Interview: KID BE KID

„Sensibel, rhythmisch, verwebt”

Polyrhythmisches Beatboxing verschmilzt mit entgleitendem Gesang, Synthies und verspielten Klaviermelodien — all dies ist KID BE KID. Ein Gespräch über das Kind-Sein in der Musik, der Zugehörigkeit und Abgrenzung vom Jazz.
Kid be Kid am Klavier
Kid be Kid Konzert Jazztage Leipzig

„Sensibel, rhythmisch und verwebt“ — so beschreibt KID BE KID ihre eigene Musik. Sie tritt im Rahmen der diesjährigen Leipziger Jazztage auf, dessen Motto „Body Time” für die Künstlerin eine ganz persönliche Bedeutung trägt: wieder auf einer Bühne vor Publikum stehen zu können. Doch nicht nur die Präsenz auf der Bühne spiegelt Körperlichkeit wieder, auch in der Performance wird diese sichtbar. Die Musikerin betritt allein die Bühne, ihr Körper wird zu ihren Instrumenten. Vor ihr ein Klavier, darauf Synthesizer und dazu noch die eigene Stimme, die simultan singt und beatbox. Wie viel steckt in einem Menschen drin? Eine ganze Menge.

Von der Kindlichkeit in der Musik

Das außergewöhnliche Setup aus Klavier, Synthies und Gesang lässt KID BE KID viele Freiheiten zum musikalischem experimentieren. So entsteht eine einzigartige Musik, die stetig zwischen Genreassoziationen des Hip Hops, der klassischen oder auch elektronischer Musik wandelt. Die Musikerin beeinflusse alles, was sie irgendwo höre, so auch die Musik eines Club- oder Festivalbesuchs, zu welchem sie tanzte. Auf diese Offenheit der musikalischen Einflüsse sowie des Instrumenten-Setups, die Verspieltheit im Zugang des Musikschaffens referiert bereits ihr Projektname KID BE KID.

Aber ich fand dieses Wortspiel so schön "KID BE KID", das passt auch einfach so gut zu diesem Setup […] Das ist so wie: Okay gib mir alles Spielzeug was ich irgendwie kriegen kann und mach was damit. Ich kann mich irgendwie nicht entscheiden, oder will mich gar nicht entscheiden, sondern will die alle gleichzeitig spielen und ich glaube diese Mischung fand ich irgendwie cool.

Die Künstlerin ist der Meinung, in jedem von uns stecke noch ein Stück Kind, dass wir verspielt sein können, wenn wir dies nur zuließen. Für ihre Musik greift KID BE KID auf die kindliche Wissbegierigkeit und den Drang zum Ausprobieren zurück.

„No loops, just love”

Dabei verzichtet die Musikerin auf eine Loopstation, die man beim Hören ihrer Musik durchaus vermuten könnte. KID BE KID, das ist „No loops. just love”, so steht es in ihrer Instagram-Bio. Aber warum eigentlich keine Loopstation? Die Musikerin benutzt diese auch in einem anderen Projekt., doch für das Setup von KID BE KID entschied sie sich dagegen:

Du kannst dann zwar mit dem Loop spielen, […] aber trotzdem ist da immer etwas, was durchläuft. Was Vorteile hat, aber auch Nachteile, denn du kannst nicht so schnell entscheiden: Und jetzt mach ich was ganz anderes, jetzt geht der Beat auf eine andere Ebene, der Bass bleibt aber und das Beatboxing kündigt eine neue Time an. Ich bin so flexibel, dadurch das ich alle Instrumente zur selben Zeit spiele und einfach total nach meinem Gefühl gehen kann […].

Jazz und andere Einflüsse

Die Musikerin hat Jazzgesang in Dresden studiert. Dabei habe ihr das Studium bereits viele Freiheiten gegeben, sich auch in anderen Genres auszuprobieren, um nicht streng in der Jazztradition zu verweilen.

Wir hatten sehr sehr viele Freiheiten, in welche Genre wir reinschauen wollten und ich würde sagen, dass Jazz mich mit beeinflusst hat und das beispielsweise die Klänge, also die Akkorde, auch das Improvisative auf jeden Fall beeinflusst sind vom Jazz, das aber auch noch andere Einflüsse in meine Musik einfließen. Sowas wie Hip Hop, Soul und klassische Musik, bisschen vielleicht auch Singer Songwriter Musik, Filmmusik — irgendwie alles was ich in meinem Leben so gehört habe und gefeiert habe, das spielt da irgendwie mit rein.

Der Jazz ist für die Musikerin eine von vielen musikalischen Inspirationen. Auch wenn sie sich selber nicht als eine Jazzmusikerin Labeln möchte, stellt es für sie kein Problem dar, wenn andere dies tun. Sie passe auf ein Jazzfestival, doch falle es ihr schwer sich klar einem Genre zuzuordnen. Sie möchte einfach ihren ganz eigenen KID BE KID Sound schaffen.

 

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Sarah Sterling
21.01.2022 - 14:36
  Kultur

KID BE KID: Lovely Genders

Tracklist:

1. Blood

2. Monument

3. Slide

4. Lovely Genders

5. Outro

Erscheinungsdatum: 20.03.2020
Springstoff