Porträt

AfD-Direktkandidat Siegbert Droese

Der Wahlkreis Leipzig-Süd gilt eigentlich als Hochburg der Linken. Siegbert Droese, der Direktkandidat der AfD, rechnet sich trotzdem gute Chancen aus. Die Themen, auf die er dabei setzt: Migration, EU-Austritt, Innere Sicherheit.
Siegbert Droese, Direktkandidat der AfD

Auf einer vorwiegend schwarzen Deutschlandkarte entdeckt man mit etwas Mühe fünf pinke Kleckse: Die Direktmandate der Linken in der letzten Wahlperiode. Eines dieser Direktmandate ist der Wahlkreis 153, besser bekannt als Leipzig-Süd.

Diesen Wahlkreis will Siegbert Droese von der AfD den Linken nun streitig machen. Obwohl Leipzig-Süd nicht gerade als leichtes Pflaster für die AfD gilt, ist er zuversichtlich: 

Ich bin ja geborener Leipziger und der Süden ist deutlich größer als vielleicht sein Ruf, weil ja vieles auf Connewitz kapriziert wird. Wir haben sehr viele Randgemeinden, wo wir eh schon stark sind, wo doch ein gewisses bürgerliches Milieu noch vorherrscht, wo Menschen von Arbeit leben, weniger von sozialem Bezug. Das ist im Prinzip ja unsere Wählerschicht und daher glaube ich, dass wir auch diese Wählerschicht vertreten, und in Berlin möchte ich die auch vertreten.

Siegbert Droese

Droese gibt sich selbstbewusst – dabei ist er in der Politik gewissermaßen noch Frischling. Bis zu seinem Eintritt in die AfD vor acht Jahren bezeichnet Droese sich selbst als unpolitisch. Der 52-Jährige wurde in Leipzig geboren, wo er nach dem Schulabschluss eine Ausbildung zum Restaurantfachmann anfing. 1989 floh er über die offene Grenze Ungarns aus der DDR in den Westen. In Hamburg machte er dann eine Ausbildung zum Hotelkaufmann. 1991 kehrte er nach Leipzig zurück und arbeitete bis 2017 im Gaststättengewerbe. Zwischenzeitlich führte er sogar selbst ein Restaurant in der Innenstadt, was aber 2014 schließen musste. Ein Verfahren wegen Privatinsolvenz läuft noch.

Schneller Aufstieg innerhalb der AfD

Mit dem Eintritt in die AfD 2013 stieg er schnell auf. 2015 wurde er zum Kreisvorsitzenden der AfD Leipzig gewählt, 2016 außerdem zum stellvertretenden Landesvorsitzenden der AfD Sachsen. Eine Kandidatur zum Landesvorsitzenden zog er überraschend zurück. Seit 2017 ist er Direktkandidat der AfD in Leipzig-Süd und belegt den dritten Platz der Landesliste. Bei der letzten Wahl 2017 hatte es mit 15% nicht ganz für ein Direktmandat gereicht, er konnte jedoch über die Landesliste in den Bundestag einziehen.

Innerhalb der AfD wurde Droese dem mittlerweile offiziell aufgelösten „Flügel“ zugeordnet, einer Gruppierung, die vom Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft wurde. 2018 taucht auf Facebook zudem ein Foto von Droese auf, auf dem er mit Hand auf dem Herzen und abgenommener Mütze vor dem ehemaligem Führerhauptquartier Wolfsschanze posiert. Er bezeichnet sich aber - wenig überraschend - nicht als rechtsextrem: „Das möchte ich weit von mir weisen, ich bin national-liberal und der Flügel – wie Sie schon richtig sagten - ist ja aufgelöst.“

Herzensthema: Europapolitik

Droese ist Mitglied des Europaausschusses des Deutschen Bundestags. Die Europapolitik ist gewissermaßen sein Herzensthema. Er wünscht sich aber kein weiteres Zusammenwachsen der EU, sondern fordert wirtschaftliche Zusammenarbeit bei gleichzeitiger nationaler Souveränität. Innerhalb der heutigen EU sei das aber kaum möglich. Droese stellt fest: „So wie die Europäische Union sich heute entwickelt ist sie zutiefst reformbedürftig.“ Da diese Reformen aber vermutlich nicht durchzusetzen seien, fordert er als letztes Mittel einen Austritt aus der EU.

Außerdem fordert Droese eine strengere Einwanderungspolitik. Auf seiner Website schreibt er, man müsse “die souveräne Hoheit über die eigene Migrationspolitik” wiedergewinnen und dürfe sich nicht “von einer multikulturellen Illusion und Utopie blenden lassen.“ Dafür brauche es seiner Meinung nach strengere Grenzkontrollen und Abschiebungen. Asyl soll nur in Ausnahmefällen gewährt werden.

Zweifel am Klimawandel

In Klimafragen ist seine Linie uneindeutig. Im Gegensatz zu weiten Teilen der AfD leugnet Droese zwar nicht, dass der Mensch einen Einfluss auf das Weltklima nimmt. Er bezweifelt aber – im Widerspruch zum breiten wissenschaftlichen Konsens -, dass die modernen Klimaveränderungen größtenteils menschengemacht sind. „Es wird suggeriert, dass das Klima im Wesentlichen vom Menschen beeinflusst wird, und das halte ich für Unfug“, erklärt Droese.

Daher laute seine wichtigste Forderung, die er nach Berlin mitnehmen möchte:

Für uns ist ganz wichtig, dass wir die kleinen Einkommen entlasten und wofür ich mich wirklich sehr stark mache in Berlin die nächsten Jahre, dass wir die EEG-Umlage wieder abschaffen, ersatzlos, und dass, ganz wichtig, weil es auch die kleinen Einkommen bevorzugt trifft, dass die CO2-Steuer auch ersatzlos gestrichen wird.

Siegbert Droese

Das Porträt zum Nachhören:

AfD - Direktkandidat Siegbert Droese im Porträt.
2609 Porträt Droese

Das gesamte Interview mit Siegbert Droese zum Nachhören:

Redakteurin Viktoria Rauchhaus im Interview mit AfD - Direktkandidat Siegbert Droese
2609 IV Siegbert Droese
 

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