Arbeiten in der Corona Pandemie

Lieber home oder office ?

Homeoffice ist durch Corona zum Alltag von vielen Leipziger:innen geworden. In den letzten eineinhalb Jahren hat sich aber gezeigt, dass es dabei viel Ausbaubedarf gibt. Deshalb braucht es klarere Regeln. Aber wie soll das aussehen?
Beschäftigter im Homeoffice

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, kurz NGG,  ist eine Gewerkschaft aus der Ernährungsindustrie und sie hat sich kürzlich für klarere Regeln im Homeoffice ausgesprochen. Dabei sind viele Leipziger:innen vor allem in der Verwaltung, Buchhaltung und Logistik von der Heimarbeit betroffen, aber auch in anderen Branchen mussten sich einige aufs Homeoffice umstellen.  

Was soll verbessert werden?

Zum Einen fordert die NGG, dass die Arbeitszeit besser dokumentiert wird, um einem Rund-um-die-Uhr-Einsatz für den Chef oder die Chefin vorzubeugen. Dadurch soll dann Privates und Berufliches besser getrennt werden können. 

Die Gewerkschaft fordert auch, dass Arbeitgeber:innen die Kosten für die Büroausstattung übernehmen. Viele haben zum Beispiel kein separates Arbeitszimmer und müssen notfalls an den Küchentisch ausweichen. Solche eher ungünstigen Arbeitsszenarien sollen durch die Kostenübernahme vermieden werden.

Außerdem fordert die NGG ein stärkeres Mitspracherecht für Gewerkschaften und Betriebsräte im Homeoffice und ihr ist es wichtig, dass Homeoffice auch in Zukunft freiwillig bleibt. Besonders wenn Beschäftigte nicht von zu Hause aus arbeiten können oder sie zurück in den Betrieb wollen, dürfe kein Nachteil für sie entstehen.

Die aktuellen Homeoffice-Regeln

Standardgemäß wird der aktuelle Arbeitsvertrag einfach ins Homeoffice übernommen. Das heißt, alle Vereinbarungen, die dort festgehalten sind und für die Arbeit im Betrieb gelten, gelten dann auch für die Arbeit von zu Hause.

Michael Barton ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig und erklärt, dass es dabei aber einen großen Unterschied zwischen Theorie und Praxis gibt. 

Der Arbeitgeber hat nur viel geringere Möglichkeiten als es im Büro der Fall ist, die Einhaltung der Regeln zu kontrollieren. Er kann es dem Arbeitnehmenden zwar vorgeben, aber ob er sich daran hält ist die andere Sache. Das ist aber eine grundsätzliche Problematik, die Corona offen gelegt hat. 

Michael Barton

Es gibt also auch auf Seite der Arbeitgeber:innen Verbesserungsbedarf beim Thema Homeoffice.

Die Vor- und Nachteile von Homeoffice für Unternehmen

Wie viele Vor- und Nachteile es für Unternehmen gibt, ist stark davon abhängig, wie gut die Tätigkeit für das Homeoffice geschaffen ist und wie die Unternehmenskultur ist. Also, ob das Unternehmen eher positiv oder negativ zu Homeoffice steht - aber auch wie Arbeitnehmer:innen dazu stehen. Laut Barton sind zum Beispiel jüngere Unternehmen und Start-Ups eher positiv zur Heimarbeit eingestellt.

Wenn das alles passt- also wenn die Stimmung stimmt, die Tätigkeit passend ist und technische Rahmenbedingungen und gute Kommunikationsmöglichkeiten gewährleistet sind, dann kann es viele Vorteile geben. 

Michael Barton

Vorteile sind dabei zum Beispiel, dass Unternehmen durch Homeoffice viele Kosten einsparen. Außerdem arbeiten die Arbeitnehmer:innen zu Hause meist produktiver als im Betrieb, wovon die Unternehmen ebenfalls profitieren. Und im Homeoffice werden die Angestellten seltener krank, wodurch sie dann auch seltener ausfallen.

Nachteile sind hingegen die schwierigeren Kontrollmöglichkeiten für Arbeitgeber:innen. Einerseits ist die genaue Arbeitszeit der Beschäftigten nur schwer kontrollierbar. Es ist aber auch schwierig zu prüfen, ob genügend Datenschutz gewährleistet ist und wie gut und sicher der Arbeitsplatz zu Hause ist.

Wie nehmen die Leipziger:innen das Homeoffice war?

Auch bei den Leipziger Beschäftigten, die selbst im Homeoffice gearbeitet haben, gibt es sowohl negative als auch positive Stimmen. Aber hört am besten selbst: 

Meinung der Leipziger:innen zu Homeoffice
OTon-Collage zu Homeoffice   

Die Meinungen zu Homeoffice sind also aufgrund der unterschiedlichen Erfahrungen sehr durchmischt.

Die Zukunftsperspektive von Homeoffice

Wie wird Homeoffice in Zukunft aussehen? Das kommt ganz darauf an, welche Erfahrungen Unternehmen und Arbeitnehmer:innen gemacht haben. 

Dort, wo sich gezeigt hat, dass Homeoffice gut funktionieren kann, dort wird es auch in Zukunft eine große Rolle spielen. Wir sehen aber auch viele Unternehmen, die froh sind, dass die Homeoffice-Pflicht vorbei ist und man wieder zurück in den Betrieb kommen kann.

Michael Barton

Es wird in Zukunft also vermutlich auf eine gesunde Mischung hinauslaufen und Unternehmen werden immer mehr auf Wechselmodelle zurückgreifen. Dann könnte man als Arbeitnehmer:in einige Tage im Betrieb sein, während man an anderen Tagen von Zuhause aus arbeitet.

 
 

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