GameCheck: Bug Fables

Im Reich der Krabbeltiere

In „Bug Fables: The Everlasting Sapling“ betrachtet man die Natur aus ungewohnter Perspektive. Denn das liebevoll gestaltete Rollenspiel entführt Spieler:innen in eine faszinierende Welt, die dem menschlichen Auge oft entflieht: die der Insekten.
Kabbu, Leif und Vi vor dem Schloss der Ameisenkönigin.
Vom Boden aus betrachtet ist ein Ameisenhügel ein prächtiges Schloss.

Wir befinden uns im Lande Bugaria: Die Ameisenkönigin Elizant II. begehrt den sagenumwobenen Everlasting Sapling; einen mächtigen Schatz, der ewige Jugend verspricht. Sie lockt Entdecker:innen der ganzen Welt in ihr Königreich, die ihr diesen Schatz bringen sollen.

Kabbu, Leif und Vi in einem herbstlichen Dorf vor einer großen Statue.
Team Snakemouth bereist unter anderem ein herbstliches Dorf.

Dazu zählen auch der ritterliche Käfer Kabbu und die spitzbübische Biene Vi, die sich zu einer Zweckgemeinschaft zusammenschließen. In einer Grotte, der Snakemouth Den, treffen und retten sie zudem die stoische Motte Leif, mit deren Hilfe sie ihren ersten Auftrag siegreich abschließen. Zu dritt bilden Kabbu, Vi und Leif fortan das Team Snakemouth.

Beeindruckt vom Erfolg ihrer ersten Mission, weist die Ameisenkönigin ihnen immer weitere Aufträge zu, die sie auch in die angrenzenden Königreiche führen. Parallel zu ihrer Suche nach dem Everlasting Sapling aber werden die Wespen unerklärlicherweise immer aggressiver und es droht ein Krieg... So entfaltet sich nach und nach eine packende Story mit vielen unerwarteten Wendungen.

Teamwork ist alles

Auf ihrer Suche nach Schätzen und Artefakten durchqueren die Charaktere eine bunte und lebendige Welt. Dabei hat jedes Mitglied des Team Snakemouth eigene charakteristische Waffen und Fähigkeiten – etwa setzt Vi viel auf ihren Bumerang und Leif beherrscht die Macht der Eismagie.

Leif und Vi, die Kabbu trägt, fliegen über einen Abgrund.
Um Abgründe zu überwinden, helfen Flügel.

Beim Bewegen durch die Welt kann man per Knopfdruck fliegend wechseln, wer die Gruppe anführt. Das ist auch notwendig, denn der jeweilige Charakter kann spezifische Aktionen ausführen, die dazu dienen, Hindernisse zu überwinden oder Rätsel zu lösen – oft müssen dazu alle drei zusammenarbeiten. Diese Aktionen schaltet man mit steigendem Spielfortschritt frei und sind auf die Fähigkeiten der Charaktere abgestimmt. Beispielsweise kann Kabbus spitzes Horn Büsche zerschneiden und Leif Eisblöcke erschaffen, die man als Plattformen nutzen kann. Leider muss man sich mit dem Steuern in den Platformer-Passagen wie auch dem Zielen mit Vis Bumerang erstmal zurechtfinden, denn das ist häufig etwas ungenau und hakelig.

Ausgeklügeltes Kampfsystem

Daneben gibt es Kämpfe gegen Gegner aller Art. Fleischfressende Pflanzen, Schnecken, Spinnen - es ist so gut wie alles vertreten, was man in der Welt der Insekten erwarten würde. Die Kämpfe sind rundenbasiert, das heißt, Hauptfiguren und Feinde sind abwechselnd an der Reihe. Um Kampf-Aktionen korrekt auszuführen, muss man Quicktime-Events bestehen; also z. B. in einem kurzen Zeitlimit Knöpfe in der richtigen Reihenfolge oder einem bestimmten Timing drücken.

