Kultur

Ladenprojekt - kultureller Begegnungsort

Ladenprojekte gibt es in Leipzig viele. Die von Kollektiven gemieteten und genutzten Räume erkennt man oft erst beim zweiten Hinsehen. Wie halten sie sich derzeit über Wasser? Und welche Bedeutung haben sie für die städtische Kulturlandschaft?
Eingang Ladenprojekt
Ladenprojekt

Kulturorte der besonderen Art

Ladenprojekte sind Orte der Begegnung. Dort finden Konzerte, Jam-Sessions oder Kochabende, z.B. KüFas (Küche für Alle), statt. Jede*r ist willkommen. Der Austausch miteinander steht im Vordergrund. Außerdem kann man auch ohne Geld zu bezahlen an den Veranstaltungen teilnehmen. Stichwort: Eintritt auf Spendenbasis.In den von Kollektiven gemieteten Räumen kann sich jede*r ausprobieren und eigene Ideen umsetzen. Sie sind ein offener Raum für allerlei Menschen, und das macht sie auch zu so wichtigen Kulturorten in Leipzig.

Isa, sie möchte ihren echten Namen nicht nennen, ist in einem Ladenprojekt auf der Eisenbahnstraße aktiv. Sie erzählte uns, warum sie es wichtig findet, dass Ladenprojekte erhalten werden.

Wir sind ja ein offener Raum. Also alles bei uns basiert auf Spendenbasis. Das Geld was dann reinkommt wird eigentlich nur zum Selbsterhalt des Projektes benutzt. Und dadurch haben Menschen keinen Konsumzwang. Dadurch ist es ein wichtiger Raum, weil Menschen zu uns kommen, die sonst nirgendwo reinkommen.

Aber Ladenprojekte verschwinden aus den Gedächtnissen der Leute. Auch im Kollektiv ist es schwieriger denn je. Da die Leute nicht mehr so connected sind wie sonst. Es driftet alles auseinander. Das gemeinsame "hinter der Bar stehen" fehlt einfach. Das ist ein großes Problem und nagt an der Motivation, die Projekte lebendig zu halten. 

Und die Finanzierung?

Zur Zeit haben viele Ladenprojekte mit ihrer Finanzierung zu kämpfen. Sie können keine Veranstaltungen anbieten. Dadurch kann der Raum nicht so genutzt werden wie sonst üblich und wichtige Einnahmen bleiben aus. Die Projekte müssen auf Rücklagen zurückgreifen oder sind auf Spenden im Bekannten- und Freund*innenkreis angewiesen. So ist auch die Zahlung der Miete schwierig. Zudem sind sie von Zuschüssen durch den staatlichen Kulturfond ausgeschlossen. Denn viele Projekte warten noch auf die rechtliche Anerkennung als gemeinnütziger Verein und werden durch träge staatliche Verwaltungsstrukturen gebremst. Beispielsweise bauliche Vorschriften mache es den Projekten schwer, sich die Räume so einzurichten, wie sie es brauchen und wollen. Die rechtlichen Bestimmungen sind schlecht umsetzbar für die Kollektive.

Das Projekt auf der Eisenbahnstraße wird noch durch einen Puffer finanziert. Dieser war eigentlich für eine neue Belüftungsanlage und eine Rollstuhlrampe geplant. Ein anderes Ladenprojekt hat sich solidarisch gezeigt und für sie eine Monatsmiete für Strom und Wasser übernommen.

Auch bei anderen Ladenprojekten sieht es derzeit schlecht aus. Die Mitglieder der Wurzener Straße 58 haben uns erzählt, dass sie sich hauptsächlich über private Spenden finanzieren. Zudem werden CDs mit Musik von Bands, die mal in dem Laden gespielt haben, verkauft. Oder selbstgemachte T Shirt und Masken.

 

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Frauke Ott, Frauke Ott und Vanessa Höhne de Carvalho
20.08.2020 - 18:09
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