Filmkritik: "Sing 2"

Sing mal wieder

Animierte Tiere, die bekannte Pop-Songs singen. Was nach einem schrägen Musikvideo klingt, ist Hauptbestandteil von "Sing". Mit neuen Liedern und einer neuen Geschichte versucht der Nachfolger, den Erfolg des ersten Teils fortzuführen.
Die tierischen Charaktere aus "Sing" lucken durch einen roten Vorhang.
Schon wieder geht es für die Charaktere aus "Sing" auf die große Bühne.

“Sing – Die Show deines Lebens” steigt direkt mit dem ein, was der Titel ankündigt: Einer Show. Ohne irgendeine Erklärung sieht man die tierischen Charaktere aus “Sing” wieder im Theater. Diesmal führen sie ein Musical auf. Das Besondere dabei: Eine Talentsucherin sitzt im Publikum, die der Truppe ein Vorsingen bei einem großen Medienunternehmen ermöglichen könnte. In der Hoffnung, dadurch ihr Stück auf die ganz große Bühne bringen zu können, geben die Charaktere alles, um die Talentsucherin von sich zu überzeugen.

Eine Bühne ist nicht genug

Doch ganz so einfach ist es natürlich nicht. Die Tiere werden nicht zum Vorsingen eingeladen, wollen aber auch nicht ihren Traum aufgeben. Also müssen sie tricksen: Sie schleichen sich zum Vorsingen ein und behaupten dann sogar, mit dem seit langem zurückgezogenen Sänger Clay Calloway befreundet zu sein. Dadurch wecken sie zwar das Interesse des Musikmoguls Jimmy Crystal, aber es wird gleichzeitig zur Bedingung, dass Calloway bei der Show auftreten muss.

Der Anfang des Films verspricht ein riesiges Schlamassel, bei dessen Lösung die Charaktere auch einige (persönliche) Hürden überwinden müssen. Vom Aufbau erinnert das stark an den ersten “Sing”-Film: Es gibt von Anfang an ein Problem, das über den Film hinweg verdrängt und dann doch gelöst werden muss. Originell ist diese Geschichte also nicht, aber das verzeiht man dem Film schnell durch die vielen liebevoll gestalteten Charaktere und die vielen Pop-Song-Einlagen.

Die Charaktere sitzen im Bus und proben gemeinsam.
Auch ohne Einladung machen sich die Charaktere auf zum großen Vorsingen.

Mehr Screentime für die Underdogs

Diesmal rücken auch die Charaktere mehr in den Fokus, die im vorherigen Teil nur am Rand standen: Das Hausschwein Gunther, das zuvor nur der aufdringliche Tanzpartner von Haussau Rosita war, hat nämlich die zündende Idee, durch die die Truppe erst die Chance bekommt, im großen Crystal Tower Theater aufzutreten. Und die Sekretärin Miss Crawly macht nicht mehr nur alles falsch, sondern schmeißt den Laden in der Abwesenheit ihres Chefs sogar besser als er selbst.

Dass man die einstigen Nebencharaktere so besser kennenlernt, ist charmant, allerdings ist das lediglich eine Art Fan-Service für diejenigen, die schon den vorherigen Teil gesehen haben. Umso bedauerlicher ist, dass dafür die neu eingeführten Charaktere etwas auf der Strecke bleiben und sehr eindimensional wirken.

Die Echse Miss Crawly sitzt in einem flotten Auto.
Was Miss Crawly wohl so im Auto hört...?

Ein Musical für jeden Musikgeschmack

Die größte Stärke des Films ist wie auch schon im ersten Teil die breite Auswahl an bekannten Songs. Von aktuelleren Titeln wie Billie Eilishs „bad guy“ über eine kurze Metal-Einlage bis hin zu Aretha Franklins „I Say A Little Prayer“ sind einige Genres und Musiker:innen aus verschiedenen Zeiten vertreten. Dabei dienen die Gesangseinlagen von bekannten englischsprachigen Schauspieler:innen wie Scarlett Johansson und Taron Egerton (die ihre Figuren auch im Original sprechen) nicht nur der Unterhaltung, sondern sie tragen auch die Emotionen in den einzelnen Szenen. Wenn die Igeldame Ashley „I Still Haven’t Found What I’m Looking For“ anstimmt, singt sie stellvertretend für all die Charaktere im Film, die nach etwas gesucht haben, was ihnen erst verborgen war.

Ash steht auf einer großen Bühne.
Hat Ash nun endlich gefunden, was sie gesucht hat?

Fazit

„Sing – Die Show Deines Lebens“ verspricht mit dem Titel viel, kommt über eine nette Show für einen Kinobesuch aber nicht heraus. Statt etwas Neues auszuprobieren, geht der Film auf Nummer sicher und wärmt die Struktur des ersten Teils nochmal auf. So werden vor allem Fans von “Sing” bedient. Das macht den Film nicht per se schlecht, denn die eingängige Handlung erlaubt es den Hauptcharakteren, mit ihren Eigenarten zu glänzen und mit den Songs zu begeistern. Nur verspielt der Film sich dadurch die Chance, etwas Besonderes zu sein. Wer einen durchschnittlichen Wohlfühl-Kinobesuch sucht, wird mit “Sing – Die Show Deines Lebens” nicht enttäuscht, gesehen haben muss man den Film aber nicht.

"Sing – Die Show Deines Lebens" läuft ab dem 20. Januar 2022 in den deutschen Kinos.

 

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Laura Kreuzhage
19.01.2022 - 12:01
  Kultur

Sing – Die Show Deines Lebens

Kinostart: 20. Januar 2022

Regie: Garth Jennings

Mit: Bastian Pastewka, Katharina Thalbach, Peter Maffay uvm.

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