Köpfchen in die Wasser der Weirdness
Foto: Harriet Meyer
Eigentlich haben die drei Musiker die besten Jahre schon hinter sich gelassen. “Die Besten Jahre”, so heißt ihr Debütalbum, veröffentlichten sie nämlich schon 2018, nachdem Peter Rubel und Pedro Goncalves Crescenti, auch bekannt als die Düsseldorf Düsterboys, ihren Freund Joel Roters zum Drummer der neuen Dreierformation ernennen. International Music. Was nach den Besten Jahren noch kommen soll? Seit letztem Freitag müsste diese Frage beantwortet sein: Das neue Werk mit dem Namen Ententraum, angelehnt an ein Stück des dadaistischen Lyrikers und Komikers Karl Valentin, fasst 17 neue Songs, die vor Rock-Referenzen des vergangenen Jahrhunderts und lyrischem Feingefühl beinahe überquellen.
Orientierungslosigkeit ist Programm
Wer sich nach der Vorab-Single Misery noch auf eine ernsthafte Post-Punk-Platte gefreut hat, kann nach den ersten Takten des Openers Fürst von Metternich erstmal nur schmunzeln. Der Bass klingt zwar ähnlich melancholisch, doch nachdem die erste Verwirrung durch einen einsetzenden Dudelsack anschlägt, hinterlassen dann auch die Lyrics einige Fragezeichen:
„Wenn ich wüsste, was in dieser Kiste ist,
küsste ich dich, den Fürst von Metternich.“
International Music - Fürst von Metternich
Ähnlich obskur geht es im Ententraum-Epos dann auf dem Song Wassermann weiter, dessen mehrstimmige Harmonien stark an Folk-Rock der 60er, wie etwa Simon and Garfunkel erinnern. „Raus aus dem Zoo“ und „Höhle der Vernunft“ klingen mit ihren eingängigen Drums und schroffen Gitarrenriffs ein bisschen nach dem Rock’n’Roll der frühen Beatles-Ära. An anderer Stelle, auf der Insel der Vernunft beispielsweise, klingt die Platte dann aber wieder eindeutig nach Psych-Rock.
Im Ententraum schafft das Trio immer wieder Assoziationen zu altbewährten Sounds und lässt diese in wirrer Manier zu etwas vollkommen Neuem, Unbekanntem verschmelzen. Die Orientierungslosigkeit wird zum Programm -klar, wir befinden uns ja auch in einem Traum- und erhält durch die herrlich melancholischen Klänge, die sich durch die ganze Platte ziehen, eine ganz eigene Romantik.
Dass sie diese ganze Gefühlsduselei aber auch selbst nicht immer ernst nehmen, beweist die Band in ihrem Musikvideo zu „Wassermann“ in dem das Spiel der Assoziationen auch visuell umgesetzt wird.
Die Wahrheit bleibt subjektiv
Die Worte, die die Essener finden, klingen wahnsinnig verheißungsvoll, irgendwie nach Sehnsucht, Ferne und Liebe. Gleichzeitig scheitert man kläglich beim Versuch, deren Bedeutung wirklich zu erfassen. Glücklicherweise weiß auch die Band selber, dass man nicht alles verstehen muss, und erlaubt, sich seine eigenen Wahrheiten aus den Lyrics zu dichten. Danke.
„Truth is not objective, as you can see.“
International Music - Misery
Das Album erzählt keine zusammenhängende Geschichte, doch im Track Der Traum der Ente wird das Titelnarrativ dann wieder aufgegriffen. Und zwar in Form eines wirren Spoken-Word-Intermezzos, in dem sich die Ente, flap flap flap, zu Wort meldet.
Fazit
Auch auf ihrem zweiten Album beweist International Music, dass sich hinter ihrem zugegebenermaßen ganz schön trivial klingenden Bandnamen ein kleines Meisterwerk verbirgt. Komplexe, stimmige Sounds halten sich hier mit sympathischer Schrägheit die Waage. An einigen Stellen wirkt die Platte jedoch sehr sperrig, zu überfordernd, um den Durchblick zu behalten. Doch hat man sich erst durch das Wirrwarr aus poppigen Indiehymnen und schweren Rock-Tobak hindurch geschlängelt, wird man mit einem Gefühl der sehnsüchtigen Leichtigkeit belohnt. Den Ententraum wird man wohl noch eine Weile im Gedächtnis behalten.

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