Popcorn, Prinzen, Politik

Olaf Scholz beim Sommerfest in Leipzig

Die SPD feiert jedes Jahr in Leipzig ihr Sommerfest, doch in diesem Wahljahr ist auch das natürlich eine Wahlkampfveranstaltung. Und Olaf Scholz persönlich gab sich die Ehre, zu den Leipziger:innen zu sprechen.
Menschen vor Bühne der SPD
Sommerfest der SPD in Leipzig

An einem sonnigen Nachmittag nahe der Sachsenbrücke riecht es nach Popcorn, Kinder springen auf einer Hüpfburg, hin und wieder fliegt ein roter Ballon gen Himmel und auf der Bühne spielt eine Band. Ein kleines Sommerfest? Ja, aber drei knallrote Buchstaben machen schnell klar, um wessen Veranstaltung es sich hier handelt: SPD. Und natürlich wird es auch schnell politisch, die beiden Direktkandidat:innen für Leipzig, Nadja Sthamer und Holger Mann stellen sich vor. Sie präsentieren auf der Bühne ihre Ideen, für die sie in den Bundestag gewählt werden wollen, auch mit Bezug zu Leipzig. Sie suchen bei dieser Veranstaltung den direkten Kontakt zu den Bürger:innen und nehmen sich nach ihrem Auftritt reichlich Zeit für Gespräche neben der Bühne. Beide wollen auch auf Bundesebene einige der drängendsten Fragen angehen, die die Leipziger:innen beschäftigen, vor allem die Wohnsituation. Aber natürlich steht der Klimawandel, wie bei fast allen Parteien in diesem Wahlkampf, ganz oben auf ihrer Agenda. Die SPD möchte vor allem mit Innovation und Investitionen der Krise begegnen, vor klaren Verboten schrecken sie zurück. Vermutlich auch aus diesem Grund findet sich auch eine kleine Belegschaft von Fridays for Future beim Sommerfest ein, die mit Plakaten eine strengere Klimapolitik fordern, um das 1,5 Grad-Ziel zu erreichen. Es herrscht also nicht nur Sonnenschein heute.

Olaf Scholz: Beim Klima seh ich rot.

Aufschrift der Plakate von Fridays For Future

Der Prinz für den Kanzler(-kandidat)

Noch ist die Wiese mäßig gefüllt, die meisten der bisher Anwesenden sind überzeugte SPD-Wähler:innen oder Parteimitglieder. Den folgenden Redner:innen wird zwar Beachtung geschenkt, gespannt sind die meisten aber auf jeden Fall auf den Hauptredner des heutigen Abends: Der Kanzlerkandidat Olaf Scholz hat sich zum Zukunftsgespräch angemeldet. Die Zeit bis 18 Uhr wird mit Bratwurst und Bier rumgebracht, die Stimmung ist gelöst, aber auch nicht euphorisch. Als Vorredner tritt Parteigenosse und Oberbürgermeister der Stadt Leipzig, Burkhard Jung auf. Auch er hat nur gute Worte über Olaf Scholz zu sagen und freut sich über das mittlerweile doch sehr gut besuchte Sommerfest. Eingeleitet wird Scholz schließlich durch zwei Lieder von Sebastian Krumbiegel, dem Sänger der Prinzen. Wirklich Stimmung kommt aber erst auf, als Scholz selbst die Bühne betritt. Die versammelte Anhängerschaft begrüßt ihren Hoffnungsträger auf die erste SPD-Kanzlerschaft seit 2005 mit energischem Applaus. Olaf Scholz verliert auch keine Zeit, um sein erstes großes und nicht minder hoffnungsvolles Versprechen abzugeben: Wir seien in der Bekämpfung der Pandemie so weit vorrangekommen, dass es unter Garantie keinen erneuten Lockdown geben werde.

Einen neuen Lockdown, den werden wir nicht mehr brauchen und die Schulen können auch im Präsenzbetrieb stattfinden.

Olaf Scholz beim Sommerfest der SPD

Erhöhen, senken? Hauptsache Resepekt!

Ähnlich konkrete Versprechen fehlen in der anschließenden rund 30-minütigen Rede dann aber. Dafür werden die meisten Themen des diesjährigen Wahlkampfs kurz angesprochen, beginnend bei den geplanten Steuersenkungen der anderen Parteien, über das Renteneintrittsalter, dass die SPD am liebsten senken möchte, hin zum Klimaschutz. Immer wieder fällt dabei das Schlagwort Respekt, welches sich auch prominent auf den SPD-Wahlplakaten ("Respekt für dich") findet. Es geht um Respekt für unterschiedliche Lebenswege, für die Angestellten im Gesundheitssystem, bei der Ungleichbehandlung von Männern und Frauen und letztendlich müsse man auch vor dem Klimawandel Respekt haben. Was genau Scholz damit sagen will, bleibt weitestgehend offen.

Olaf Scholz auf der Bühne
Olaf Scholz beim Sommerfest der SPD in Leipzig

Das zeigt sich auch in dem an die Rede angeschlossenen Zukunftsgespräch, in dem das Publikum die Gelegenheit hat, Scholz direkt Fragen zu stellen. Alleine drei Fragen aus der Runde beziehen sich auf den Klimawandel und die damit direkt im Zusammenhang stehende Energiewende. Den Fragenden geht es nicht schnell genug, oder ihnen erscheinen die verfügbaren Kapazitäten der erneuerbaren Energien nicht als ausreichend. Scholz antwortet darauf wieder mit den Begriffen der Investition und Innovation, die nicht nur den Klimawandel verlangsamen, sondern Deutschland auch eine aussichtsreiche wirtschaftliche Zukunft beschweren würden. Er spricht über Wasserstoff und Speicherkapazitäten für den erhöhten Strombedarf, aber eine aussagekräftige Antwort, ob Deutschland vor 2045 klimaneutral wirtschaften kann, bleibt er schuldig.

Zeit für dich

Dennoch wird Scholz nach seiner Rede mit euphorischem Applaus bedacht. Das dürfte aber in erster Linie daran liegen, dass er einen Großteil des Publikums gar nicht mehr von sich zu überzeugen braucht, für sie steht der nächste Kanzler der Bundesrepublik schon fest. Und auch wenn Scholz Antworten meist defensiv und ausweichend blieben, es kann ihm nicht vorgeworfen werden, er würde sich keine Zeit für sein Publikum nehmen. Das Zukunftsgespräch dauert bis lange über die angesetzten 19 Uhr hinaus und nach einem kurzen Pressegespräch nimmt Scholz sich auch noch Zeit mit jedem:r ein Selfie zu machen, der:die es möchte. Nach der Rede leert sich die Wiese allerdings auch sehr schnell wieder. Es ist klar, dass die meisten der Anwesenden nicht hier waren, um sich über die Inhalte der SPD zu informieren, sondern um sich in ihrer Wahlentscheidung noch einmal zu vergewissern und ihren Kanzlerkandidaten zu feiern. Und diese Stimmung dürfte aufgrund der aktuellen Umfragen wohl auch noch etwas anhalten. Auch wenn der Popcornduft mittlerweile schon verflogen ist und die Luft aus der Hüpfburg gelassen wird, dieses Sommerfest hat das Stimmungshoch in der SPD gut widergespiegelt.

Hier gibt's die Eindrücke vom Sommerfest auch noch mal im Podcast:

 

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