Interview Anna Haifisch, Lina Ehrentraut

Es ist einfach eine andere Form von Text

Alexander Böhle im Gespräch mit den Leipziger Künstlerinnen Anna Haifisch und Lina Ehrentraut über die Form von Graphic Novels, Besonderheiten bei der Produktion und den Stand des Genres in Deutschland.
Thema: Form, Anna Haifisch und Lina Ehrentraut im Interview
Die Comiczeichnerinnen Anna Haifisch und Lina Ehrentraut im Interview bei mephisto 97.6.

Das ganze Interview zum Nachhören:

Graphic Novels / Alexander Böhle
Interview Haifisch Ehrentraut

Graphic Novels dürften vielen von uns mittlerweile schon ein mal begegnet sein, vor allem als Biographien oder Neuauflagen von Klassikern der Literaturgeschichte erlebt diese Form des Buchs im Moment einen regelrechten Hype. Aber bleiben dabei nicht die Originale auf der Strecke, wie sie zum Beispiel von den beiden Leipziger Künstlerinnen Anna Haifisch und Lina Ehrentraut geschrieben werden? Ist geschrieben überhaupt das richtige Wort, wenn der Text nur einen kleinen Teil des Gesamtwerks ausmacht? Und wo ist eigentlich der Unterschied zwischen einer Graphic Novel und einem Asterix-Comic? Viele Fragen, die sich an diese in Deutschland zumindest noch recht junge Form richten. Anna und Lina freuen sich zumindest über die hohe Aufmerksamkeit, die ihrem Genre aktuell zuteilwird:

Ich glaube gar nicht, dass die Aufmerksamkeit von unseren Werken abgezogen wird, eher im Gegenteil. Das zieht die Aufmerksamkeit von einem Publikum, dass sich vorher nie im Leben Graphic Novels angeschaut hätte.

Anna Haifisch

Dabei zeichnen Graphic Novels oft buchstäblich ein Bild unseres Alltags und bieten hohes Identifikationspotential, statt sich mit irgendwelchen Superheldenkämpfen oder hinkelsteintragenden Galliern auseinander zu setzen. Auch wenn dabei teilweise Tiere die Protagnoist:innen sind oder die Geschichten von wilden bunten Malereien unterbrochen werden, können die Geschichten sogar recht düster und nachdenklich geraten. Der Einsatz von Bildern und Farbe unterstreicht gezielt die dichte Atmosphäre, die in den Büchern entsteht. Die Stile sind dabei sehr individuell und die Zeichnerinnen haben immer Lust, auch mal neue Arten der Gestaltung auszuprobieren. Allerdings haben Graphic Novels generell noch einen schweren Stand und bei den geringen Auflagen ist die Entscheidung über Farbe oder schwarz-weiß nicht immer ganz freiwillig.

Die Frage nach Farbe oder nicht fällt oft mit der Produktion. Manchmal ist es total gut und günstig ein kopiertes Heft zu machen, dann ist es klar, dass es schwarz-weiß bleibt.

Anna Haifisch

Ob sich das in der nahen Zukunft noch ändern wird, ob vielleicht bald ein:e Leipziger Künstler:in ganz oben auf der Spiegel-Bestsellerliste stehen wird? Lina Ehrentraut glaubt das nicht so recht.

Natürlich wär’s schön, wenn ich die Sachen von meinen Leuten sehe, das sind mega die nicen Sachen, aber ich seh [den Bestseller] jetzt nicht so richtig da.

Lina Ehrentraut

Trotzdem natürlich kein Grund, nicht weiter zu machen. Die beiden beschäftigen sich auch mit anderen Formen der Veröffentlichung und wollen gerne auch wieder Ausstellen, um ihren Figuren mal eine andere Form zu geben. Außerdem ermöglichen die beiden durch ihre Werke auch Leuten den Zugang zu Literatur, die mit längeren Texten vielleicht Probleme haben. Es lohnt sich auf jeden Fall, die Szene im Blick zu behalten, denn durch ihre kreative und alternative Ausdrucksweise schaffen sie es Geschichten so zu verpacken, wie es die herkömmliche Literatur nicht leisten kann.

 

 

 

 

 

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