Bücher nach Anzahl drucken

Was ist Print-on-Demand?

Die digitalen Medien stehen heute bei Verlagen im Zentrum der Aufmerksamkeit und Print-on-Demand scheint das Druckverfahren der Zukunft zu sein. Was versteckt sich dahinter? Eine Innovation oder eine alte Idee, die zeitgemäß gestaltet ist?
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Was versteckt sich hinter Print-on-Demand?

Ich treffe mich mit dem Verleger Tino Hemmann im Engelsdorfer Verlag. Zuvor hatte Hemman in der Digitaldruckbranche gearbeitet und seit 2001 seine eigenen Bücher in einem Eigenverlag veröffentlicht. Der Unternehmensname bezieht sich auf den Gründungsort. Heute liegt das Unternehmen in einem Gewerbegebiet im benachbarten Stadtteil Leipzig-Paundorf. Der erste Eindruck im Raum: alles ist da - die Druckmaschinen, die Aufträge und frisch gedruckte Bücher. Er erzählt mir, dass sie 2004 auf dem Gedanken gekommen sind, mit dem digitalen Drucken anzufangen. Der Grund: Die Qualität stimmte nicht.

Es gab eigentlich keine technologischen Möglichkeiten. Es gab keine Digitaldruckmaschinen, sondern nur Kopierer damals. 30 Auflagen wurden schon per Kopie gemacht, aber eher selten. 

Print-on-Demand - auch bekannt als PoD - ist eine Digitaldrucktechnik, mit der einzelne Exemplare, statt großer Mengen an Büchern, gedruckt werden können. Und das auf Wunsch und erst nach Bestellung. Dieses Verfahren wird seit Mitte der 90er Jahre angewendet. Seitdem hat sich die Verlagslandschaft, durch die zuhnemende Digitalisierung, auch verändert und auch durch die Mediennutzung. Das heißt, die Auflagen sind kleiner geworden. Es erscheint eine Vielzahl von Titeln, etwa 90.000 pro Jahr. Das mit dem Verlegen von Büchern verbundene Risiko der Verlage ist nicht gesunken, sondern eher etwas gestiegen. Deshalb orientieren sich die Verlage jetzt viel stärker an der möglichen Nachfrage und am Print-on-Demand Angebot. Da sie schwer vorhersagen können, drucken sie lieber kleineren Auflagen, um nicht das Risiko einzugehen, auf größeren Mengen von Büchern sitzen zu bleiben. Die sinkenden Auflagen sind also ein ganz wichtiger Punkt. Dazu kommt, dass sich die Technologien, die hinter dem Begriff PoD stehen, wesentlich verbessert haben.

Lohnt sich Print-on-Demand?

Bedingung für den Digitaldruck ist, dass die Druckdaten in elektronischer Form vorliegen. Der Engelsdorfer Verlag verlangt von ihren Autor:innen, dass sie allgemeine Dateien schicken, wie zum Beispiel eine Open-Office- oder Word-Datei. Ganz wichtig dabei: Der Text muss kaum formatiert sein. Wenn das Manuskript auf dem Rechner ankommt, wird es im grober Satz gemacht. Das heißt, da ist schon mal die Entscheidung getroffen, wie das Buch gedruckt wird, in welchem Format, in welcher Größe. Je nachdem, ob viele Bilder, wissenschaftliche Werke oder viele Formatierungen drin sind, dauert der Prozess kürzer oder länger. Timo Hemman betont aber, dass es meistens maximal vier Wochen dauert. 

Ein Vorteil liegt sofort klar auf der Hand. Jeder Auftraggeber und jede Auftraggeberin kann ein Produkt kostengünstig und unkompliziert produzieren lassen. Deshalb nutzen immer mehr Verlage das Print-on-Demand Angebot.

Langfristige Möglichkeit

Print on Demand ist also kein flüchtiger Trend. Im Gegenteil: Das Konzept, Bücher auf Nachfrage zu drucken, hat sich etabliert und eine Szene profitiert ganz besonders davon. Nämlich die der Autoren und Autorinnen, die ohne Verlag publizieren. So wie die Leipzigerin Cornelia Lotter. Sie nennt sich eine Hybrid-Autorin, denn noch bis 2011 hat sie mit einem Verlag gearbeitet. Andere Veröffentlichungswege abseits der Verlage zu finden, war lange Zeit sehr schwierig. 2012 kam eine Alternative. 

Diese Möglichkeit habe ich dann ergriffen, weil es einfach sehr lästig war, immer Verlage anzuschreiben und entweder nichts zu hören oder standardisierte Absagen zu bekommen. Das ist schwierig unterzukommen für ein relativ no name. Das war der Grund, warum ich im Selfpublishing gegangen bin.

Cornelia Lotter

Selbst verlegen mit PoD? Geht klar! 

Selbst zu verlegen ist also heute kein Problem mehr. Wer selbst verlegt, genießt eine größere kreative Freiheit. Niemand redet einem rein, egal ob bei Cover, Preis oder Abgabetermin, erklärt Cornelia Lotter. Jedoch müssen die Selfpublisher ihre Bücher selbst vermarkten und Sichtbarkeit ist dabei ein ganz wichtiges Wort für die Selfpublisher. Die Schriftstellerin arbeitet zum Beispiel mit Werbeaktionen, die über einen Einführungspreis gehen. Regulär kosten ihre E-Books meistens 3,99. Sie macht dann eine Einführungsaktion für 0,99 Euro und das bewirbt sie auf verschiedene Portalen und natürlich auf ihren eigenen Social-Media Kanälen. 

Im Gespräch betont die freie Autorin, der Selfpublishingmarkt sei mittlerweile gut gefüllt. “Mist” gibt es auch, sagt sie. Der Selfpublisher Verband, der mittlerweile fast 800 Mitglieder hat und zu dem Cornelia Lotter gehört, hat sich die Qualtitätssicherung auf die Fahnen geschrieben, denn es gibt keinen Verlag gibt, der auswählt. Das Netzwerk für die selfpublishing Szene bietet regelmäßig Fortbildungswebinare an und Autor:innen tauschen sich über Foren aus. Für die Leserschaft entstehen also keine Nachteile, eine andere Situation bei der Kaufentscheidung ist es aber schon, meint Cornelia Lotter. Sie ist der Meinung, dass der Leser ein bisschen mehr machen muss und Verantwortung hat. 

Für Ernst-Peter Biesalski, Professor an der HTWK mit dem Berufungsgebiet Buchhandel und Verlagswirtschaft, steht eines fest: Der Markt für PoD-Angebot wird noch wachsen, weil die Zahl der kleineren Auflagen zunehmen werden. Das hängt mit dem Mediennutzungsverhalten und mit der Erwartung von Konsumenten zusammen. 

Für jeden Fall ein speziell zugeschnittenes Buch zu erhalten. Es wird einzelne Titel geben, also personalisierte Titel, die speziell für mich gedruckt werden. Es gibt schon heute Kinderbücher wo zum Bsp. der Namen des Kindes mit aufgenommen wird.

Ernst-Peter Biesalski, Professor an der HTWK

 

 
 

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