Abseits der rollenspiel-üblichen Kampfmechaniken kann man auch seine Gegner ausspionieren, um mehr über sie zu erfahren, oder den eigenen Zug an ein:e Partner:in abgeben. Selbst die Position der Teammitglieder hat eine Auswirkung: Wer vorne steht, richtet mehr Schaden an.Wie in Rollenspielen üblich wird man für das Besiegen von Gegnern mit Erfahrungspunkten belohnt. Steigt der Rang des Teams, kann man unter anderem seine Lebenspunkte erhöhen und erlernt manchmal sogar neue Attacken.

Team Snakemouth im Kampf gegen zwei Mücken.
Mit Vis Bumerang kann man fliegende Gegner erwischen.

Die Entwickler:innen haben es geschafft, ein ausgeklügeltes Kampfsystem auf die Beine zu stellen. Etwa müssen manche Gegner erst auf den Rücken gedreht werden, um ihre Verteidigung zu durchbrechen; pflanzliche Feinde sind anfälliger für Leifs Eismagie; und manche können fliegen oder sich in den Boden graben und dann nur noch von bestimmten Attacken getroffen werden.

Sich in dieses System hineinzufuchsen und sich durchdachte Taktiken zu überlegen, bereitet selbst dann großen Spaß, wenn man von strategiereichen Spielen eher schneller mal überfordert ist.

Ein Trio, das sich erst kennenlernen muss

Im Laufe der Geschichte bereist man in sieben Kapiteln einen Großteil der vielseitigen Natur von Bugaria. Von einem idyllisch-ländlichen Herbstwald über eine von Banditen beherrschte Wüste bis hin zu einem von primitiven Urvölkern bewohnten Wildsumpf ist alles dabei. Die Atmosphäre der jeweiligen Umgebung wird durch Farben, Naturphänomene, passende Charaktere und einen unfassbar guten Soundtrack stets übermittelt.

Leif entspannt bei einer Runde Spy Cards.
Das Kartenspiel „Spy Cards“ ist ein toller Zeitvertreib.

Möchte man gerade nicht die Haupstory voranbringen, kann man eine der über 50 verschiedenen Nebenquests lösen, die zwischen dem Jagen gesuchter Verbrecher:innen und emotionalen Romanzen eine große Bandbreite abdecken. Für eine der längsten Quests muss man 26 in der Welt verteilte Geschichtsbücher finden, und wird dafür mit Hintergrundwissen über Bugaria und seine vier Königreiche belohnt – eine geniale Idee, Spieler:innen die Strukturen der Welt, in der man sich befindet, näherzubringen.

Eine große Stärke des Spiels sind die Dialoge, die den vielen Haupt- und selbst den scheinbar unwichtigsten Nebencharakteren Leben einhauchen. Wirken die Gespräche zwischen Kabbu, Vi und Leif anfangs noch distanziert, entwickelt sich, je weiter man im Spiel vorankommt, eine Dynamik und Vertrautheit in dem Trio, die an Humor einiges zu bieten hat und die ungleichen Charakterzüge der drei pointiert und spürbar ausarbeitet.

Fazit

„Bug Fables: The Everlasting Sapling“ bietet eine mitreißende Story, spannende Charaktere und eine beeindruckende Spielwelt. Es weist auch eine gewisse Schwierigkeit auf, ohne dabei jedoch zu frustrierend zu sein. Nervig sein kann nur die Steuerung in Fällen, in denen man auf der Oberwelt sehr genau springen oder zielen muss. Dennoch hat das Indie-Entwicklerstudio „Moonsprout Games“ aus Panama mit seinem Debüt-Titel einen Einstand geschafft, der sich sehen lassen kann. Auf den ersten Blick orientiert sich das Gameplay stark an dem Nintendo-Klassiker „Paper Mario 2: Die Legende vom Äonentor“ und ist sicher auch ein Stück weit als spiritueller Nachfolger für dessen Fans gedacht. Doch das mindert nicht im Geringsten den Spielspaß, den auch diejenigen haben können, die mit diesem Genre nicht vertraut sind.

Der Trailer zum Spiel:

 

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Bug Fables: The Everlasting Sapling

Plattform: PC, Nintendo Switch, Playstation 4, XBox One

Entwickler: Moonsprout Games

Herausgeber: Dangen Entertainment

Erstveröffentlichung: 21.11.2019

Sprachen: Englisch, Japanisch, Spanisch (Nicht auf Deutsch spielbar)