Rechte Siedlungsprojekte in Sachsen

Komm doch in den Osten...

Werden sächsische Gemeinden noch brauner? Rechtsextreme Siedlungsprojekte werben mit einem Umzug auf das ostdeutsche Land, um eigenständige Kommunen „unter Gleichgesinnten“ zu gründen. Warum gibt es solche Aktionen und wie gefährlich sind sie?
Man sieht von einem Hügel mit einer Bank hinunter zu einer Plattenbausiedlung
Rechtsextreme werben in Siedlungsprojekten mit einem Umzug nach Mitteldeutschland

Rechtsextreme Siedlungsprojekte sind in den letzten Jahren immer populärer in der Szene geworden. In diesen organisieren rechte Gruppen Wohngemeinschaften oder sogar kleine Kommunen auf dem Land. Diese sind besonders in Ostdeutschland aktiv, wie zum Beispiel die Aktion „Zusammenrücken in Mitteldeutschland“, vor der mittlerweile auch der Verfassungsschutz Sachsen warnt.

Die Bewahrung einer „authentisch deutschen Kultur“

Das Kernziel von Zusammenrücken in Mitteldeutschland ist dabei, gleichgesinnte Rechtsextreme aus Westdeutschland zu einem Umzug in den Osten zu bewegen. Grund dafür ist, dass im Westen Deutschlands, sowie in den meisten Großstädten der Anteil von People of Colour und Menschen mit Migrationshintergrund zu hoch sei. In Mitteldeutschland sehe dies ganz anders aus: hier können aus Sicht der Aktion „Deutsche noch unter Deutschen leben“. Zusammenrücken in Mitteldeutschland begründet ihr Projekt zudem mit den Verschwörungstheorien der Umvolkung und einem drohenden Aussterben der „authentischen Restdeutschen“.

Die Leute hinter ‘Zusammenrücken in Mitteldeutschland‘ denken, dass in Westdeutschland und den größeren Städten das „rein Deutsche“ eigentlich schon verloren sei. Deren Hauptidee ist, eine „authentische deutsche Kultur“ bewahren zu können. Das können sie angeblich nur da umsetzen, wo nur Deutsche wohnen.

Robter Feustel, Politikwissenschaftler

Doch was genau setzt „Zusammenrücken in Mitteldeutschland“ um? Laut der Webseite des Projekts, vermitteln es vor allem Interessierte an sogenannte lokale „Botschafter“. Diese sollen als Erstkontakt eine Region vorstellen und sogar bei der Wohnungs- und Jobsuche helfen. Das Ganze funktioniert also wie eine Vermittlerplattform – nur eben von und für Rechtsextreme.

Isolierung, Ignoranz, Indoktrination

Wie gefährlich solche Siedlungsprojekte für die betroffenen Gemeinden werden können, zeigt das „Anastasia-Siedlungsprojekt“ im brandenburgischen Grabow. Seit 2015 kaufen Rechtsextreme dort freiwerdende Grundstücke auf und integrieren diese in ihre selbstständige Kommune. Das ARD-Magazin „Kontraste“ berichtet davon, dass einige Eltern aus dem Siedlungsprojekt die Schulpflicht ihrer Kinder verweigern und die Siedlung eine eigene „Bildungsberaterin“ berufen haben. Laut ,,Kontraste“ gab es sogar Pläne, eine eigene Schule für die Kommune zu errichten, um den Kindern dort eine rechtsextreme Ideologie zu vermitteln.

Solche Siedlungsprojekte sind eine reelle Gefahr. Wenn die Akteure auf dem Land Häuser kaufen und sich dauerhaft niederlassen, dann kann das schon nachhaltig die politische Kultur verändern und eine „Braunfärbung“ auslösen.

Robert Feustel, Politikwissenschaftler

Fantasien von Überfremdung, Umvolkung und einem Leben unter Gleichgesinnten prägen das Entstehen rechtsextremer Siedlungsprojekte. Außerdem zeigen sie einen möglichen Trend, der ländliche Regionen weiter unattraktiv und Abwanderung noch akuter machen kann.

Zu diesem Thema und mehr waren wir in unserem Podcast "Radio für Kopfhörer" im Gespräch mit dem Politikwissenschaftler Robert Feustel. Hier gibt es das Interview zum Nachhören:

 

 

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