Stadttiere

Täglich grüßt die Stadttaube

Wir alle kennen sie und begegnen ihnen tagtäglich: den Stadttauben. Doch warum gibt es eigentlich so viele von ihnen? Und was hat es mit den Klischees rund um die nicht ganz so beliebte Vogelart auf sich?
Stadttauben

Die Überpopulation der Stadttauben, wie wir sie heute kennen, ist eine langfristige Folge jahrelanger Züchtungen. Früher hielten sich Menschen die Vögel aus wirtschaftlichen Gründen, um sich von Ihnen zu ernähren oder um sie als Brieftauben einzusetzen. Dass heute so viele Tauben in den Städten leben, liegt mitunter daran, dass sie ausgesetzt wurden oder die Orientierung verloren und nicht mehr den Weg nach Hause fanden. Und je mehr Tauben sich in den Städten ansammelten, desto schneller vermehrten sie sich ‒ und mit ihnen auch die Klischees über sie.

Tauben sind unhygienisch! … oder?

Jeder und jede von uns hat wohl schon mal gehört, dass Tauben dreckig sind und Krankheiten auf Menschen übertragen. Frau Krautwald, die Leiterin der Klinik für Vögel und Reptilien in Leipzig, hat uns im Interview erklärt, dass das aber so nicht stimmt:

Tauben übertragen sogar eher selten Krankheiten auf Menschen. Das liegt an den unterschiedlichen Tierklassen. Tauben sind nämlich keine Säugetiere wie wir Menschen und deshalb ist die Ansteckungsgefahr für uns sehr gering. Wie bei allen wilden Tieren, kann es natürlich auch bei Tauben mal zu Parasitenbefall kommen, das ist aber eher der Fall, wenn sie sich beispielsweise unkontrolliert auf Dachböden einnisten.

Prof. Dr. Maria-Elisabeth Krautwald-Junghanns, Leiterin der Klinik für Vögel und Reptilien Leipzig

Die Taube in der Innenstadt ist für uns also erstmal komplett harmlos.

Eigentlich machen sogar eher die Menschen die Tauben krank. Durch unsere Essensreste, die sie in den Städten finden und von denen sie sich hauptsächlich ernähren, bekommen sie beispielsweise Verdauungsprobleme, was wiederum zu ungesundem Kot und der Verschmutzung unserer Straßen und Gebäude führt. Und es passiert auch immer wieder, dass Tauben sich in den Städten verletzen. Zum Beispiel können sie sich durch Drähte und Schnüre auf dem Boden oder Nägel und Spikes an den Hauswänden tiefe Wunden zuziehen.

Das Augsburger Modell

Der ehrenamtliche Verein "Stadttaubenhilfe Leipzig e.V." hat mit dem sogenannten Augsburger Modell eine Lösung gefunden, die Tauben etwas aus der Stadt zu locken und so das Zusammenleben zwischen Mensch und Taube zu verbessern. Anna, die selbst Mitglied in dem Verein ist, hat uns im Interview erklärt, was es damit auf sich hat:

Das Augsburger Modell basiert darauf, dass Menschen Taubenschläge einrichten und betreuen. Dabei liegt der Hauptfokus auf dem konsequenten Austausch von den Taubeneiern durch Gips-Attrappen. So kommt es zu keinem Bruterfolg und schließlich auch zu keiner Fortpflanzung. Und zeitgleich werden die Tiere dort gesund ernährt und medizinisch versorgt.

Anna, ehrenamtliche Helferin bei der "Stadttaubenhilfe Leipzig e.V.

Bisher stehen die meisten dieser Taubenschläge bei den Helferinnen und Helfern des Vereins zu Hause, also über ganz Leipzig verteilt, mit jeweils circa 30 Tauben. Seit kurzem gibt es ein neues Projekt am Bayrischen Bahnhof im Zentrum von Leipzig. Dort soll sogar Platz für 200 Tauben sein.

Wenn Du mehr über die Situation der Stadttauben in Leipzig erfahren möchtest oder auch selbst etwas zum besseren Zusammenleben von Mensch und Taube beitragen willst, hör doch gern in unsere Podcast Folge rein:

"Stadttier-Spezial: Die Stadttaube" - von Shannon-Lee Bendig

Leonard Doleschek, Johanna Honsberg, Annekathrin Queck

Stadttaube Beitrag

 

 

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Hier findet ihr mehr zum Thema:

http://www.stadttauben-leipzig.de/