Berlinale Log #4

Una película de policías – A Cop Movie

Unter der Kategorie Wettkampf spielte die diesjährige Berlinale einen etwas anderen Polizeifilm als den gewohnten sonntäglichen Tatort. Leila Renn war live dabei und berichtet.
A cop movie
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Berlinale Logbuch #4

Nachdem die meisten Tickets für die Berlinale Sommerkinos bereits wenige Stunden nach Verkaufsstart ausverkauft waren, trete ich erst heute mein Freiluftkinoerlebnis an. Auch bei mir liegt der letzte Kinobesuch nun schon fast ein ganzes Jahr zurück. Dabei muss ich sagen, dass die Berlinale mir da sehr gelegen kommt – denn für mich gibt es nichts Schöneres als bei einem kühlen Drink begleitet von einer warmen Sommerbriese die neuesten Kinofilme anzuschauen.

Das Freiluftkino Charlottenburg bietet eine wunderschöne Atmosphäre. Ich habe bereits eine halbe Stunde vor Filmstart auf meinem Liegestuhl in der ersten Reihe Platz genommen und starre auf die riesige, aufgeblasene Kinoleinwand vor meinen Füßen. Immer wieder drehe ich mich um, um das beeindruckende Schloss Charlottenburg in der aufkommenden Abenddämmerung zu betrachten. 

Erstmals präsentiert wird die Netflixproduktion des mexikanischen Regisseurs Alonso Ruizpalacios „Una película de policías“. Es ist der erste Film seit langem, von dem ich zuvor weder etwas gelesen noch gehört hatte. Mit voller Absicht hatte ich mir zuvor nichts dazu durchgelesen, um mich mal wieder so von einem Film überraschen zu lassen, wie es vor Zeiten von Google-Rezensionen und moviepilot.de üblich war.

Der Filmstart verzögert sich etwas, da nicht alle so pünktlich sind, wie ich. Während die Gäste noch langsam eintrudeln, spricht eine Frau ein paar einleitende Worte zum Film – dann geht es los.  

Ein etwas anderer Polizeifilm

Der Film startet mit ungewöhnlichen Farben. Auf der Leinwand erscheinen abwechselnd in rotem und blauem Hintergrund – wie bei einer Polizeisirene – die wichtigsten Namen des Films. Im Hintergrund spricht eine Frau in spanischer Sprache. Bald wird klar sie sitzt in ihrem Polizeiauto und bittet via Funkverkehr um Hilfe bei ihrem Posten. 

Wir befinden uns in Mexico – einer Stadt, in der die Polizei nie schläft und die Nächte niemals ruhig sind. Wir erleben die in 5 Abschnitte unterteilte Geschichte zweier Polizist*innen: Teresa und Montoya. Wir hören ihre Stimmen, als würden sie uns bei einem netten Kaffee Storys aus dem Polizeialltag erzählen. Dazu sehen wir kräftige Bilder und haarscharfe Nahaufnahmen, die mich sofort in den Bann ziehen.

Nachdem die ersten beiden Teile des Films etwas langatmig sind, kommt im dritten Teil ein unerwarteter Twist. Die Grenze zwischen Fiktion und Realität verwischt, als wir plötzlich Handy-Aufnahmen der beiden Schauspieler:innen sehen, bei denen sie sich selbst filmen. Mónica del Carmen und Raúl Briones verbrachten nämlich drei Monate in einer Polizeischule, um sich auf ihre Rolle im Film vorzubereiten. Das ist die Hälfte der Ausbildungszeit, die man in Mexico-City braucht, um eine Waffe in die Hand zu bekommen und sich Polizist nennen zu dürfen. 

Hautnah erleben wir mit wie es ihnen ergeht und welche Gedanken sie in dieser Zeit begleiten. Bei all den Anti-Polizei Bewegungen, die es im letzten Jahr gab präsentiert der Film eine erfrischende Sichtweise aus dem Leben zweier echter Berufspolizist:innen und zeigt auf, welche Schwierigkeiten mit dem Beruf verbunden sind, wenn man versucht, einer von den Guten zu sein.  

 

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Programm des Berlinale Sommer Specials 2021.

Una película de policías (Mexico 2021; R.: Alonso Ruizpalacios )