Barrierefreies Lesen

Buchstaben aus Punkten

Rund 1,2 Millionen Blinde und sehbehinderte Menschen leben in Deutschland. Obwohl sehen für diese Menschen nur eingeschränkt oder gar nicht möglich ist, lesen sie. Wie das genau funktioniert, fragt sich unsere Redakteurin Hannan El Mikdam-Lasslop.
Die Brailleschrift
Die Brailleschrift

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Barrierefreies Lesen - Ein Beitrag von Hannan El Mikdam-Lasslop.
Barrierefreies Lesen: Ein Beitrag von Hannan El Mikdam-Lasslop.

Sabine Seifert ist blind seit sie 19 Jahre alt ist. Lesen tut sie trotzdem und das gut genug, um es auch anderen Menschen beizubringen. Die 47-Jährige arbeitet ehrenamtlich als Punktschriftlehrerin am Deutschen Zentrum für barrierefreies Lesen in Leipzig. Dort zeigt sie Menschen wie man mit den Händen liest. Aus Erfahrung weiß sie, wie schwierig das sein kann:

Ja es ist schwierig es zu erlernen, aber nicht vom Intellekt her. Mit 19 kann man das Alphabet, weiß was ein a, ein b, ein c ist. Das Problem ist das Fühlen der Punkte.

Sabine Seifert

Die Brailleschrift

Denn Punkte gilt es zu ertasten. Die Punktschrift, auch Braille-Schrift genannt ist ein aus Punkten bestehendes Alphabet. Dabei kann ein Buchstabe aus bis zu sechs solcher Punkten bestehen. Diese werden dann auf Papier gedruckt und zwar so, dass sie als kleine Hubbel mit den Fingern spürbar werden. Zurück geht die Braille-Schrift auf den Franzosen Louis Braille, der das Alphabet bereits 1825 entwickelte. Obwohl die Braille-Schrift keine 53 Jahre später im Jahre 1878 zur international verbindlichen Blindenschrift erklärt wurde, ist der Zugang zu Büchern für Blinde und sehbehinderte Menschen in Deutschland noch immer begrenzt.

Ein allgemeiner Büchermangel

Nur ca. 5 % der in Deutschland verlegten Bücher werden barrierefrei zugänglich gemacht, weiß Ronald Krause, Pressesprecher des Deutschen Zentrums für barrierefreies Lesen. Hinzukomme außerdem, dass viele Menschen, die im hohen Alter erblinden gar nicht mehr in der Lage seien die Braille-Schrift zu erlernen.

Diese Problematik kennt auch Sabine Seifert aus ihren Punktschrift-Kursen. Glücklicherweise schafft die Digitalisierung hier Abhilfe: längst gibt es Hörbücher und digitale Vorlesefunktionen. Jedoch immer noch nicht überall.

Per Gesetz barrierefrei

Eine neue Richtline der EU soll das jetzt ändern. Ab 2025 sind Verlage dazu verpflichtet ihre Onlineshops und E-Books barrierefrei zur Verfügung zu stellen. Laut Ronald Krause will das Deutsche Zentrum für barrierefreies Lesen die Verlage bei dieser Umstellung nicht alleine lassen. Deshalb wurde im Oktober 2020 eine Kooperation mit dem Börsenverein des deutschen Buchhandels eingegangen:

Gemeinsam wurde eine Taskforce geschaffen, um die Verlage überhaupt erstmal für das Thema zu sensibilisieren. Es sollen Hilfsmittel entwickelt werden, die die Verlage nutzen können, um die Verpflichtung bis 2025 erfüllen zu können.

Ronald Krause

Eines dieser Hilfsmittel nennt sich "Born Accesible Content Checker" kurz "BACC." Das Onlinetool ermöglicht es Verlagen ihre E-Books auf mögliche Schwachstellen und Hindernisse für Blinde und sehbehinderte Menschen zu prüfen.

Sabine Seifert stimmt das neue Gesetz zuversichtlich: "Das ist eine wirklich gute Sache, denn dann bin ich nicht mehr von dem abhängig was schon da ist und kann wirklich freier entscheiden."

 

 

 

 

 

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