Gretchen #17- Science-Fiction

Gegenwart und Science-Fiction

Wie viel Gegenwärtiges steckt eigentlich in Geschichten, die sich teilweise mehrere Jahre in der Zukunft abspielen? Sind Science-Fiction Romane und Filme vollkommen abgekoppelt von ihrer Zeit, oder steckt doch mehr dahinter, als man zunächst annimmt?
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Gretchen Science-Fiction

Um die Frage zu erörtern, wie viel Gegenwart in Science-Fiction steckt, muss erst einmal geklärt werden, wie weit das Feld ist, von dem die Rede ist. Tatsächlich ist Science-Fiction eines der einflussreichsten Genres in Film und Literatur überhaupt. Das zeigen zum einen die Einspielergebnisse der erfolgreichsten Filme aller Zeiten, an deren Spitze seit nunmehr elf Jahren “Avatar” thront, gefolgt von “Avengers – Endgame” und weiteren Vertretern des Genres in den Top Ten. Aber Science-Fiction ist mehr als der pure Bombast, den diese erfolgreichen Filme auf die Leinwand bringen. Die Reise zu den Sternen hat Menschen schon immer fasziniert, so dass die Anfänge der Science-Fiction mit Recht schon in der Antike verortet werden können. 200 Jahre vor Christus schrieb Lukian von Samosata die erste Reise zum Mond nieder, die wohl als erste Erzählung dieser Art in einer seitdem langen Reihe Geschichten steht. Natürlich gab es den Begriff Science-Fiction zu dieser Zeit noch nicht und der technische Aspekt, den die Science-Fiction schon in ihrem Namen trägt, spielte zu dieser Zeit auch eine untergeordnete Rolle.

Die Science-Fiction hat eine Mutter

Hält man sich streng an diesen Aspekt der Technik, so kann man etwas überraschend Mary Shellys „Frankenstein“ von 1818 als erstes Werk der Science-Fiction bezeichnen. Zwar würde Frankenstein heute eher dem Horror oder der Fantasy zugeordnet werden, allerdings ist in der Geschichte keine Spur von Übernatürlichem oder Unerklärlichem zu finden. Sie beschreibt lediglich die Erfindung eines Wissenschaftlers, der nur mit Hilfe der Physik und der Biologie ein Wesen aus Leichenteilen zum Leben erweckt. Die vermutlich eher mit dem männlichen Geschlecht assoziierte Science-Fiction  geht im engeren Sinne also auf eine Frau zurück. Allerdings dauerte es noch über einhundert Jahre bis der heute gebräuchliche Name auftauchte. 1923 brachte der in Luxemburg geborene und in die USA ausgewanderte Hugo Gernsback die erste Sammlung von Kurzgeschichten heraus, die den Titel “Science and Invention” trug und in der erstmals von “Scientifiction” die Rede war.

Doch noch ein kurzer Blick zurück, auf weitere wegweisende Autoren darf an dieser Stelle nicht unterschlagen werden: Die voranschreitende industrielle Revolution löste in der Bevölkerung im 19. Jahrhundert eine Begeisterung für Technik aus, so dass die immer noch populären Geschichten von Jules Verne oder H.G. Wells, die bis ins Detail U-Boote, Flüge zum Mond und Zeitreisen beschrieben, sehr großen Anklang fanden. Selbstverständlich sind die Grenzen zwischen Science-Fiction und Fantasy nicht immer ganz klar, aber auch der Horrorautor H.P. Lovecraft oder die neuartigen Comics zu Beginn des 20. Jahrhunderts sind einerseits von Science-Fiction beeinflusst worden und haben ihrerseits wieder die Entwicklung des Genres beeinflusst.

Von der Technik zur Gesellschaft

Einen entscheidenden Einschnitt in die Rezeption von Science-Fiction stellte 1965 Frank Herberts Roman „Dune“ dar. Der Markt wurde zu diesem Zeitpunkt von den sogenannten „Pulp“-Romanen überflutet, günstig produzierten und massenhaft gekauften Geschichten, die wilde Abenteuer erzählten, darüber hinaus aber wenig Inhalt boten. Frank Herbert erzählte in Dune eine komplexe politische Geschichte, die zusätzlich noch Weltraumreisen und fremde Tiere beinhaltete. Der bis zu diesem Zeitpunkt prägende technische Aspekt von Science-Fiction-Geschichten geriet dabei in den Hintergrund, was aber anhand der schier unglaublichen technischen Leistungen, die sich mittlerweile in der echten Welt abspielten, nicht erstaunlich war.

Die von Jules Verne beschriebenen U-Boote und Flüge zum Mond sind mittlerweile überholt und es ist schwierig, sich etwas vorzustellen, das nicht schon längst in der Theorie erfunden worden wäre. Begrifflichkeiten wie Roboter oder Internet wurden zunächst in  fiktionalen Welten beschrieben, schienen aber in der Realität keineswegs mehr unumsetzbar zu sein. Aus diesem Grund orientierte sich die Science-Fiction in der Literatur um. “Dune” thematisierte einige der wichtigsten Themen seiner Zeit, wie zum Beispiel die permanente Bedrohung durch Waffen mit nie zuvor gekannter Zerstörungskraft oder auch den Umweltschutz und wie mit der eigenen Lebensgrundlage umzugehen ist.

Und die Zukunft?

Es zeigt sich also, dass sich Science-Fiction und Gesellschaft immer wieder gegenseitig beeinflussen. Natürlich werden die Geschichten nicht losgelöst von ihrem jeweiligen Zeitgeist verfasst, sondern lassen sich immer auf die Umstände ihrer Entstehung zurückführen. Ebenso beeinflusst Science-Fiction ihre Rezipient:innen. Der große Einfluss ist aufgrund der anfangs beschriebenen Absatzzahlen von Filmen und Comics unbestreitbar, die Geschichten begeistern die Menschen noch immer. Aber auch in unserem Alltag begegnen uns täglich Einflüsse in den Namen vieler technischer Geräte, die wir mittlerweile ganz selbstverständlich benutzen.

Über die weiteren Einflüsse, die Science-Fiction auf die Gesellschaft nimmt und umgekehrt, sprechen in dieser Folge Vincent, Tim und Alex, sowie der Science-Fiction Autor Robert Corvus im Interview.

Die ganze Folge zum nachhören gibt’s hier:

 

 

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