Leipzig im Jahr 1409

Die Gründung der Universität Leipzig

Vor 612 Jahren wurde die Universität Leipzig gegründet. Damit ist die Alma Mater Lispiensis eine der ältesten deutschen Universitäten, an denen ununterbrochen gelehrt wird. Wie es zu der Gründung vor 612 Jahren kam, erfahrt ihr in diesem Artikel.
kolorierter Kupferstich vom Leipzig des Jahres 1572
Leipzig, kolorierter Kupferstich von Hogenberg und Braun

Wer an der Universität Leipzig studiert, wird es kennen. Am 02. Dezember findet jedes Jahr der Dies Academicus statt. Alle Vorlesungen an diesem Tag werden ausgesetzt und es finden den ganzen Tag Veranstaltungen wie Preisverleihungen oder offene Vorlesungen statt. Für den einen bedeutet das also einen Tag Zeit, um in fachfremde Vorlesungen reinzuschnuppern, der andere freut sich über einen vorlesungsfreien Tag. Der Dies Academicus markiert gleichzeitig den Geburtstag der Universität Leipzig. Diesen Monat feierte die Uni ihren 612. Geburtstag.  Deswegen wollen wir in der Zeit zum ersten Dies Academicus zurückreisen und herrausfinden, wie es zur Gründung der Alma Mater Lispiensis gekommen ist.

Leipzig im Jahr 1409

Die Universität Leipzig wurde im Jahr 1409, also mitten im Spätmittelalter, gegründet. Leipzig zählt im frühen 15. Jahrhundert grob 6000 Einwohner und ist damit einwohnertechnisch grob hundert mal kleiner als heute. 1409 blickt Leipzig, welches 1165 an der Kreuzung der Via Regia und der Via Imperii, zweier bedeutender Fernhandelsstraßen, gegründet wurde, schon auf über 200 Jahre Stadtgeschichte zurück. Es lässt sich bereits im frühen 15. Jahrhundert eine gewisse Selbstverwaltung in Leipzig erkennen. Trotzdem wird die Stadt in dieser Zeit von dem Adelsgeschlecht der Wettiner beherrscht. Diese hatten ihren Sitz in der Burg Wettin bei Halle und beherrschten im 15. Jahhrundert große Teile Mitteldeutschlands. Außerdem sollten sie auch in der Gründungeschichte der Universität Leipzig eine große Rolle spielen.  Diese Gründungsgeschichte beginnt jedoch nicht in Leipzig, sondern in Prag. Genauer gesagt an der Prager Karls Universität.

Burg Wettin bei Halle
Burg Wettin

Dicke Luft in Prag

Universitäten waren im Mittelalter in sogenannte Nationen eingeteilt. Das bedeutet, dass Professoren und Studenten nach ihrer Herkunft sortiert wurden. Diese Nationen wechselten sich mit dem Rektorat ab und teilten die Professuren untereinander auf. An der Karls-Universität lagen diese Nationen nun im Streit. Dies lag daran, dass der böhmische König Wenzel IV. die böhmische Nation, also die einheimische Nation, durch das Kuttenberger Dekret übervorteilt hatte. So konnte die böhmische Nation, durch eine Änderung der Stimmverteilung, die anderen Nationen in Abstimmungen überstimmen. Damit wollten sich die anderen Nationen nicht abfinden. Außerdem spielten religiöse Konflikte im Zuge der reformatorischen Hussitenbewegung in Böhmen auch eine Rolle. Der Streit konnte letztendlich nicht geschlichtet werden und drei Nationen verließen die Karls-Universität.

Der erste Dies Academicus

Diese Situation wussten die wettinischen Fürsten Friedrich IV. der Streitbare und Wilhelm II., der Reiche, für sich zu nutzen. Diese erlaubten einem Teil der aus Prag ausgezogenen Studenten und Professoren, in Leipzig unterzukommen und dort ihren Lehrbetrieb fortzusetzen. Dafür wurden ihnen von den wettinischen Landesfürsten zwei Gebäude, die sich auf dem Gelände des heutigen Petersbogen befanden, und die Saläre, also die Gehälter, für zwanzig Dozenten gestellt. Außerdem schickten die Wettiner einen Diplomaten zum Papst um für die Genehmigung der Universitätsgründung zu werben. Diese erfolgte dann auch am 09. September 1409 durch die Hand von Papst Alexander V..
Am 02. Dezember 1409 fand dann die feierliche Eröffnung der Leipziger Universität statt. Bei dieser feierlichen Eröffnung wurde Johannes Otto von Münsterberg zum ersten Universitätsrektor gewählt und die Universitätssatzung verlesen. In der Tradition von Münsterberg steht die scheidende Rektorin Beate Schücking, als sie am diesjährigen Dies Academicus an die Gründung von 1409 erinnert hat.

Wenn du mehr zur Gründung der Universität Leipzig wissen möchtest, kannst du dir gern unsere Podcastfolge zu diesem Thema anhören. Dort setzten wir uns noch einmal tiefer mit der Gründungsgeschichte auseinander. Außerdem erklärt dort der Historiker Dr. Alexander Sembdner, wie wir uns den Alltag an der Spätmittelalterlichen Universität Leipzig vorstellen können:

 

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