Frisch Gepresst: Die P

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Das Debütalbum der Bonner Rapperin Die P animiert zum Mitnicken und lässt die Blütezeiten des East-Coast-Rap wiederaufleben.
Die P
Rapperin Die P

Niemand kann ihr sagen

Viele mögen sich vielleicht wundern, wenn nach den ersten Takten des Openersongs „Ein Schritt“ Die P‘s Flow einsetzt. Wider erwarten erklingt da eine Frauenstimme, die mit offensiver Attitüde von Chancenlosigkeit und Hood-Politics aus ihrer Heimatstadt Bonn erzählt. 

„‘Ne Kunst zu überleben, wenn das Viertel dich erdrückt,
Ein Schritt nach vorn, aber zwei Schritte zurück.
Über Wasser halten, Scheine machen hier viele verrückt,
Jeder will vom Kuchen nur ein Stück.“

Die P auf „Ein Schritt“

Doch genau diesem Gedankenautomatismus, dass der deutsche Boombap-Rap zu großen Teilen immer noch mit männlichen Flows assoziiert wird, will die Rapperin entgegenwirken. Das Erfrischende ist, dass Die P ihre Position als Frau im Deutschrap gar nicht mehr infrage stellt, sondern sich stattdessen einfach den Platz nimmt, an dem sie sich zuhause fühlt: Im Kopfnicker-Rap. Dabei hat sie glücklicherweise reichlich Support vom All-Female-Label 365XX, bei dem sie seit letztem Jahr gesignt ist.       

Started from the bottom…

In ihren frühen Teenagerjahren hatte Die P den Schlüsselmoment, der wohl so manchen jungen Rap-Kids widerfährt: Sie sieht das legendäre Eminem-Biopic „8 Mile“ und entwickelt den Traum, selbst zu rappen. Wo dann jedoch viele scheitern, nämlich an der Umsetzung, macht Die P weiter und belegt bei einem Battle-Rap Contest den 3. Platz. Seitdem ist die Bühne ihr Safe-Space, denn sie hat ihre Live-Performances in den letzten Jahren auch ohne die öffentliche Aufmerksamkeit im Rap-Untergrund etabliert.
Ihre musikalischen Referenzen nimmt sie also auch genau aus diesem Background und huldigt dabei das Rap-Amerika der 90er Jahre. Statt im zeitgenössischen Trap-Strom mitzuschwimmen oder ihre Stimme in Cloudrap-Manier in bizarre Höhen und Tiefen zu verzerren, zieht sie ihr klassisches Konzept das ganze Album über durch. Die zwei Grundbausteine dabei: Ein scharfer, klarer Flow und schlichte Beats, die so oder so ähnlich auch in jeder Oldschool-Rap-Playlist aus den 90er- und frühen 2000er-Jahren zu finden sind. Der Song „Standard“ erinnert durch eine gehörige Portion R’n’B Vocals an große weibliche MCs vergangener Tage, wie Lauryn Hill, und auch der Verweis zu Queen Latifahs legendärem „U.N.I.T.Y.“ im Refrain von „Hood 53“ war sicherlich kein Zufall.

Ohne Umschweife

Auch inhaltlich macht Die P keine Experimente und greift in ihren klaren und unverblümten Lyrics klassische Rap-Narrative auf. Einerseits rep- räsentiert sie die Stimme von unten, von den Straßen Bonns, in denen sie zuhause ist. Auf der anderen Seite betont sie ihren eigenen Weg und die Idee, es auch aus seinem Loch heraus schaffen zu können, wenn man sich hart genug dafür ins Zeug legt und bestärkt ihr Publikum, dabei nicht den Mut zu verlieren.

„Egal, wie oft du fällst, du versuchst es immer wieder,
Hältst an deinen Zielen fest wie ein fetter Karabiner,
Jeden Tag wird Gas gegeben Schweinehund bеsiegt,
Was zu schaffen, Papa stolz zu machen, Tеil deines Antriebes“

Die P auf „Standard“

Fazit

Mit 3,14 ist Die P ein Debüt gelungen, was durch seinen simplen, vertrauten Sound einen immergrünen Charakter gewinnt. Die Produktion klingt teilweise sehr raw, reiht sich aber so perfekt in seine Referenzmodelle aus den vergangenen Jahrzehnten ein. An manchen Stellen sucht man nach poetischer Komplexität, doch das ist möglicherweise auch nicht der Anspruch der Rapperin. Die P‘s Message ist sehr klar formuliert, sie will Marginalisierte Ermutigen, Missstände ansprechen und sich in ihrem Tatendrang von niemandem aus dem Konzept bringen lassen.

 

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Nelly Brändle
23.03.2021 - 19:04
  Kultur

Die P : 3,14

Tracklist:
  1.  Ein Schritt*
  2.  Genug
  3.  Neuer Tag
  4.  Niemand kann mir sagen
  5.  Standard*
  6.  Nie mein Stil*
  7.  Viertel
  8.  Ganjaman
  9.  Hood 53*
  10.  Das Leben ist dieP*
  11.  Mailbox

*Anspieltipps

Erscheinungsdatum: 19.03.2021
365 XX