Frisch Gepresst: Mavi Phoenix

Zwischen Kindheit und Zukunft

Mit "Boys Toys" veröffentlicht Mavi Phoenix nicht nur ein gelungenes Debüt-Album, sondern auch ein persönliches Statement über sein Outing als Transgender.
Mavi Phoenix - Boys Toys
Mavi Phoenix - Boys Toys

Mavi Phoenix war Vielen bisher vor allem als österreichische Rapperin bekannt, die sich mit ihrer Musik irgendwo zwischen HipHop, Pop und Rap bewegt. Im Sommer 2019 outete sich Mavi dann mit dem Video zu seiner Single "Bullet in my Heart" als Transgender. Seitdem lebt er offen als Mann. Auf seinem Debüt-Album "Boys Toys" erzählt er nun sehr persönlich seine eigene Coming-of-Age Story und blickt in die Zukunft.

Passend unpassend 

Schon die ersten beiden Tracks der Platte geben eine klare Richtung für "Boys Toys" vor. Auf dem Titeltrack erzählt Mavi Phoenix, dass das Coming-Out ihn auf einmal zu einer Art Sensation in der Hip-Hop Szene gemacht hat. Der Opener des Albums macht deutlich: Mavi kann und will zwar nicht mehr die ihm bisher zugeteilte Rolle im Showbusiness spielen, bleibt der Musik aber treu. Denn er hat seine eigene Identität gefunden und damit reflektiert seine Musik ihn jetzt auch besser als je zuvor.   

Holla holla at me in my newest fit
Don't fit in the biz but I stick to it
So hola, hola, hola, I’m your new misfit
The whole scene now wants me to babysit

Mavi Phoenix in "Boys Toys"

Er stellt zum ersten Mal "Boys Toys" vor -  so benennt Mavi nicht nur das Album, sondern auch sein Alter Ego. Er als kleiner Junge, der mit hochgepitchter Stimme immer wieder mit kleinen Nachrichten auf der Platte auftaucht.

Im zweiten Titel "12 Inches" gibt Mavi den HörerInnen einen tiefen Einblick in seine Gefühlswelt als Trans-Mann. Der Song ist so persönlich, dass beim Hören fast schon das Gefühl aufkommen kann, man würde zu sehr in seine Privatsphäre eindringen. Er spricht über das Unverständnis seiner Eltern nach dem Outing, Neid gegenüber CIS-Männern und den Wunsch, einfach als ganz normaler Typ gesehen zu werden.

I'm just being jealous of every guy I meet
He might be ugly but he a dude at least

Mavi Phoenix in "12 Inches"

Laut, aber in sich gekehrt 

Einen klaren Bruch macht der vierte Titel "Scary Thoughts". Darin breitet Mavi bzw. "Boys Toys" seine tiefsten Gefühle aus - gesprochen, hochgepitcht und begleitet von minimaler Instrumentalisierung. Obwohl er in der Musik oft laut wird, ist er eigentlich eher ein ruhiger Typ, der sich oft einsam fühlt, erzählt er.

Most of the time I feel alone.​ Like people may see me as like this outgoing person that’s loud and stuff. But actually I’m, I'm really, uh, in my head most of the time, uh.

Mavi Phoenix in "Scary Thoughts"

Diese Gedanken geben dem nächsten Titel auf einmal einen ganz anderen Unterton. Mit "Choose Your Fighter" folgt nämlich der lauteste, aufgeregteste Track des Albums.

Generell strotzt "Boys Toys" nur so vor Energie, auch wenn Tempi und Stil der Songs dabei sehr unterschiedlich ausfallen. Während "12 Inches" neben den Lyrics vor allem von Mavi’s starkem Rap lebt, sind Songs wie "Player" oder "Fck it Up" eingängige Autotune-lastige Titel. Zwischendurch inkorporiert er immer mal wieder Trap-Beats oder wird auch etwas ruhiger. Als eher unerwartetes Highlight taucht am Ende von "Strawberries" ein Saxophon auf.  

Nur ein ganz normaler Typ 

Obwohl Mavi in seinem Kopf schon seit seiner Kindheit männlich ist, hat er den Großteil seines bisherigen Lebens als Frau erlebt. Deshalb hat er "Boys Toys" erschaffen, die hohe Stimme des kleinen Mavi, der die Kindheit jetzt als Junge erlebt und immer wieder in einer Art Kommentatorenfunktion auftaucht.

Just because my voice is high, doesn’t mean I’m not a guy

Mavi Phoenix in  "Strawberries"

Auch der Wunsch einfach ein ganz normaler Typ zu sein, rückt immer wieder in den Vordergrund. Ohne den Druck der Öffentlichkeit, nicht als Trans-männlich gesehen zu werden, sondern einfach nur als Mann. "I am sweet, I am fly - Just an Average Guy" rappt Mavi fast mantraartig in "12 Inches".

In der zweiten Hälfte des Albums schaut Mavi vor allem in die Zukunft - hoffnungsvoll. Er drückt seinen Wunsch nach Familie aus, und das Wissen, dass diese Zukunft glücklich wird, auch wenn keine leiblichen Kinder darin vorkommen können.

And I can’t make you pregnant
But I can make you happy
And you can make me joyful
You can’t make me a daddy

Mavi Phoenix in "Family"

So wie das Album begonnen hat, hört es dann auch auf – mit einer Nachricht von "Boys Toys". Er würde sich besser fühlen, jetzt wo das alles gesagt ist. Und so endet Mavi Phoenix‘ Debütalbum auf einer hoffnungsvollen Note.

Fazit 

"Boys Toys" fühlt sich vor allem wie ein Befreiungsschlag an. Das Album ist ein gelungenes Debüt mit eingängigen Songs, die den tief persönlichen Inhalt passend untermalen. Dass  Mavi’s Stimmverzerrung an einigen Stellen anstrengend wirkt oder einige Töne nicht getroffen werden, ist da schnell verziehen.  

Musikalisch hebt sich das Debütalbum von früheren Werken des Österreichers ab und spiegelt damit die Veränderungen in seinem Leben. Mit "Boys Toys" liefert Mavi Phoenix aber vor allem eins:  Ein Konzeptalbum über die eigene Identität, das das Potential hat, viele Menschen durch schwierige Zeiten zu begleiten.

 

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Mavi Phoenix: Boys Toys

Tracklist:
  1. Boys Toys 
  2. 12 Inches*
  3. Weekend
  4. Scary Thoughts
  5. Choose Your Fighter 
  6. Bullet in My Heart 
  7. Player*
  8. Strawberries*
  9. Fck It Up 
  10. Family* 
  11. Post Summer 
  12. Who I Am

*Anspieltipps

Erscheinungsdatum: 03.04.2020
LLT Records