Das lange Interview mit Karamba Diaby

Zwischen Halle und Berlin

Der Bundestagsabgeordnete aus Halle sprach mit M19 unter anderem über sein Faible für Kleingärten, das Image seiner Stadt und den aktuellen Gesetzesentwurf der SPD zum Thema Einwanderung.
Marc Zimmer, Karamba Diaby
mephisto 97.6-Moderator Marc Zimmer und Bundestagsabgeordneter Karamba Diaby (SPD)

Biographie

Karamba Diaby wurde 1961 im senegalesischen Marsassoum geboren. Im Jahr 1985 kam er durch ein Stipendium nach Deutschland und lebt seitdem in Halle. Er promovierte zu dem Thema Schwermetall- und Nährstoffhaushalt in Hallenser Kleingärten. Sowohl in Dakar als auch in Halle war Karamba Diaby hochschulpolitisch aktiv, später wurde er im Ausländerbeirat gewählter Vertreter der Migranten in Halle. 2008 trat er dann der SPD bei und wurde 2009 in den Stadtrat von Halle gewählt, bevor er 2013 in den Deutschen Bundestag einzog. Seine politischen Themen sind Aufstieg durch Bildung, Menschenrechte und der Einsatz für Demokratie.

„Der erste Schwarze im Bundestag“

Sein Einzug in den Bundestag wurde medial ausführlich begleitet – auch von internationalen Medien wie der New York Times, erzählt Karamba Diaby. Der Aufhänger war dabei oft „der erste Schwarze im Bundestag“ – auch wenn das faktisch gar nicht unbedingt stimmt: im selben Jahr wurde beispielsweise auch Charles M. Huber Abgeordneter, und bereits Jahrzehnte zuvor zog der erste in Afrika geborene Abgeordnete Hans-Günther Toetemeyer in den Bundestag ein. Dass dieser Aufhänger in Deutschland im Jahr 2013 noch so eine Resonanz hervorrief, überraschte den Politiker. Auf die Frage, ob seine Arbeit durch die öffentliche Aufmerksamkeit auf diesen Aspekt reduziert würde, spricht er von einem "Geben und Nehmen". Denn die mediale Begleitung habe auch seine Vorteile – für ihn als Politiker, aber auch für seine Stadt.

Diejenigen, die mich ansprechen, die reduzieren das natürlich auf das Aussehen: Das ist eine Sensation. Ich selber nutze das, um meine Botschaften loszuwerden.

Karamba Diaby

Einwanderungs-, Asyl- und Integrationspolitik

... dies sind Begriffe, die in der öffentlichen Debatte schnell in einen Topf geworfen werden. Die SPD-Fraktion setzt sich aktuell für ein neues Einwanderungsgesetz ein. Dabei soll ein Punktesystem – ähnlich dem Kanadischen – eingesetzt werden. Faktoren für dieses Punktesystem, bezogen auf die Bewerber, sind etwa Sprachkenntnisse, Alter, Berufsangebote und Integrationsfähigkeit (beispielsweise vorherige Aufenthalte in Deutschland und soziale Kontakte wie Familienmitglieder vor Ort). Dabei solle keine Konkurrenz im inländischen Arbeitsmarkt hervorgerufen, sondern branchenspezifischer Fachkräftemangel behoben werden, so Diaby. Dazu wird jährlich neu festgelegt, wie viele Menschen über die durch das Einwanderungsgesetz angelegte Bewerberliste nach Deutschland einwandern können. Dieser Prozess hat dabei nichts mit Asylrecht zu tun und ist davon auch klar getrennt. Auch in diesem Bereich – speziell für die Integration von Geflüchteten und Zugewanderten – ist Karamba Diaby aber über seinen Zuständigkeitsbereich Bildung aktiv.

Weltoffenes Halle?

Diese Bezeichnung entspricht nicht unbedingt dem Image, welches viele Menschen von der Stadt in Sachsen-Anhalt haben. Tatsächlich durfte dort aber beispielsweise die erste Frau in Deutschland promovieren, worauf Karamba Diaby im Interview verweist. In seinem Buch spricht er von einem "grotesk überzeichneten Bild vom Rechtsextremismus in Ostdeutschland" in der gesellschaftlichen Wahrnehmung. Nun erinnern Schlagworte wie Pegida, Bautzen und Heidenau aber auch an andere Facetten der ostdeutschen Gesellschaft. Der Politiker selbst bekommt Hassnachrichten in sozialen Medien. Trotzdem setzt er sich für den Dialog ein und findet es falsch, eine Region vorzuverurteilen.

Die Leute, die alles unter Generalverdacht stellen, die lösen auch das Problem nicht. Weil wenn ich dann sage: "die Leute sind alle Rassisten", dann kann ich mit denen gar nicht reden. Das tue ich nicht.

Karamba Diaby

Mehr zu diesem Thema und was Karamba Diaby bis heute am Kleingartenwesen fasziniert, hören Sie hier im Interview in voller Länge:

mephisto 97.6-Moderator Marc Zimmer im langen Interview mit dem Bundestagsabgeordneten Karamba Diaby

Redaktion:

Paul Materne, Pia Siemer, Kaja Weber

mephisto 97.6-Moderator Marc Zimmer im langen Interview mit dem Bundestagsabgeordneten Karamba Diaby

 

 

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Kaja Weber
24.11.2016 - 12:28

Dieses Jahr veröffentlichte Karamba Diaby ein Buch über seinen Lebensweg und politischen Werdegang. Mit Karamba in den Bundestag – Mein Weg vom Senegal ins deutsche Parlament ist im Oktober im Verlag Hoffmann und Campe erschienen.