Gesundheit

Diagnose: Diabetes

Am 14. November ist "Welt-Diabetes-Tag". Doch nicht nur an diesem Tag sollte auf die Krankheit aufmerksam gemacht werden. Wie sich Diabetes auf den Körper und auf den Alltag von Betroffenen ausübt, erfahrt ihr hier.
Diabetes- "Besteck"

Aus aktuellen Zahlen der WHO geht hervor, dass momentan 420 Millionen Menschen weltweit an Diabetes erkrankt sind. Diabetes ist damit eine der häufigsten Krankheiten der Welt. Spätestens seit den 80er Jahren steigt die Anzahl der Erkrankten stark an. Hinzu kommt, dass es bei Diabetes-Erkrankungen eine recht hohe Dunkelziffer gibt. In Deutschland leben ca. acht Millionen Menschen, die an Diabetes erkrankt sind und zusätzlich ca. zwei Millionen Menschen, die noch nichts von ihrer Erkrankung wissen. Aber was genau passiert im Körper, wenn ein Mensch Diabetes hat? Welche unterschiedlichen Arten einer Diabeteserkrankung gibt es? Wie wird Diabetes behandelt und wie gestaltet sich der Alltag als Diabetiker:in?

Was ist Diabetes?

Beginnen wir damit, was bei der Krankheit Diabetes im Körper passiert: Wenn wir essen, schüttet unser Körper im Regelfall Insulin aus. Insulin ist ein körpereigener Stoff, welcher an der Regulation des Stoffwechsels beteiligt ist. Dabei senkt es insbesondere den Blutzuckerspiegel, indem es Körperzellen dazu anregt, Glucose aus dem Blut aufzunehmen. Menschen mit Diabetes können kein Insulin mehr produzieren oder nicht in der Menge, wie es der Körper eigentlich braucht. Man unterscheidet die verschiedenen Formen einer Diabetes-Erkrankung grundsätzlich in zwei Typen, dabei verfallen in Deutschland 95 Prozent auf Diabetes Typ-2 und fünf Prozent auf Typ-1. Bei Typ-1 greift das eigene Immunsystem die Zellen der Bauchspeicheldrüse im Körper an, die Insulin produzieren. Somit können Typ-1- Diabtetiker:innen gar kein Insulin mehr produzieren. Diese Form der Erkrankung tritt häufig schon im Kindes- oder Jugendalter bei den Betroffenen auf. Bei einer Diabetes-Typ-2-Erkrankung, welche zeitweise auch Altersdiabetes genannt wurde, ist hingegen Insulin im Körper zwar vorhanden, es wird aber schlechter vom Körper aufgenommen und verwertet. Dabei ist der Begriff Altersdiabetes heutzutage nicht mehr zutreffend, weil Mediziner:innen beobachten, dass auch der Typ-2 immer häufiger bei jüngeren Menschen diagnostiziert wird.

Ursachen für Diabetes

Unsere Arbeits- und Lebenswelten sind bewegungsfeindlich: Wir sitzen häufig in unseren Berufen und unsere Alltags- und Freizeitaktivitäten sind häufig ohne körperliche Aktivität – (…) Wir bewegen uns im Mittel als Bevölkerung zu wenig.

Prof. Dr. Blüher, Diabetesforscher der Uni Leipzig

Die Ursachen für Diabetes sind unterschiedlich. Eine große Rolle spielt die Ernährung. Wenn wir dazu neigen viel zu essen, vor allem viele Kohlenhydrate, dann ist das Risiko an Diabetes zu erkranken, erhöht. Prof. Dr. Matthias Blüher ist Diabetologe und Diabetesforscher an der Uni Leipzig und hat auch die veränderten Arbeits- und Lebenswelten als Grund für eine Erkrankung genannt: In der heutigen Gesellschaft bewegen wir uns in unseren Berufen und unseren Alltags- und Freizeitaktivitäten weniger, was das Risiko einer Diabetes-Erkrankung erhöht. Neben falscher Ernährung und mangelnder Bewegung kann die Veranlagung für Diabetes allerdings auch vererbt werden.

Behandlung von Diabetes

In der Regel messen Diabetiker:innen mehrmals täglich ihren Blutzucker. Typ-1-Diabetiker:innen führen sich dann mittels einer Insulinpumpe oder einer Spritze Insulin zu. Bei Betroffenen des Typ-2 gibt es verschiedene Möglichkeiten der Behandlung: Einerseits ist eine Umstellung der Ernährung oft hilfreich, zudem können Medikamente eingenommen werden, die den Blutzucker senken und als dritte Option können sie sich auch, wie beim Typ-1, Insulin manuell zuführen.

