Museum für Druckkunst

Innovationen des Buchdrucks

Heutzutage können Bücher einfach vervielfältigt werden — doch das war nicht immer so. Das Museum für Druckkunst in Leipzig erinnert an eine lange Geschichte von Innovationen und bewahrt ein historisches Handwerk.
Museum für Druckkunst - Einblick
Ein Einblick in das Museum für Druckkunst.

Der Beitrag zum Nachhören:

Rundgang im Museum für Druckkunst Leipzig - ein Beitrag von Sarah Sterling.
Rundgang im Museum für Druckkunst Leipzig - ein Beitrag von Sarah Sterling.

Das Leipziger Museum für Druckkunst erinnert auf einer Austellungsfläche von 2.000 m2 an die Entwicklungen des Buchdrucks. Hier kann erfahren und erlebt werden, welche neuen Techniken erfunden wurden, damit man schneller Texte vervielfältigen konnte. Die über 100 Maschinen im Museum sind alle noch voll funktionsfähig.

Almut Hertel, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Museum, führt mich durch das eigentlich geschlossene Museum. Wir begeben uns auf eine Reise in die Vergangenheit der Druckkunst.  

Von Gutenberg bis zur Schnellpresse

Mainz 1450: Johannes Gensfleisch, besser bekannt unter dem Namen Johannes Gutenberg, erfindet den Buchdruck. Dazu benutzt er ein Handgießgerät, mit welchem die beweglichen Lettern aus Blei gegossen werden, und eine umgebaute Weinpresse, um die Farbe auf das Papier zu übertragen. Gutenbergs Erfindung des Hochdrucks beeinflusst nicht nur die Geschwindigkeit der Schriftvervielfältigung, sondern auch die Zugänglichkeit zu Schriften. Denn je schneller und einfacher Bücher gedruckt werden können, desto mehr Menschen haben einen Zugang dazu:

Was vorher mühsam per Hand abgeschrieben wurde, konnte jetzt gedruckt werden. So hatten viel mehr Menschen Zugang zu Wissen, zu Informationen, was sich natürlich auch auf die Alphabetisierung ausgewirkt hat.

Almut Hertel, wissenschaftliche Mitarbeitern am Museum für Druckkunst in Leipzig

Der nächste große Meilenstein des Buchdrucks stellte die Erfindung der Schnellpresse im Jahr 1814 dar. Zu Gutenbergs Zeiten konnten 30 bis 40 Druckbögen pro Stunde gefertigt werden, die Schnellpresse machte die Fertigung für 2000 und mehr Druckbögen möglich.

Leipzig's Bedeutung für den Buchdruck

Der Buchdruck wurde zwar in Mainz erfunden, doch breitete er sich schnell europaweit aus. Leipzig war einer der ersten Standorte, wo sich nach der Erfindung des Buchdrucks eine Druckerei ansiedelte.

[D]as war in den 1480er Jahren, der Konrad Kachelofen, und von da an ging es immer aufwärts, was die Ansiedlung von Druckerein, Schriftgießerein, […] anging und die Hochzeit war im 19. Jahrhundert, Wende zum 20. Jahrhundert, wo im graphischen Viertel über 2000 Betriebe des graphischen Gewerbes angesiedelt waren.

Almut Hertel, wissenschaftliche Mitarbeitern am Museum für Druckkunst in Leipzig

Entwicklung von Schriften

Wichtig für den Buchdruck sind nicht nur die Maschinen, sondern auch die Entwicklung verschiedener Schriften. Die meisten Schriften, die wir kennen, beruhen auf historischen Bleischriften, die digitalisiert wurden. Auch heute erleben wir also noch die direkten Auswirkungen der Bleilettern, die Gutenberg vor fast 600 Jahren erfand.

Eine Bleischrift mit dem Namen „Kristall Grotesk“, die sich in der Sammlung des Museums befindet, wurde 2008 digitalisiert. Auf einem Spaziergang im Leipziger Westen kann man diese auf den Wegweisern der Westkultur entdecken.

Buchdruck heute?

Im Jahr 2021 werden rund 1 Milliarde Bücher pro Jahr in Deutschland gedruckt — jedoch nicht mit dem traditionellen Buchdruck, sondern mit dem sogenannten Offsetdruck. Dieses Verfaren wurde Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelt und setzte sich nach dem zweiten Weltkrieg durch. Da es sich bei dem Offsetdruck um ein Flachdruckverfahren handelt, ist diese Technik kein Buchdruck im traditionellen Sinne mehr.

Durch die Innovation des Offsetdruck hat die Bedeutung des Buchdrucks abgenommen, lediglich besondere Auflagen oder Künstlerbücher werden heute noch mit den traditionellen Buchdruck gefertigt.
Das Museum für Druckkunst bewahrt die Geschichte des Buchdrucks und erinnert an die historischen Techniken. Der Hoch-, Tief— und Flachdruck sind seit 2018 sogar Bestandteil des Weltkulturerbe der Unesco — und an diesem Status hat auch das Museum für Druckkunst in Leipzig seinen Anteil.

 

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Das Museum für Druckkunst hat aktuell wieder geöffnet. Alles, was ihr wissen müsst gibt’s hier: https://www.druckkunst-museum.de/de/

Zur Kristall Grotesk und wo man sie finden kann: https://www.designerinaction.de/typografie/mit-kristall-grotesk-durch-le...