Gretchen #13 - Lebenslanges Lernen

Lebenslanges Lernen im Museum 2.0

Nicht für die Schule, sondern fürs Leben lernen wir. So sagt man es Schulkindern. Aber was passiert nach der Schule, hat man schon fürs Leben ausgelernt? Lebenslanges Lernen möchte Lernen für Erwachsene im Alltag neben Beruf und Familie ermöglichen.
Gretchen Thumbnail, Paar im Museum, Lernen, Gehirn
Gretchen #13: Lebenslanges Lernen

Hören wir das Wort ‚Lernen‘, so löst es sicherlich in jedem von uns etwas anderes aus. Es ist aber naheliegend, dass die meisten von uns den Begriff mit einer Pflicht und auf ihnen lastendem Druck assoziieren, schließlich lernt man einen beachtlichen Teil seines Lebens in der Schule, der Ausbildung oder dem Studium für Prüfungen und Tests. Diese Art von Lernen beschreibt das formelle Lernen. Dabei werden wir mit Lerninhalten konfrontiert, die andere für uns festlegen und an die wir uns zu halten haben, um ein bestimmtes Lernziel wie eine bestandene Prüfung zu erreichen.

Das bedeutet Lebenslanges Lernen

Der Begriff ‚Lebenslanges Lernen‘ ist heute ein fast schon inflationär benutzter Begriff im Bildungsbereich und der Erwachsenenbildung und wird dabei oft unterschiedlich ausgelegt. In seiner ursprünglichen Definition beschreibt er die Forderung, dass jeder Mensch die Möglichkeit haben sollte, sich sein Leben lang weiterzubilden. Auch wenn der Begriff ‚Lernen‘ wie oben erläutert oft an den institutionellen Kontext gebunden ist, will sich das Lebenslange Lernen so weit wie möglich davon abgrenzen. Lebenslanges Lernen bedeutet informelles Lernen, das vor allem auch im privaten Bereich stattfindet oder stattfinden kann. Das Potenzial von Lebenslangem Lernen steckt also schon im Begriff selbst: Es ist weder an ein bestimmtes Alter gebunden, noch findet es ausschließlich im institutionellen Kontext statt. Im Vergleich zum sich am Curriculum orientierenden Schulstoff können wir das Curriculum für das Lernen nach der Schule also selbst schreiben. Diese Art des Lernens ist damit selbstgesteuert, kann ganz verschiedene Bereiche abdecken und an verschiedenen Orten stattfinden: In alltäglichen Situationen wie zu Hause beim Hören eines Podcasts, dem Schauen einer Reportage oder beim Arbeiten in der eigenen Werkstatt. Jeder Mensch ist individuell und hat demnach auch individuelle Interessen – sich fernab der Arbeitswelt damit zu beschäftigen und Zeit in diese schon lange bestehenden oder auch neu dazukommenden Interessen zu investieren, stößt im besten Fall Prozesse des Lebenslangen Lernens, ob bewusst oder unbewusst, an.

Was hat Lebenslanges Lernen mit dem Museum zu tun?

Um diese Frage beantworten zu können, ergibt es erst einmal Sinn, sich die Entwicklung des Museums innerhalb der letzten 50 Jahre anzuschauen. Denn das Museum selbst hat einen Lernprozess hinter sich und als Institution in dieser Zeit einen großen Wandel durchlaufen. Da Museen früher nur einem bestimmten (adeligen) Kreis vorbehalten waren, bildeten sich ab dem 20. Jahrhundert weltweit eine Reihe von Bewegungen für die Öffnung der Museen und die Zugänglichkeit für eine breitere Besucherschaft. Mit dem an die Öffentlichkeit gerichteten Appell des Kulturpolitikers Hilmar Hoffmann, eine „Kultur für alle“ zu etablieren, gab es Ende der 1970er auch in Deutschland einen Wendepunkt. Hoffmann forderte, „jedem Bürger die schrankenlose Teilhabe an den kulturellen Inhalten zu ermöglichen“ und widmete sich in einem Kapitel seines Buchs speziell den Anforderungen an das Museum. So sollte das Museum nach ihm eine demokratische Vermittlungsform statt einer autoritativen anstreben und als Ort für Inklusion statt Ausschluss stehen.

In den folgenden Jahrzehnten begab sich das Museum auf einen Weg von einer monologischen zu einer dialogischen Ausrichtung und damit hin zu dem von Hoffmann geforderten demokratischen Museum. Außerdem begann sich das Museum Stück für Stück für eine breitere Besucher- und Zielgruppe und eine verstärkte Ansprache dieser zu öffnen. Diese Ansprache und gezielte Einbindung von Personen, die sonst keinen oder nur schwer einen Zugang zum Museum finden, hat sich mittlerweile unter dem Begriff „Outreach“ einen Namen gemacht. Durch die damalige Ausweitung der Zielgruppe und neue Ansprüche, die an die Institution herangetragen wurden, folgte zwangsläufig auch eine Öffnung für diversere Themen und ein regelrechter Boom des Ausstellungswesens. Im gleichen Zuge kam es zu einer Vielzahl an Museums-Neugründungen. Heute gibt es in Deutschland circa 6800 Museen, Tendenz steigend. Ob Currywurst-, Zoll- oder Korkenziehermuseum ­– in Bezug auf die Ausrichtung und das Angebot von Museen gilt im Jahr 2021 der Spruch: „Es gibt nichts, was es nicht gibt“.

Das Museum 2.0

Ein Potenzial, das Museen für Lebenslanges Lernen bieten und das damit auf der Hand liegt, ist also ihre Diversität an Themen und Ausrichtungen. Und während diese Themen lange Zeit nur klassisch ausgestellt wurden, hat das Museum auch in Bezug auf seine Ausstellungsformate eine Veränderung durchgemacht. Das Museum 2.0 stellt seine Besucher:innen ins Zentrum und strebt nach Partizipation und Hands-on-Formaten, bei denen die Besucher:innen aktiv in die Ausstellung eingebunden werden und an ihr teilnehmen können.

Bietet das Museum 2.0 mit seiner partizipativen Ausrichtung also heute die optimale Umgebung, um Prozesse des Lebenslangen Lernens anzuregen? Und kann und muss das Museum überhaupt ein Ort des Lebenslangen Lernens für alle sein?

Das diskutieren wir in unserer neusten Folge des Gretchen Podcasts zum Thema „Wie unterstützt das Museum 2.0 das Lebenslange Lernen?“. Wir schauen uns dafür an, woher der Begriff Lebenslanges Lernen eigentlich kommt und was er fernab der theoretischen Definition praktisch für den:die Einzelne:n bedeuten kann. Außerdem bekommt ihr einen Einblick in die Arbeit einer Kunstvermittlerin, dafür sprechen wir mit Kirsten Huwig vom Museum der bildenden Künste in Leipzig über die Rolle der Vermittlungsarbeit für das Museum an sich und für das Lebenslange Lernen.

Neugierig geworden? Dann hört rein:

 

Kommentieren

Hier gelangt ihr direkt zu unserem Podcast:

Gretchen - der Kulturpodcast von mephisto 97.6

 

Folgt uns auch gerne auf Instagram und bleibt auf dem Laufenden:

@mephisto976