Interview: Deniz Ohde

Eine Zukunft mit gleichen Chancen

Deniz Ohde will auf Chancengleichheit aufmerksam machen. Sie protestiert nicht dafür, sondern schreibt darüber. Ihr Debütroman "Streulicht" blickt auf Chancenungleichheit in der Gesellschaft aufgrund der Herkunft. Gloria Weimer hat sie getroffen.
Die Leipziger Schriftstellerin Deniz Ohde im Interview bei mephisto 97.6.

Das Interview zum Nachhören:

Autorin Deniz Ohde im Gespräch mit Redakteurin Gloria Weimer
Autorin Deniz Ohde im Gespräch mit Redakteurin Gloria Weimer

Chancengleichheit in der Gesellschaft - ein Thema von "Streulicht"

Chancengleichheit in der Gesellschaft, ungleiche Behandlung aufgrund der Herkunft, Rassismus und Klassismus: All diese Themen greift Deniz Ohde in ihrem Debütroman "Streulicht" auf. Sie schreibt über eine Protagonistin, die dem Alltag ihrer Kindertage entflohen ist, mittlerweile erwachsen ist. Im Roman kehrt sie zurück an die Orte, an denen sie ihre Kindheit verbracht hat; und mit ihnen kehren auch die Erinnerungen zurück. An eine Zeit, die sie nicht nur auf Spielplätzen verbracht hat, sondern auch zwischen Menschen, die sie anders behandeln - aufgrund ihrer Herkunft. Als Kind nimmt sie das wahr, unterschwellig. Auch in ihrem direkten Umfeld.

[Sophias Mutter] kaufte [ihr] Sophia zum Schulbeginn einen pinken Scout-Ranzen, auf dem zwischen Blumenbouquets verschiedene Mädchennamen standen, neben Anna, Julia, Sabrina, Sandra auch Sophia, in runden weißen Lettern, und ich wollte den gleichen haben, obwohl mein Name nicht dabei war, wie er nirgendwo dabei war (..).

Auszug aus "Streulicht"

Kein politisches Statement

Mit "Streulicht" möchte Deniz Ohde kein politisches Statement setzen, nicht das Bildungssystem kritisieren. Sie möchte stattdessen aufzeigen, was ständige ungleiche Behandlung in der Gesellschaft im Inneren einer Person auslösen; insbesondere bei einem Kind.

 Ich bin gar nicht so wirklich in Zahlen reingegangen oder tatsächliche Forschungen, sondern ich hab mich [...] mehr damit beschäftigt, wie so eine subjektive Perspektive darauf ist und wie dieses abstrakte Thema Chancenungleichheit, das ja für viele Leute eine Rolle spielt und deren Biografie prägt, wie sich das im Innenleben einer Person ausdrückt.

Deniz Ohde

Popularität in der Gesellschaft

Die Themen Klassismus und Chancengleichheit seien in den letzten Jahren populärer in der Gesellschaft und Literatur geworden, meint Deniz Ohde. Sie erlebe, dass beide zunehmend in den Fokus geraten seien und es nicht bei einer Singlestory bleibt, die man schon kennt, sondern verschiedene Perspektiven Platz finden - auch zunehmend in der Literatur. Das stimme sie optimistisch, trotzdem sei ihr bewusst, welche Rolle Literatur im gesellschaftlichen Diskurs einnehmen kann.

Ich mache mir wenig Illusionen, dass durch literarische Texte auch Veränderungen passieren, weil wir wissen seit vielen Jahren, dass es Chancenungleichheit gibt und dass der familiäre Hintergrund eine Rolle spielt, welchen Bildungsabschluss man am Ende macht. Aber ich sehe natürlich trotzdem, dass Literatur den Blick weiten kann und Sachen zeigen kann, die Forschung oder Statistiken nicht zeigen können.

Deniz Ohde

 
 

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