Frisch Gepresst: La Femme

C'est trés cool

Fünf Jahre nach ihrer letzten Platte haben La Femme nun ihr drittes Studioalbum veröffentlicht. Das beweist: La Femme sind ein bisschen weird – und unglaublich cool.
La Femme
La Femme

Fast pünktlich zu ihrem zehnjährigen Jubiläum haben La Femme ihr drittes Studioalbum veröffentlicht. Die Band wurde 2010 in Biarritz gegründet. Seitdem haben La Femme ihren nicht hundertprozentig definierbaren Sound immer mehr perfektioniert. Müsste man sie zwingend musikalisch einordnen, wären sie vermutlich im Psychedelic-Pop-Surf-Rock mit New-Wave-Einschlägen einzuordnen. Mit anderen Worten: La Femme machen ihr eigenes Ding. 

Obwohl sie musikalisch sehr breit aufgestellt sind, beherrschen La Femme ihren Sound sehr gut. Gerade die Songs mit starken psychedelischen Elementen wie „Cool Colorado“ und „Force & respect“ klingen wie musikgewordener Rauch, der sich um einen windet und einlullt. Gleichzeitig wird man – zumindest in den ersten drei Vierteln des Albums – aber nicht unaufmerksam, weil man trotzdem aufmerksam zuhören will. Denn La Femmes Sound ist sehr vielschichtig. Ob sich nun über den psychedelisch verzerrten Gitarren-Sound fast schon discoartige Bläser-Elemente legen wie in „Cool Colorado“ oder eine Blues-Harmonika aus einem Motown-Ensemble hervorlugt wie in dem Titeltrack „Paradigme“, das Zuhören macht unglaublich viel Spaß. Es ist aber nicht alles nur psychedelisch. La Femme können auch rotzigen New Wave, lasziven Chanson und Western-Style. Die Band erlaubt sich sehr viel. Mal sind sie verspielt, mal ernst, mal völlig absurd oder einfach nur kitschig. Auch textlich spiegelt sich das wieder:

But please whenever give me a visa for your heart
I want the stamps for the magic ride, in the mystery train of love
It’s now or never cause as a foreigner I follow the road of my heart
I follow the road of my heart

La Femme – „Foreigner“

“Paradigmes” hat auch einen relativ hohen Anteil an Spoken-Word-Tracks. Gerade hier lassen sich La Femme sprachlich nicht eingrenzen und präsentieren Texte auf Französisch, Englisch und Spanisch. Das ist nicht weiter überraschend, denn die Songs für das Album entstanden zum Teil auf Roadtrips durch die USA und Spanien. Diese Erfahrungen wollen verarbeitet werden. Aber es ist nicht alles nur Reisen und Drogenkonsum, wie sich das für eine Band wie La Femme gehört. Inhaltlich arbeitet sich die Band an einer Vielzahl von Themen ab. Das reicht von einem klassischen „Scheiß auf alles“-Track („Foutre le bordel“) über Herzschmerz („Tu t’en lasses“) bis hin zu Vampirismus („Le sang de mon prochain“):

Je suce le sang de mon prochain
Je sème la mort et la tempête
Je suis la vengeance et la haine

La Femme – “Le sang de mon prochain“

 

 

Trotz dieser Vielfältigkeit ist „Paradigmes“ ein zusammenhängendes Album. Jederzeit ist klar, dass es sich hier um La Femme handelt. Denn die Band haben ihre Musik zwar klar im Griff, lassen ihr aber Raum sich zu entfalten – manchmal fast schon ein bisschen zu viel Raum. Gerade zum Ende hin hat das Album ein paar Längen, die es nicht haben müsste. Die Beats werden langsamer, die Instrumentalparts langatmiger und langweiliger. Die Rettung ist der letzte Track des Albums, „Tu t’en lasses“, der auch gleichzeitig der längste ist. Denn hier findet sich ein Jazz-Saxophon, das „Paradigmes“ mit einem bittersüßen Gefühl ausklingen lässt. Gleichzeitig ist es repräsentativ für das gesamte Album und vielleicht sogar die Band an sich. Denn dieses Saxophon legt sich mit einer ungezwungenen Coolness in den Song und beansprucht seinen Raum. La Femme tun es mit „Paradigmes“ genauso. Sie fragen nicht, ob sie so lässig sein dürfen. Sie sind es einfach, und liefern damit ein Album ab, das seinesgleichen sucht.

 

 

 

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Charlotte Peters
05.04.2021 - 15:54
  Kultur

La Femme: Paradigmes

Tracklist:

01 – Paradigme
02 – Le sang de mon prochain*
03 – Cool Colorado
04 – Foutre le bordel
05 – Nouvelle-Orléans*
06 – Pasadena
07 – Lâcher de chevaux
08 – Disconnexion*
09 – Foreigner
10 – Force & respect*
11 – Divine créature
12 – Mon ami
13 – Le jardin
14 – Va
15 – Tu t’en lasses*

*Anspieltipps

Erscheinungsdatum: 02.04.2021
Disque Pointu