Frisch Gepresst: DMX

Am Ende bleibt das Wort

Knapp zwei Monate sind vergangen seit Rapper DMX verstorben ist. Nun ist sein Album „Exodus“ post mortem erschienen – eine Platte, die bis oben hin mit Talent gefüllt ist.
Rapper DMX
Rapper DMX

Das Leben von Earl Simmons, aka DMX, endete am 9. April diesen Jahres. Nach einem Herzinfarkt lag der 50 – Jährige Rapper eine Woche im Krankenhaus, bis er letzten Endes verstarb. Für viele ein tragisches Ereignis, denn DMX zählte wohl ohne Zweifel zu den größten Rap-Legenden Amerikas. Mit so bekannten Tracks wie „Party Up (Up In Here)“ oder „X Gon’ Give It To You“ dürfte er eigentlich niemandem ein Unbekannter sein.

Doch die letzten Jahre wurde es ruhig um DMX – zumindest musikalisch. Sein letztes richtiges Album veröffentlichte er 2012. Umso mehr drängt sich einem nun die Vermutung auf, dass „Exodus“ ein klassisches postumes Album ist, bei dem einfach nur Leute ihren Profit aus dem Tod eines bekannten Künstlers ziehen möchten. Tatsächlich ist das hier aber nicht der Fall. Swiss Beats, der Producer des neuen Albums erzählt in einem Interview mit dem Rolling Stone, dass die beiden eigentlich schon seit 2019 an dem Projekt saßen. Auf „Exodus“ sind also keine neu aufgelegten, geremixten Versionen von alten Hits zu finden, sondern nur neue Songs.

Eine große Party mit den Boys (& Girls)

So wirkt das Ganze ein bisschen. Es gibt kaum einen Song, auf dem DMX alleine zu hören ist. Auf jedem Track ist mindestens ein Featuregast zu hören. Dabei gibt es teilweise überraschende und teilweise weniger überraschende Stimmen zu hören. 

So ist der Opening-Track direkt mit seinen Homies von The Lox, die auf keinem Album von DMX fehlen dürfen. Genau das gibt ein bisschen den grundsätzlichen Vibe vom Album wieder. Man hat das Gefühl, dass hinter jedem Song in erster Linie Spaß am Schreiben steckt und weniger kommerzieller Erfolg. 

Ein überraschendes Feature ist zum Beispiel Jay-Z auf dem Song „Bath Salts“. Denn die Beziehung der beiden Rapper war, nach einem Beef in den 90ern, längere Zeit nicht so gut. Doch zum Glück haben sich die zwei auf ihre alten Jahre wieder vertragen, sonst wäre nie wieder ein Song mit den Größen Jay-Z, DMX und Nas raus gekommen. 

Doch die überraschendste Stimme, die zu hören ist, ist wohl die von U2-Sänger Bono. Hier allerdings weniger positiv überraschend, denn der Song „Skyscryper“ passt eigentlich als Einziger nicht wirklich zum restlichen Album. Ob damit wohl vielleicht doch eine kommerziell erfolgreiche Single erhofft wurde? Denn nicht nur die Stimme von Bono, sondern das ganze Songkonzept klingt ganz verdächtig nach der klassischen Rapper + Kitschsänger – Kombo (wir erinnern uns zum Beispiel an Eminem + Ed Sheeran).  

Glücklicherweise sticht in negativer Weise wirklich nur „Skyscraper“ raus, alle anderen Songs klingen nach dem klassischen, melancholisch-aggressiven East-Coast Rap, den man so im Jahr 2021 erwarten würde.

Eine kratzende Stimme erzählt persönliche Themen

Das Album überzeugt nicht nur durch eine Starbesetzung, sondern vor allem dadurch, dass DMX sehr tiefe Einblicke in sein Leben gibt. Besonders eindrücklich gelingt ihm das auf dem Song "Hold Me Down". Hier kommt auch ganz klar rüber, dass es Simmons nicht unbedingt gut ging zu dem Zeitpunkt. So findet er sich zwischen Tiefschlägen und Zurückweisung, um dann wieder aufzustehen und weiter zu kämpfen. Besonders durch die markante, kratzige Stimme von DMX klingen die Zeilen noch verzweifelter:

"Everyday it gets darker (Rrr), the road gets longer (Rrr)
My body gets weaker (Rrr), my faith gets stronger (Rrr)
The Devil's working on me hard, because God loves me (Yeah)"

DMX auf "Hold Me Down"

Ein weiterer, sehr berührender Moment auf "Exodus" ist der Gastauftritt seines kleinen Sohnes Exodus Simmons - eine der Inspirationen für den Albumtitel - auf dem Track "Walking In The Rain". Sein Sohn war bei den Aufnahmen mit im Studio und von der Melodie der Hook so begeistert, dass er direkt mitgesungen hat und somit auf dem Album gelandet ist.

Ein würdevoller Abschied

"Exodus" ist eine sehr authentische, postume Platte, die im Gegensatz zu vielen anderen eben nicht auf kommerziellen Erfolg aus ist. Dadurch bleibt das Album ehrlich und ein würdevolles, letztes Projekt. Vor allem für Fans dürfte "Exodus" nochmal ein Highlight sein, besonders weil musikalisch ja lange nichts von DMX kam. 

“Exodus” - trotz traurigen Umständen, eine fast schon hoffnungsvolle Platte, untermalt mit klassischen East-Coast Vibes.

 

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Emma Dressel
02.06.2021 - 17:15
  Kultur

DMX: Exodus

Tracklist:
  1.  That's My Dog *
  2.  Bath Salts *
  3.  Dog's Out
  4.  Money Money Money
  5.  Hold Me Down *
  6.  Skyscrapers
  7.  Stick Up Skit
  8.  Hood Blues *
  9.  Take Control
  10.  Walking In The Rain *
  11.  Exodus Skit
  12.  Letter To My Son (Call Your Father)
  13.  Prayer

* Anspieltipps

Erscheinungsdatum: 28.05.2021
Def Jam Recordings