Kultur

Neuanfang in Engelsdorf

Während in der Kulturszene pandemiebedingt gerade einiges stillsteht, kommt das Leipziger Straßentheater „Titanick“ in Bewegung. Nach über 25 Jahren auf der Alten Messe muss es einem Baumarkt weichen. Über einen Umzug, der auch ein Umbruch ist.
Symbolisch: Theatervorhang

Seit über 30 Jahren gibt es das Leipziger Theater Titanick bereits – mehr als 25 davon konnte man es auf der Alten Messe finden. Das Theater, das sich im Jahr 1990 als Kooperationsprojekt von Künstler:innen aus Münster und Leipzig gegründet hat, ist seitdem in Deutschland und der ganzen Welt unterwegs und gibt Vorstellungen, die oft unkonventionell, aber vor allem immer wieder anders sind. So zum Beispiel die Inszenierung „Götterfunken“ zum Jahrtausendwechsel mit 50.000 Menschen auf dem Augustusplatz oder das Stück „Lipsias Löwen“, das 2015 zum 1000-jährigen Jubiläum der Stadt Leipzig aufgeführt wurde.

Keine Zukunft auf der Alten Messe

Doch dann wurde klar: Auf der Alten Messe geht es nicht weiter. Das über 4000 Quadratmeter große Gelände, das das Theater bisher für Technik, Bühnenbild und sonstiges Material genutzt hatte, sollte umstrukturiert werden. Es begann die Suche nach einem neuen Ort. Ein langwieriger Prozess, der sich über mehrere Jahre hinzog. Denn insbesondere wegen der vielen tausend Tonnen an Material musste ein Ort gefunden werden, auf dem all das ein auch untergebracht werden konnte.

Was lange währt, wird endlich gut

Mit dem Gelände in Engelsdorf ist es den Verantwortlichen dann schließlich gelungen, einen geeigneten Ort zu finden. Nach Wochen und Monaten der Planung konnte der Umzug Ende April dieses Jahres schließlich stattfinden. Weil das neue Gelände deutlich kleiner ist als das auf der Alten Messe, war im Vorfeld ein großes „Ausmisten“ notwendig. Im Theater sehe man das allerdings auch als Chance, sagt Uwe Köhler, der künstlerische Leiter des Theaters.

„(…) Wir haben auch eine Menge ausgemistet, (...)  das ist wie eine Katharsis, dass man sich befreit von Sachen und auch (...) bereit macht für neue Sachen. Und das ist auch ein positiver Aspekt natürlich.“

Uwe Köhler, Künstlerischer Leiter von Theater Titanick

Auf dem neuen Gelände in Engelsdorf ändert sich aber noch mehr: Laut Uwe Köhler wolle der Vermieter aus dem Gelände ein Mischgebiet aus Kultur, Handel und Kunst machen. Das Theater hoffe dadurch auf neue kreative Synergieeffekte mit anderen Kulturträger:innen. Die Zeichen stehen also auf Neuanfang.

Weitermachen trotz Corona

Neuanfang ja, aber momentan noch mit angezogener Handbremse. Denn die Corona-Pandemie geht natürlich auch an dem Theater nicht spurlos vorüber. Die ganze Situation sei nur schwer auszuhalten, sagt Uwe Köhler, denn man habe schon einiges verschieben müssen. Und auch die Feier zum 30-jährigen Jubiläum des Theaters im letzten Jahr konnte nicht stattfinden.

„(Wir haben) jetzt schon alles geschoben (…), was für Juni vorgesehen war. In den Juli, August bis September hin (…).“

Uwe Köhler, Künstlerischer Leiter von Theater Titanick

Aufgeben will man aber nicht beim Theater Titanick. Stattdessen plant das Theater für den 24. Juli eine Aufführung des namensgebenden Stückes „Titanick“ auf der Alten Messe - Pläne für die Saison 2022 gibt es auch schon. Trotz allem schaut man also vorsichtig optimistisch in die Zukunft und will sich von Umzug und Pandemie auf keinen Fall aus der Bahn werfen lassen.

Der Beitrag zum Nachhören in der Folge #171 von "Radio für Kopfhörer":

 

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Anne Stein
16.05.2021 - 18:40
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