Bundestagswahl

Leipzigs Wahlkreise

Bei der Bundestagswahl ist Deutschland in 299 Wahlkreise eingeteilt. Die Wahlkreise Nummer 152 und 153 liegen in der Stadt Leipzig und teilen sie grob in Nord und Süd. Aber welche Bedeutung hat es, in welchem Wahlkreis man in Leipzig wählt?
Bundestagswahlkreise Stadt Leipzig

Was sind Wahlkreise und wofür eigentlich das Ganze?

Bei der Bundestagswahl sind Wahlkreise für die Erststimme relevant. Denn sie geht an eine Direktkandidatin oder einen Direktkandidaten, die sich für einen Wahlkreis aufstellen lassen. Wer im eigenen Wahlkreis die meisten Stimmen gewinnt, erhält das Direktmandat für Bundestag. Über die Direktmandate werden ungefähr die Hälfte der Plätze im Bundestag besetzt - die andere Hälfte besetzen die Parteien selbst. Mithilfe der Zweitstimme wird entschieden, wie viel Prozent der Plätze eine Partei im Bundestag insgesamt erhält.

Eine Wahl soll natürlich ein Stückchen Repräsentation der Gesamtbevölkerung sein und insofern ist es wichtig, dass es aus den verschiedenen Regionen Vertreter gibt. Das wird durch die Erststimme gesichert.

Martin Richter, Landeswahlleiter des Bundeslands Sachsen

Leipzig I und Leipzig II

Die Aufteilung der Wahlkreise richtet sich nach der Bevölkerungszahl und Gemeindegebieten. Laut Dr. Christian Schmitt, dem Kreiswahlleiter der Stadt Leipzig, hat die Zweiteilung der Stadt vor allem pragmatische Gründe, denn sie orientiert sich an den Stadtbezirken. In Leipzig gehören seit 2002 die Stadtbezirke Nord, Nordwest, Nordost, Altwest und Ost zum Wahlkreis 152 - auch Leipzig I genannt. In Wahlkreis 153, Leipzig II, liegen die Bezirke Mitte, Südost, Süd, Südwest und West.

Die Grenzziehung in Leipzig ist traditionellerweise so. Wenn es keinen Anlass gibt, daran zu rütteln, wird es auch nicht gemacht.

Dr. Christian Schmitt, Kreiswahlleitung Leipzig 

Zwischen Leipzigs Wahlkreisen lassen sich nur schwer Unterschiede feststellen, dafür sind sie in sich bereits sehr heterogen. Beispielsweise gehören gehören ländlich geprägte Ortsteile wie Böhlitz-Ehrenberg oder Lützschena-Stahmeln genauso zum nördlicheren Wahlkreis wie die urbanen Ortsteile Altlindenau und Schönefeld. Die Unterschiede zeigen sich auch an den unterschiedlichen Wahlergebnissen der Ortsteile, die von grün-links bis AFD reichen.

Wenn wir uns alleine schon den Stadtbezirk Ost angucken, der im Wahlkreis 152 angesiedelt ist, ist das auch schon wieder heterogen. Da gehört zum Beispiel Volkmarsdorf dazu ebenso wie Paunsdorf ebenso wie Baalsdorf, die aber sehr unterschiedlich wählen.

Dr. Hendrik Träger, Politikwissenschaftler der Universität Leipzig

Diese Heterogenität unterscheidet Leipzigs Wahlkreise beispielsweise von den Berliner Wahlkreisen Friedrichhain-Kreuzberg oder Zehlendorf-Steglitz. Denn die Wahlergebnisse sind dort in den meisten Fällen eindeutig grün-links beziehungsweise konservativ. Die beiden Leipziger Wahlkreise bildeten bei den letzten Wahlen dagegen den Bundestrend ab, so Träger. Die Wahlergebnisse hatten große Ähnlichkeit mit dem Wahlergebnis für das gesamte Land, meistens mit der CDU oder SPD als stärkster Partei. Eine Ausnahme gab es bei der Bundestagswahl 2017, als Direktkandidat Sören Pellmann (Die Linke) den Wahlkreis 153 gewonnen hat.

Sören Pellmann und Katja Kipping

 

Die Abstände zwischen den Direktkandidat:innen bei den Wahlen seien in Leipzig meistens sehr knapp. Das mache die Erststimmenwahl in Leipzig spannend, sagt Dr. Hendrik Träger.

Insofern ist das aus demokratischer Sicht ganz interessant, was wir in Leipzig haben, weil hier tatsächlich der Abstand zwischen den Direktkandidaten sehr knapp ist und ich mit meiner Stimme in der Summe von ein paar Leuten den Ausschlag geben kann.

Dr. Hendrik Träger, Politikwissenschaftler der Universität Leipzig

Über dieses Thema und darüber, was Leipziger:innen von dem TV Triell halten, haben wir in unserem Podcast „Radio für Kopfhörer“ gesprochen. Den gibt es hier zum Nachhören:

 

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