Frisch Gepresst: Kenny Mason

Auf eigenen Füßen stehen?

Kenny Masons zweites Album „Angelic Hoodrat: Supercut“ ist bei weitem kein Meisterwerk, macht aber das immense Potenzial des Rappers deutlich.
Album der Woche, Kenny Mason
Kenny Mason

Ein bisschen chaotisch und unstrukturiert: So klang „Angelic Hoodrat“, Kenny Masons Debütalbum. Mason vermischte Rap, R&B und leichte Rock-Elemente zu einem großen, schwammigen Etwas – so richtig schlau wurde man daraus aber nicht. Keine musikalische Linie, textlich bemüht, aber unspektakulär. Da gaben die Vorabsingles zur neuen Platte schon mehr Grund zur Hoffnung: „Pup“ etwa als ein psychedelisches Rock-Trap-Epos. Oder „Rih“ mit seiner spacigen Hook. Es schien so, als hätte Mason seinen Sound gefunden. Aber: Genauso wie es der Titel „Angelic Hoodrat: Supercut“ vermuten lässt, ist die neue Platte ein logischer Nachfolger des Debüts, denn es leidet an den gleichen Inkonsequenzen und Schwächen.

Die Vorbilder

Die Platte versucht sich gar nicht erst an einem einheitlichen musikalischen Profil, sondern schmeißt alles zusammen, was eben so im Studio produziert wurde. Das ist zwar einerseits charmant und zeitgemäß, andererseits neigt Mason dazu, sich zu stark an anderen Einflüssen zu orientieren – oftmals mit den passenden Featuregästen. Auf „Much Money“ etwa rappt Mason über ein souliges Sample, das an Freddie Gibbs erinnert. Und tatsächlich taucht der dann auch auf, outperformt Mason aber gnadenlos – Heimspiel eben. Dasselbe gilt für den Song „A+“, auf welchem Mason sich sich den hektischen Flow von Featuregast Denzel Curry abschaut. Und während „Rih“ zwar musikalisch überzeugt, gibt Mason in den Strophen seine akkurateste J.I.D-Impression zum Besten.

Die Stärken

Das heißt aber nicht, dass die Platte ein Reinfall ist, denn einige der Songs zeigen das riesige Potenzial Kenny Masons – vor allem, wenn es um die Produktion und Beats geht. Die bereits erwähnte Single „Pup“ wartet nicht nur mit den eingängigsten und besten Flows des Albums auf, sondern auch mit einem großen, psychedelischen Finale inklusive eines Outros, auf das sogar Mike Dean und Travis Scott stolz wären. „Titan“, der längste Song der Platte, leidet zwar unter einer fahrigen Songstruktur, hat dafür aber einen der Überraschungsmomente auf seiner Seite mit den im Refrain einsetzenden, schweren Stadiondrums.

Der 50/50-Joker

Eine weitere Parallele zum Vorgängeralbum: der raue Mix und die ab und an amateurhaft aufgenommen klingenden Vocals. Und wie schon beim Debüt ist es eine 50/50-Chance, ob das dem Song schadet oder hilft. Die charakteristischen, flachen Gitarrenriffs auf zahlreichen Songs (siehe „Pup“, „Play Ball“) werden Rockmusik- und Gitarrenfetischisten wohl in den Wahnsinn treiben – für Masons Zwecke funktionieren die aber erstaunlich gut. Ähnliches gilt für die Vocals auf „Titan“, die zwar wie eine Sprachnachricht klingen, dadurch aber erst die Intimität und Emotionalität des Textes vermitteln. Gegenbeispiele: Die trommelfellaufschlitzenden Hi-Hats in „Partments“, die wirklich einen zweiten Mix gebraucht hätten, oder der seltsame Stimmeffekt auf „Breathe Again“, der vom persönlichen Inhalt des Songs nur ablenkt. 

Quo vadis, Kenny Mason?

„Angelic Hoodrat: Supercut“ ist auch deswegen ein zerklüftetes, inkonstantes Album. Aber obwohl es die Schwächen des Debüts nicht wirklich ausbügelt, hat es genug Highlights zu bieten: das grobe und aggressive „Rih“, der A$AP-Mob-Gedächtnistrack „Fasho“ oder eben das exzellente „Pup“. Findet Kenny Mason mehr Konstanz und Alleinstellungsmerkmal in seinen Vocals als auch den Beats, stehen ihm alle Türen offen. Der Hunger ist auf jeden Fall da – jetzt muss er den nur noch in ein richtig gutes Album umwandeln.

 

 

 

 

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Scott Heinrichs
20.04.2021 - 19:02
  Kultur

Kenny Mason : Angelic Hoodrat: Supercut

Tracklist:

1. "43"

2. "Rih"*

3. "A+"*

4. "Fasho"*

5. "Much Money"

6. "Play Ball"

7. "Pup"*

8. "Titan"*

9. "Breathe Again"

10. "Partments"

11."4ever"

12. "Storm"

Anspieltipps*