Literatur

Zwitschernder Roman

Inspiriert vom Internetdienst Twitter hat Jennifer Egan einen Roman geschrieben, die einzelnen Absätze nie länger als 140 Zeichen. Ganz konsequent wurde der Roman dann auch zuerst über Twitter veröffentlicht.
Das Vögelchen zwitschert Krimis.

Vom Internet inspiriert...

Erste Erfolge konnte Jennifer Egan mit Kurzgeschichten verzeichnen, mit ihrem zweiten Roman gewann sie den Pulitzer Preis. Der Roman "Black Box" ist keine Kurzgeschichte, sondern ein Roman. Doch die selbstauferlegte Beschränkung auf 140 Zeichen zwingt Egan regelrecht zu aphoristischer Dichte. In einzelnen Tweets versucht die amerikanische Autorin die ganze Stimmung einzufangen und Wahrheiten zu vermitteln, die über die Handlung hinausgehen. Die findet mehr zwischen den einzelnen Tweets statt: Es erinnert an klassische Agentenfilme, wenn eine Frau, die nur als Schönheit bezeichnet wird, Terroristen Informationen klauen soll. Dabei ist sie ausgestattet mit der neuesten Technik, wie es aus Blockbustern bekannt ist. Die Agentin bleibt damit auch im Fall ihres Todes bedeutsam, denn ihr Körper speichert alle Informationen, so wird sie selbst zu Black Box.

... und trotzdem gedruckt

Auch das Buch ist eine Art Black Box. Es verwundert ein wenig, warum ein Buch, dessen Stärke die Veröffentlichung via Twitter ist, unbedingt noch gedruckt werden sollte. Aber natürlich lässt es sich so besser lesen (und vermarkten). Außerdem war es sowieso nicht sehr nah an dem, was das Internet ausmacht. Es gibt kein labyrinthisches Lesen, wie man es vor allem bei Online-Zeitungen erlebt, die so viele Links in ihre Artikel setzen, dass man eigentlich gar keinen richtig zu Ende lesen kann. Aber dennoch besitzt das Buch die Stärke, die die "Twiteratur" ausmacht: Die Kürze zwingt fast zu einer lyrischen Verknappung. Während der Leser dann die ganze Zeit von dem Buch angesprochen wird, stellt er vielleicht auch fest, dass er der Protagonistin gar nicht so unähnlich ist. Er ist selber schon ein technoides Wesen, das sich ständig mit elektrischen Geräten verbindet und sich schon zu 50 Prozent in das Internet hochgeladen hat.

 

 

 

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Thilo Körting
05.02.2014 - 01:47
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