Frisch Gepresst: Arlo Parks

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Mitten im trübsten Januartief veröffentlicht die britische R&B-Newcomerin Arlo Parks ihr Debütalbum „Collapsed in Sunbeams“ und schenkt uns damit eine gehörige Portion tröstliche Worte, die wie eine warme Umarmung klingen.
Arlo Parks
Arlo Parks

Seit ihren frühen Teenagerjahren schreibt Ana-ïs Oluwatoyin Estelle Marinho schon Gedichte und Geschichten, mit 14 kam dann die Gitarre dazu. Nachdem sie Ende 2018 mit „Cola“ zum ersten Mal auf dem Neo-Soul-Radar erschien, baute sich die Sängerin im vergangenen Jahr eine beträchtliche Fanbase auf, wozu  auch Pop-Gigantinnen Billie Eilish und Phoebe Bridgers zählen. Sogar Michelle Obama packte Arlo Parks‘ Song „Eugene“ auf ihre Spotify Playlist. Und das Alles mit zarten 20 Jahren. Auch wenn Arlo Parks schon 2020 nicht mehr nur auf Newcomer-Playlists zu hören war, macht sie mit ihrem neuen Album „Collapsed in Sunbeams“ einen großen Schritt in Richtung Dream-Pop Größe.

Close your eyes and lean back…

“Collapsed in sunbeams, stretched out to beauty however brief or violent.” 

So bittersüß begrüßt Arlo Parks ihre Hörer*innen mit einem Spoken-Word-Intro auf ihrem neuen Album. Ein animierter Clip zeigt die Sängerin zuerst im Sonnenlicht versinkend und dann auf einem ruhigen Gewässer treibend, alles begleitet von ihrer sachten Stimme und ruhigen Gitarrenklängen.

Zuerst hören sich die 12 Songs auf dem Album alle irgendwie unbeschwert an, bis man bemerkt, dass die dreamy Melodien häufig nur einen behutsamen Schleier um die schweren Themen legen, die Arlo Parks auf „Collapsed in Sunbeams“ anspricht. Da wäre zum Beispiel der „Black Dog“, der auf dem gleichnamigen Song allegorisch für die Depression einer Freundin der Sängerin steht:

“Just take your medicine, and eat some food,
I would do anything, to get you out your room.
It’s so cruel, what your mind can do for no reason.”

Arlo Parks auf "Black Dog"

Auf „Eugene“ singt die 20-Jährige von der Liebe der Ich-Erzählerin zu einer Frau, die sich dann aber für einen anderen Mann entscheidet und „Bluish“ wird zwar von einem luftigen Dancehall-Beat begleitet, schildert aber das Gefühl, sich in einer Zweier-Beziehung gewaltsam unter Druck gesetzt zu fühlen. Den üblich milden Lyrics aus dem Dreampop-Milieu gibt Parks also einen neuen Anstrich, einer, der nach mehr Komplexität und queeren Perspektiven aussieht. Trotzdem machen die Refrains oft eingängige Appelle aus, die einem gleich im Ohr bleiben. Fast so, als hätte die Londonerin tatsächlich Sätze aus ihren Teenie-Tagebüchern zitiert. „Hope“ zum Beispiel, eine heitere Ermunterungshymne an alle einsamen Seelen, die besonders in aktuellen Zeiten genau richtig kommt.

„You’re not alone, like you think you are
We all have scars, I know it’s hard
You’re not alone.”

Fazit

Musikalisch folgt „Collapsed in Sunbeams“ einem relativ einheitlichen Muster. Zwar findet man groovigere und langsamere Songs, doch trotzdem klingen alle Songs soft und leicht, sie verschwimmen nahezu zu einer weichen Pop-Wolke.

Hört man genauer hin, ist Arlo Parks neues Album eine Collage von Porträts und Geschichten rund um ihre Adoleszenz, wie sie selbst im Interview mit dem Musikmagazin NME beschreibt. Das passt gut zu dem, was man auf „Collapsed in Sunbeams“ zu hören bekommt. Irgendwo zwischen jugendlicher Leichtigkeit und Wachstumsschmerz übernimmt Arlo Parks die Stimme einer guten Freundin, die einen sanft daran erinnert, dass auch dieses Jahr der Frühling wieder kommen wird.

 

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Arlo Parks: Collapsed In Sunbeams

Tracklist:
  1. Collapsed in Sunbeams
  2. Hurt *
  3. Too Good
  4. Hope *
  5. Caroline
  6. Black Dog *
  7. Green Eyes
  8. Just Go
  9. For Violet
  10. Eugene *
  11. Bluish
  12. Portra 400 *

* Anspieltipps

Erscheinungsdatum: 29.01.2021
Transgressive Records