Interview: Buchwissenschaft

Die Buchbranche ist krisensicher

Um bunte Büchersammlungen und die Bedeutung der "analogen" Buchmesse im Zeitalter der Digitalisierung geht es im Interview mit Siegfried Lokatis. Er ist Professor für Buchwissenschaft an der Universität und Experte für die Buchstadt Leipzig.
Prof. Dr. Siegfried Lokatis von der Leipziger Buchwissenschaft im Interview bei mephisto 97.6.
Prof. Dr. Siegfried Lokatis von der Leipziger Buchwissenschaft im Interview bei mephisto 97.6.

Das Interview zum Nachören: 

Julia Vogt im Gespräch mit Professor Siegfried Lokatis von der Buchwissenschaft

Tausende von Büchern und Souvenirs zieren die Regale im sogenannten Bibliotop - einem ganz besonderen Ort der Buchwissenschaft Leipzig. In einem alten Tresorraum werden dort Archiv, Bibliothek und Museum miteinander vereint. Mit einem wissenschaftlichen Blick und immer einem amüsanten Spruch auf den Lippen erforscht Professor Siegfried Lokatis die Verlagsbranche.

An Leipzig als Buchstadt fasziniert vor allem die lange Geschichte. Das beginnt bei den Buchdruckern, die die Bücher auch verkaufen mussten und sich in Leipzig trafen, und der Blütezeit ab 1750 - zu der Leipzig als die Buchstadt schlechthin galt. Über Einschnitte im letzten Jahrhundert wie dem Nationalsozialismus und dem Zweiten Weltkrieg reichen mögliche Forschungsthemen bis in die DDR- und Wendezeit.

Aber auch in der Gegenwart siedeln sich kleine Verlage immer wieder in der Stadt an und sorgen für ein Fortführen der Buchkultur. Mit Berlin - als neuer Verlagshauptstadt - wird Leipzig dabei wohl nicht mithalten können. Jedoch sieht Professor Lokatis die lokale Nähe zu Berlin dennoch als Vorteil:

Was aber Berlin nicht hat, ist eine Universität, die traditionsbewusst Verlagsgeschichte erforscht und deshalb habe ich irgendwann mal einfach gesagt: Berlin ist unser Vorort.

Professor Siegfried Lokatis, Buchwissenschaft

Es sei also die Aufgabe der Leipziger Buchwissenschaft, das Verlagsgeschehen in Berlin zu beobachten und die Entwicklungen aus wissenschaftlicher Perspektive zu beurteilen.

Schaufenster der Innenstadt zum Leben erwecken

Das Ausfallen der Buchmesse sei für Verlage vor allem auf einer menschlichen Ebene schädlich. Es fehle der persönliche Kontakt sowohl zum Publikum, als auch zu Autoren und Autorinnen. Denn auch die analoge Buchmesse hat ihren verdienten Platz in der digitalen Welt. 

Das digitale Buch, okay, das kann man besser lesen im Urlaub. Aber die Schönheit der Bücher kann man am besten entfalten nur mit realen Büchern, wenn man die tollen Buchreihen zeigt und damit die Fenster schmückt und verziert. Und das ist dann schon das Besondere am echten analogen Buch.

Professor Siegfried Lokatis, Buchwissenschaft

Als Professor für Buchwissenschaft erforscht Siegfried Lokatis nicht nur Verlagsgeschichten, sondern organisiert zeitgleich zur Buchmesse auch immer die Ausstellung "BuWision". Dabei werden Schaufenster von Leipziger Geschäften mit allerlei Büchern dekoriert. In diesem Jahr war das durch lange geschlossene Geschäfte und den Ausfall der Buchmesse nicht im üblichen Rahmen möglich. Stattdessen gibt es einen digitalen Stadtrungang, bei dem mit Hilfe von Fotos und Videos aus den vergangenen Jahren die Schaufenster und auch das Bibliotop dennoch betrachtet werden können.

 

 

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