Frisch Gepresst: Rhye

Kein Missmut. Keine Kritik.

Schon seit Beginn war Rhyes Musik von virtuosen Klängen und Experimenten geprägt – jetzt ist der Künstler mit einem neuen Album zurück, indem er seinen Stil neu interpretiert.
Rhye
Rhye

Mit bereits drei veröffentlichten Alben, mehreren Singles und unzähligen Remixes ist Rhyes Diskografie mehr als breit aufgestellt. Jetzt erweitert er sein Repertoire um sein neustes Werk „Home“.

Ein Album, was komplett in seinem Heimstudio produziert wurde und damit auch seinen Namen erhalten hat, bildet dabei eine musikalische Brücke zwischen den Wohnzimmern der Zuhörer*innen und des Interpreten.

Schon seit seinem 3. Lebensjahr spielt der Kanadier Mike Milosh Cello, ist dadurch sein ganzes Leben von klassischer Musik geprägt und verzichtet grundsätzlich auf elektronisch erzeugte Töne in seinen Liedern. Diese ganz persönliche Note bekommt man auf seinem Album mit einer ordentlichen Portion Gänsehaut zu spüren, so umrahmen Intro und Outro das Werk mit Mehrstimmigkeit und Kirchenchorcharakter. Milosh spielt mit simplen Melodien, wenigen Instrumenten und einer intensiven Bassline, wozu man auch perfekt die Gedanken ausschalten und es auf sich wirken lassen kann. 

Doch sind die Texte keineswegs platt, sondern präzise ausgewählt und kreisen dabei meist um Unsicherheit und Gefühle, reichen aber von gegenseitigem Unterstützen und Achten bis hin zu Lust, Abhängigkeit und Schmerz.

„Leave it all behind, hmm-hmm-hmm
You made it through these rough waters
And your hair's still wet
Come on in from the cold“

Rhye – Come in Closer

Dabei muss man im Hinterkopf behalten, dass der Künstler meist einen Großteil seiner Songs für sich selbst schreibt und der Öffentlichkeit gar nicht zugänglich macht. Bei früheren Alben waren meist nur ein Drittel der eigentlich entstandenen Songs zu hören. Rhye sagt dazu in einem Interview mit dem niederländischen Musik-Guide „Face Culture“, dass er sein ganzes Leben nur aufgrund seiner Musik gereist ist und schon so viel von der Welt gesehen hat, dass seine Songs eher einem Journal ähneln und meist nicht einmal eine Metapher für Gefühle und Gedanken sind, sondern genau das ausdrücken, was er niedergeschrieben hat. 

“Oh, I don't like to behave
No more master to slave
I'm so in love, I'm so in love with my pain”

Rhye – Sweetest revenge

Musikalisch bleibt der Künstler seinem Stil treu, driftet in „Black Rain“ oder „Come in Closer“ mehrmals in Richtungen wie Disco oder House und findet häufig zurück zu seinen Wurzeln als Cellist mit sinfonischen Passagen wie im Track „Holy“. 

Man mag Rhye mit seinem Album Eintönigkeit vorwerfen, denn einige Songs heben sich tatsächlich kaum voneinander ab, jedoch bringt er harmonische Beats in die Wohnungen der Zuhörer*innen und lädt teilweise zum Tanzen, vor allem aber zum Abschalten ein – dazu braucht es nicht viel Schnickschnack. 

Fazit

Mit dem Album verlässt er kaum seine Komfortzone, liefert so aber auch seinen Fans ein Album, auf das man sich verlassen kann. Ruhige Melodien, entspannte Rhythmen, bedächtige Texte und damit eine gute Study-Playlist.
Ein Lockdown-Album ohne Kritik und Missmut.  

 

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Lysann Uhlig
26.01.2021 - 16:19
  Kultur

Rhye: Home

Tracklist:
  1.  Intro
  2.  Come In Closer *
  3.  Beautiful
  4.  Safeword
  5.  Hold You Down
  6.  Need A Lover
  7.  Helpless
  8.  Black Rain *
  9.  Sweetest Revenge *
  10.  My Heart Bleeds
  11.  Fire
  12.  Holy *
  13.  Outro

* Anspieltipps