelt, statt sie bei ihrer Entwicklung zu unterstützen, weil es ihnen an Arbeitskräften fehlt.

Kritisiert wird am FSJ immer wieder das niedrige Taschengeld. Gerade wenn Personen nicht mehr bei den Eltern wohnen, ist die Finanzierung für einige schwer. In den letzten Jahren hat sich mit verschiedenen Initiativen, wie z.B. "Freie Fahrt für Freiwillige", die freie ÖPNV-Fahrkarten für Freiwillige fordern, aber einiges getan, um Chancengleichheit zu gewähren.

Einführung einer "allgemeinen Dienstpflicht"?

2018 stieß Annegret Kramp-Karrenbauer die Debatte an, eine allgemeine Dienstpflicht, also ein verpflichtendes FSJ, für junge Menschen einzuführen. Dieses soll den gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern und bestimmte Bereiche, wie die Pflege entlasten.

Yiling Pan und Jasmin Quitschau sprechen im Studiogespräch darüber, ob so ein verpflichtendes Jahr überhaupt durchsetzbar ist und inwieweit ein solches wirklich eine Bereicherung für die Gesellschaft wäre.

Mehr dazu im Podcast:

Gretchen - der Kulturpodcast von mephisto 97.6 erscheint alle zwei Wochen überall, wo es Podcasts gibt.

 

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Jasmin Quitschau
28.01.2022 - 17:05
  Kultur

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