(Bei zu später Diagnose) erhöht sich das Risiko für Schlaganfälle, aber auch für Veränderungen des Sehvermögens und der Nierenfunktion – das wären so die kleinen Gefäße, die durch den Zucker geschädigt werden können. (Es kommt) aber auch zu Missempfindungen, vor allem im Bereich der Füße und der Unterschenkel. Das kann mit dem Zugrundegehen der Nervenfasern erklärt werden.

Prof. Dr. Bühler, Diabetesforscher der Uni Leipzig

Hinweise einer Diabetes-Erkrankung können häufiger Harndrang, übermäßiger Durst, Gewichtsverlust und auch Sehstörungen sein. Wie Prof. Dr. Blüher erklärt, ist bei Diabetes eine frühe Diagnose von Vorteil. Bei einer späten Diagnose erhöht sich beispielsweise das Risiko für Schlaganfälle und die Verschlechterung des Sehvermögens sowie der Nierenfunktion. Während Diabetes-Typ-1 früher eine tödlich verlaufende Krankheit war, kann den Betroffenen heutzutage mit der richtigen Behandlung ein halbwegs „normales“ Leben ermöglicht werden. Um einen genaueren Einblick in das Leben mit Diabetes zu bekommen, haben wir mit zwei Betroffenen gesprochen.

Wie gestaltet sich der Alltag mit Diabetes?

„Ich lag eine Woche auf der Intensivstation und hatte enorm Gewicht verloren ehe die Ärzt:innen mir sagen konnten, was mit mir los sei. Als ich die Diagnose bekam Diabetes-Typ-1 war mir das erstmal egal, realisiert habe ich das erst etwas später.“

Elsa, 28, Typ-1-Diabetikerin

Elsa ist 28 Jahre alt und seit ihrem dreizehnten Lebensjahr an Diabtes-Typ-1 erkrankt. Sie sitzt mit einer Tasse Pfefferminztee in einem Café und erzählt, dass der Moment als sie die Diagnose ihrer Diabeteserkrankung bekam eine Extremsituation für sie darstellte: Sie lag schon eine Woche auf der Intensivstation und hatte eine Menge Gewicht verloren, ohne zu wissen, was ihr fehle. Als die Ärzt:innen ihr erzählten, sie habe Diabetes, war sie in erster Linie froh eine Diagnose zu haben. Die Auseinandersetzung mit der Krankheit und ihrer Behandlung kamen erst danach. Recht schnell musste sie sich daran gewöhnen sich täglich selbst Insulin zu spritzen und eine Krankheit zu haben, die vermutlich ein Leben lang nicht mehr weggehen wird.

Elsa berichtet, dass sie sich vor jeder Mahlzeit Insulin zufügen muss. Außerdem müssen Diabetiker:innen bei sportlichen Aktivitäten besonders aufpassen, dass sie nicht unterzuckern. Personen, die an Typ-1-Diabetes erkrankt sind, haben also schon täglich mit ihrer Krankheit zu tun. Anders als man allerdings oft denkt, haben sie keine strikten Verbote oder Einschränkungen beim Essen. Bei Typ-2-Diabetiker:innen ist ein genauer Ernährungsplan, um die Krankheit einzudämmen allerdings sehr sinnvoll.

Deutscher Diabetikerbund und Co. – Was bringen Gesprächsgruppen für Diabetiker:innen?

Vor Kurzem hatte Elsa sich auf eine Anzeige der Stadt Leipzig gemeldet, in der für eine Gruppe zur Selbsthilfe für Typ-1-Diabetiker:innen zwischen 18 und 35 geworben wurde. Sie sagt, dass sie keine anderen Betroffenen persönlich kennt und es schön fände einen regelmäßigen Austausch über Erfahrungen mit der Krankheit zu haben. Vor allem eine Gesprächsgruppe mit ungefähr Gleichaltrigen wäre gut, um über Dinge zu sprechen, die in einer bestimmten Lebensphase relevant sind.

Ich kenne keinen anderen Typ-1-Diabetiker persönlich. Eine Gesprächsgruppe zum Austausch mit anderen Betroffenen und nicht immer nur mit Ärzt:innen wäre mir wichtig.

