Gretchen #25

Sind zensierte DEFA-Filme noch relevant?

700 Spiel-, 750 Animations-, und 2250 Dokumentarfilme: Das Ergebnis von knapp 40 Jahren DEFA-Filmproduktion. Doch längst nicht alle gedrehten Filme erreichten die Leinwände der DDR. Warum sind gerade diese damals verbotenen Filme heute noch wichtig?
Gretchen: DEFA-Film

Ein Filmstudio mit vielen Gesichtern 

Das Studio Babelsberg-Potsdam ist ein gefeierter Star auf der Weltbühne der Filmstudios. Internationale Regisseure kamen dort hin, um Filme wie "Inglourious Basterds", "Grand Budapest Hotel oder den neuen "Matrix: Resurrections" zu filmen. Dieses Jahr feiert es seinen 110. Geburtstag und ist damit das älteste Großatelier-Filmstudio, das es gibt. Und nach über einem Jahrhundert Filmproduktion kann das Studio auf eine reiche Geschichte mit verschiedenen Etappen zurückblicken: sowohl die Ufa als auch die DEFA ließen dort fleißig spielen und drehen. 

Letztere heißt bei vollem Namen Deutsche Film AG. Die DEFA war von 1946 bis zur Wende der Mittelpunkt der Filmproduktion in der DDR. Ohne sie gäbe es die Tradition nicht, sich zu jedem Weihnachtsfest "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" (1973) anzusehen (die übrigens auch in Norwegen ausgeübt wird). Die beliebte Verfilmung von Aschenputtel war nämlich eine Koproduktion zwischen dem tschechischen Filmstudio Barrandov und der DEFA. Neben anderen Märchenverfilmungen wie "Die Geschichte vom kleinen Muck" (1953) oder "Das singende klingende Bäumchen" (1957) brillierte die DEFA auch mit anderen Genres. Als erster deutscher Trümmerfilm und als mutige filmische Verarbeitung der NS-Zeit machte "Die Mörder sind unter uns" (1946) Geschichte. Ebenfalls mitgerissen wurde das Publikum von Dramen wie "Die Legende von Paul und Paula" (1973) oder Science-Fiction-Streifen wie "Der schweigende Stern" (1960). 

Zeigen verboten

Als volkseigenes Filmstudio der DDR stand die DEFA unter der Führung der SED. Doch nicht alle Filme, die im damaligen Babelsberg-Potsdam produziert wurden, waren unbedingt systemkonform und linientreu. Wegen einer kritischen Haltung gegenüber dem DDR-Regime oder einer recht freien künstlerischen Darstellung, wurden mehrere Filme zensiert. Das Jahr 1965 sticht dabei besonders hervor: nach dem 11. Plenum des Zentralkomitees der SED wurden ganze zwölf Filme verboten. Diese sogenannten Kellerfilme oder Kaninchen-Filme (in Anlehnung an den ersten verbotenen Film des Jahres "Das Kaninchen bin ich") wurden weitestgehend, genauso wie die restlichen verbotenen DEFA-Filme, erst nach 1989 veröffentlicht. 

Der Filmhistoriker Andreas Kötzing beschäftigt sich mit der Filmpolitik der DDR und behandelt in seinen Büchern unter anderem gerade diese verbotenen DEFA-Filme. In einem Interview mit mephisto 97.6-Redakteurin Clara Gold erklärt er, inwieweit der DDR-Staat die DEFA-Filmproduktion kontrollierte. Außerdem spricht er über filmische Strategien in späteren DEFA-Filmen, die angewendet wurden, um Kritik subtil zu äußern ohne eine Veröffentlichung zu riskieren. 

Nur alte Schinken?

Ach, die DDR. Schnee von gestern, könnte man jetzt meinen. Vor allem mit ihren alten Filmen, die heutzutage kaum von einem Netflix- oder Amazon Prime-Algorithmus erfasst werden. Unsere Redakteurinnen Jasmin Quitschau und Emma Wendland haben den Selbstversuch gestartet. Sie haben sich einen der verbotenen DEFA-Filme rausgepickt und angesehen. Warum man von dem DDR-Äquivalent des Studio Babelsberg den ein oder anderen Filmschatz erwarten kann und weshalb gerade die damals zensierten Produktionen heute für uns relevant sind, erzählen die beiden in dieser Gretchen-Folge. Dazu gibt es exklusive DEFA-Filmtipps eines Ehrengastes. Wo und wann man sich DEFA-Filme zu Gemüte führen kann (auch die verbotenen), das erfährt man auf der Webseite der DEFA-Stiftung.

 

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Charlotte Nate
16.02.2022 - 19:02
  Kultur

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