Frisch gepresst: Plusmacher

Der Plusmacher ist zurück am Hochhaus

Mit „Haus im Nebel“ kehrt Plusmacher, sowohl von instrumentaler Seite als auch vom Inhalt her, ein wenig zur Straße zurück, ohne dabei seinen sympathischen Charakter außen vor zu lassen.
Plusmacher

Plusmacher ist, neben seiner Musik, vor allem für seine Vorliebe für Cannabis bekannt. Das dürfte selbst den unaufmerksamsten Hörer:innen nach seinem letzten Album „Ich kiffe und jetzt?“ aufgefallen sein. Dort hat Plusi neben Konsum auch auf mit einigen privaten Geschichten aufgeräumt, die ihm zu der Zeit das Leben schwer gemacht haben. Dass ihm mittlerweile nicht mehr so viel auf der Seele liegt, kann man auch in seinem neuen Album „Haus im Nebel“ hören.

Zurück am Block

Nachdem es auf den letzten Longplayern aus dem Hause Plusmacher zunehmend melodischer zuging, wird man hier mit deutlich mehr Street-Rap empfangen. Der Macher mit dem Plus besinnt sich wieder etwas mehr auf seine musikalischen Wurzeln und erzählt auf härteren Beats Geschichten aus der Platte, in der er noch vor allem mit illegaler Ware Profit gemacht hat. Dabei nehmen die Songs auch mal einen ziemlich rauen Ton an, wenn es um unschöne Zustände in ärmeren Gegenden geht. Das ist zum Beispiel auf dem Titeltrack oder auf dieser Passage sehr gut umgesetzt.

Der Widerstand wächst in einer gottlosen Zeit, wo dir nicht viel bleibt, außer nach Hoffnung zu schrei'n.
Auf Koka wird es eklig, Träume sind synthetisch.
Ich seh das draußen täglich, der Druck wächst hier im Käfig.

"Plusi auf Wish bestellt"

Beattechnisch finden sich auf den Songs einige moderne Produktionen, aber auch genug Ausflüge auf klassische Boom Bap Beats, die sehr schön knallige Drums mit sich bringen. Plusmacher kann unbestritten gut rappen, aber auf solcher Art Instrumentals glänzt sein Rap-Stil, mit hervorstechenden Betonungen (meiner bescheidenen Meinung nach) ganz besonders. Den „klassischen“ Plusmacher, der auf fettem Boom Bap über Straßen-Dinge rappt, kann man z.B. auf der Single „Wenn wir kommen“ begutachten, wo er auch noch durch einen nicen Feature-Part vom Hamburger Rapper Jaill unterstützt wird.

Ungebrochen gute Laune

Trotz des allgemein etwas düstereren Untertons, als auf den letzten beiden Platten, hat Plusmacher seinen Humor und die lockere Attitüde, die er sich zunehmend angeeignet hat, auch hier beibehalten. Songs über die Rap- oder Drogen-Szene werden teilweise in beschwingtere Beats verpackt. Wenn man z.B. hört, wie entspannt Plusi singt, dass sein Encro-Chat gehackt wurde, kriegt man trotz dieser eigentlich kritischen Situation schnell gute Laune. Einige Songs bewegen sich nicht nur sound-technisch, sondern auch inhaltlich weg vom Straßen-Rap. Darauf werden dann Themen wie Liebe und Karriere besprochen, aber auch dort bleibt der Plusmacher bei seinem Lieblingsthema: Dem Kiffen.

Zwanzig Jahre nach Millenium, ihr hängt im Mittelalter rum

"Kiffen ist nicht cool"

Hier wird es besonders interessant, da er sich bereits öfter über die Musik hinaus auch politisch für die Cannabis-Szene engagiert hat. Auf dem Album bringt er eine ironische Persiflage auf die deutsche Drogenpolitik, die er mit einiger inhaltlicher Kritik versieht. Auch wenn ihm die Legalisierung dabei ein wenig zuvorkommt, dürfte das den Macher mit dem Plus nicht weiter stören. Der steht mit seiner Firma nämlich auch für den legalen Verkauf schon in den Startlöchern.

Der coole Kiffer

„Haus im Nebel“ trägt das Hochhaus schon auf seinem Cover und gibt damit den Ton für das Album dahinter an. Die Beats gehen in eine erfrischend harte Richtung und passen sehr schön zu Plusmachers markanten Rap-Stil. Womit die Songs außerdem bestechen, sind eine gesunde Portion Authentizität und Charisma. Man hört sich gerne an, was er erlebt hat, weil er es auf einnehmende Weise erzählt und rüberbringt. Durch die chillige Art braucht sich niemand abgeschreckt fühlen, der:dem harter Rap sonst nicht so liegt und wer diese Art von Musik fühlt, die:der kommt durch die Street-Attitüde plus dem Soundbild bei dem Album sowieso auf ihre:seine Kosten. Mit Plus kann man schließlich auch kein Minus machen.

 

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Bruno Richter
07.12.2021 - 14:56
  Kultur

Plusmacher: Haus im Nebel

Tracklist:

1. Spanische Matte

2. Haus im Nebel *

3. Jeder ihrer Singles

4. Kiffen fürs Image

5. Wenn wir kommen *

6. Plusi auf Wish bestellt

7. Block dein Call

8. Hass plus Schmerz Gewalt *

9. Liebst du mich nur

10. Kiffen ist nicht cool *

11. Encro *

12. ICEMEN

 

* = Anspieltipps der Radaktion

Erscheinungsdatum: 03.12.2021
Hustlebach Records