Elsa, 28, Typ-1-Diabetikerin

Das Modell der Austauschgruppen für Diabetiker:innen ist nichts Neues: Mit vorne dabei bei der Unterstützung und Organisation dieser Treffen ist der Deutsche Diabetiker Bund, kurz DBB. Er ist die größte und älteste Patientenorganisation in Deutschland für Menschen mit Diabetes und hat überall regionale Ableger. Der Landesverband Sachsen wurde beispielsweise am 13. Juni 1990 ins Leben gerufen. Fast von Anfang an dabei und eine lange Zeit Vorsitzender des Gebietsverbandes Leipzig war Uwe Jeckel. Er ist 60 Jahre alt und seit 1993 Typ-1-Diabetiker. Heute erzählt er mit leichter Wehmut in der Stimme, dass sich die Corona-Pandemie negativ auf die Arbeit des Diabetikerbundes ausgewirkt hat. Eine lange Zeit konnten keine Gruppentreffen stattfinden und insgesamt ist die Organisation in letzter Zeit geschrumpft.

„Diabetes geht auf die Nerven“ – Das Risiko von Folgeerkrankungen

Uwe Jeckel war Anfang 30, als bei ihm Diabetes-Typ-1 diagnostiziert wurde. Zum Zeitpunkt seiner Diagnose war die Behandlungsweise der Krankheit schon ähnlich wie heute, fast 30 Jahre später. Er sagt, dass er froh ist die Krankheit nicht früher bekommen zu haben, ab den 90er Jahren gab es ja schon viele Hilfsmittel, wie die Insulinpumpe, die die Behandlung von Diabetes erleichtern.  Die Behandlung ist für ihn inzwischen zur Routine und ein offener Umgang mit Diabetes selbstverständlich geworden. Als er auf Folgeerkrankungen zu sprechen kommt, wird aber auch deutlich, wie ernst die Krankheit werden kann.

Also Diabetes geht ja auf die Nerven. Ich habe mittlerweile Probleme mit den Füßen. Manchmal schwanke ich beim Laufen, als wäre ich betrunken.

Uwe Jeckel, 60, Typ-1-Diabetiker

Dieses zwar etwas komisch wirkende Bild zeigt, dass die Folgen einer Diabeteserkrankung sich enorm auf das Leben und die Gesundheit der Betroffenen auswirken können. Jeckel erweckt den Eindruck, dass der richtige Umgang mit Diabetes entscheidend ist. Er betont, dass es hin und wieder sehr aufwendig und anstrengend sein kann all die medizinischen Vorkehrungen einzuhalten. Der 56jährige Dennis Keller ist ebenfalls Diabetiker und er beschreibt die Einschränkungen, die er durch die Krankheit im alltäglichen Leben hat, so:

Mein „Gepäck“ ist mindestens immer das Messgerät (zum Scannen des Sensors) und wenn man etwas essen gehen will, benötige ich einen Insulin-Pen und entsprechende Spritzen. Außerdem brauche ich immer und überall leicht verfügbaren Zucker, um gegen Unterzuckerungen anzugehen. Wenn möglich sollten Menschen, mit denen ich ausgehen möchte, wissen, dass ich Diabetes habe. Mich schränkt Diabetes schon ein, aber ich habe gelernt damit umzugehen. Ich übernehme Verantwortung für meine Therapie mit Hilfe meiner Diabetes-Ärztin.

Dennis Keller, Diabetiker

Sowohl für Elsa als auch für Uwe Jeckel und Dennis Keller ist das Leben mit Diabetes zur Normalität geworden. Dennoch gibt es Momente, an denen sie sich nach mehr Austausch mit anderen Betroffenen sehnen. Sie sagen, die Gewissheit nicht allein mit der Krankheit zu sein, könne enorm helfen. Diabetiker:innen finden alle Informationen zu Gesprächsgruppen zur Selbsthilfe im Internet, unter anderem auf den Seiten des Deutschen Diabetikerbundes.

Mehr zum Thema und die ganze Reportage könnt ihr in dieser Folge unseres Podcasts "Radio für Kopfhörer" nachhören:

 

 

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Website des Deutschen Diabetikerbundes

Und hier gibt es weiterführende Informationen für eine Gesprächsgruppe zwischen Typ-1-Diabetiker:innen zwischen 18 und 35