Frisch Gepresst: Laura Mvula

Time To Shine

Die britische Sängerin Laura Mvula veröffentlicht ihr drittes Studioalbum „Pink Noise“. Zuvor wurde sie durch ihre Soul-Pop und R&B-Qualitäten bekannt. Jetzt begibt sie sich direkt ins Rampenlicht, dort, wo jede einzelne Paillette mal Glitzern darf.
Laura Mvula
Laura Mvula

Wie führt man die eigene Karriere fort, wenn das Label, bei dem man zwei hochgelobte Alben veröffentlicht hat, einem plötzlich kündigt, weil das neueste Projekt nicht den erhofften Top-10 Erfolg mit sich zieht? Laura Mvula musste sich 2017 dieser Frage stellen und entschied sich, dieses Erlebnis an die Öffentlichkeit zu tragen, um den wüsten Umgang und Machtmissbrauch eines Major-Labels nicht länger im Kleinen zu halten. Was darauf folgte?
Selbstzweifel, Zukunftsängste und letzten Endes, ein Weckruf. Gott sei Dank, denn dass das Talent der Künstlerin nicht begraben gehört, ist auch ohne Major-Label unbestritten. Nun folgt nach vier Jahren eine Platte, auf der sie sich von vielen Zwängen und Erwartungen der Industrie freigemacht hat. Veröffentlicht wurde das ganze beim R&B-Label Atlantic Records. Auch nicht unbedingt ein No-Name Independent Label, aber eines, was ihr erlaubt, die Musik zu machen, für die sie von Beginn an gebrannt hat. 

Kompromisslos 80s

Mvula hat sich für ihr Comeback neu erfunden. Und zwar mit einer Menge Glamour und mächtigen Schulterpolstern. Mit denen, so scherzt die Sängerin selbst, kam sie schon aus dem Mutterleib. Naja, und ganz aus der Luft gegriffen ist das nicht, denn Laura Mvula wurde 1986 geboren, und wuchs deswegen mit den Größen der 80s auf. Darum macht sie auf Pink Noise keinen Hehl: „Church Girl“ klingt nach einer perfekten Synthese aus Prince und Whitney, und wer bei dem trabenden Beat und den Neon-Synths auf dem Pre-Release „Got Me“ nicht direkt an Michael Jacksons „The Way You Make Me Feel“ denken muss, hat das Jahrzehnt der Dauerwelle und Studio54 wohl vollständig verschlafen. Jene Soundästhetik wird dann auch im zugehörigen Musikvideo fortgeführt. Waschanlage, Wet-Look, Vaporwave. Es gibt keine Widersprüche, alles steuert in eine Richtung, und die heißt 80s. Trotzdem sind nicht alle Songs solche energievollen Höhepunkte. Auf „What Matters“ werden die Synthies dann super soft, genauso wie die Stimme des Featuregastes und Biffy Clyro-Mitglied Simon Neil, sodass das Ganze zu einem elegant gleitenden Duett verschmilzt. 

 

Raum einnehmen

Die 10 Tracks schreien nach Freiheit und Energie, die sie sich die letzten Jahre hart wieder erkämpfen musste. Nach einer Phase der schweren Depression, geht Laura Mvula in die Offensive, sie glänzt wieder, und erschafft eine Soundexplosion, die so dynamisch klingt wie nie zuvor. „Das ist das Album, das ich immer machen wollte.“, schreibt sie dazu auf Apple Music. Und das darf nach zwei gefeierten Studioalben auch sein. Ihr in der Zeit seit der letzten Platte empfundenes Leid verschweigt sie auf „Pink Noise“ aber nicht. Wo man dies durch so manch energiestrotzende Momente auf der Platte für verdrängt vermutet, wird es an anderer Stelle wieder offen thematisiert. Die Sängerin reokkupiert ihren Raum auf der Bühne, ohne Angst, zu viel Platz einzunehmen.

I wore them pretty colours
And fancy feathers
Thought I could walk on water
Just like no other.

Laura Mvula auf “Golden Ashes“

Shine On!

Zugegeben: Die beachtliche Fülle von Mvulas Stimme kam auf ihren vergangenen Solo-Projekten sicherlich deutlicher zur Geltung. Das ist für Soul-Liebhabende vielleicht enttäuschend. Letzten Endes bleibt es aber eine Geschmackssache. Auch von Innovation und Überraschung kann nicht unbedingt die Rede sein, denn Pink Noise bewegt sich auf sicheren Bahnen im großen Spektrum des 80s Synth-Pop. Aber vielleicht geht es hier in erster Linie um Spaß und um eine Selbstermächtigung, die bedeutet, sich die künstlerische Freiheit zurückzuholen. Sei sie leuchtend und glamourös. 

 

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Nelly Brändle
07.07.2021 - 10:53
  Kultur

Laura Mvula: Pink Noise

Tracklist:

Tracklist:

1. Safe Passage 

2. Conditional

3. Church Girl *

4. Remedy *

5. Magical

6. Pink Noise

7. Golden Ashes 

8. What Matters (feat. Simon Veil) *

9. Got Me *

10. Before The Dawn

*Anspieltipps der Redaktion

Erscheinungsdatum: 02.07.2021
Atlantic Records