Neue Ausstellung in Leipzig

Zwangsarbeit im Nationalsozialismus

Leipziger Geschichte – das bedeutet Buchdruck, Völkerschlacht und Wiedervereinigung. Einem anderen, dunkleren Teil der Stadthistorie gedenkt die neue Ausstellung „Im Provisorium“ in der Leipziger Gedenkstätte für Zwangsarbeit.
Werksausweis eines niederländischen Zwangsarbeiters der HASAG
Werksausweis eines niederländischen Zwangsarbeiters der HASAG

Seit dem 12. November ist die Interimsausstellung in Leipzig-Schönefeld interessierten Besuchern zugänglich. Allgemein behandelt sie die systemische Zwangsarbeit im Nationalsozialismus. Konkret liegt der Standort Leipzig als Hauptsitz der Hugo Schneider AG (HASAG) im Fokus der Ausstellung. Die HASAG war einer der größten Rüstungskonzerne Deutschlands während der NS-Zeit und beschäftigte mehr als 10.000 Zwangsarbeiter. Diese wurden in eigenen Zwangsarbeiterlagern untergebracht, die wie der Konzern selbst von der SS verwaltet wurden.

Neuer Forschungsstand

Die insgesamt nur ca. 60 m² kleine Gedenkstätte, die sich auf dem ehemaligen Gelände des Rüstungskonzerns befindet, berichtet anhand verschiedener neuer Ausstellungsstücke von den Machenschaften des Konzerns. Neben einigen Informationstafeln finden sich Fotos, Karten und Produktionsgüter in der Ausstellung, sowie das Rohr einer Panzerfaust, deren Herstellung allein der HASAG oblag. Auf der neuen digitalen Vertiefungsebene soll die Perspektive der Opfer gegenüber den eher allgemeinen Informationen zu den Strukturen der Zwangsarbeit dargestellt werden. Das Kernstück der Ausstellung stellt ein aufbereitetes Fotoalbum eines niederländischen Zwangsarbeiters aus der damaligen Zeit da. Neben eigenen Aufnahmen sind auch Fotos zu sehen, welche im Auftrag des Rüstungskonzerns aufgenommen wurden. Das Album transportiert den erschreckend alltäglichen Charakter von Zwangsarbeit in der NS-Zeit.

„Im Provisorium“

Eine ausgestellte Sammlung eindringlicher Gedichte, welche von Häftlingen in der Gefangenschaft mittels einer kleinen Feder geschrieben wurden, zeugt von der Bedeutung improvisierter Gegenstände für den Häftlingsalltag. Dieses Moment der Improvisation, auf den der Titel der Ausstellung anspielt, haftet der gesamten Ausstellung an. Darin spiegeln sich auch der stetige Bedarf für die weitere Aufarbeitung der Geschichte der Zwangsarbeit und die teilweise fehlenden Mittel, um diese Forschung zu realisieren. Um die selbst gesteckten Ziele – Forschen, Erinnern und Informieren, Aufklären und Bilden – zu erreichen, ist die Gedenkstätte auf institutionelle Förderung angewiesen. Der Träger der Gedenkstätte ist der Förderverein Dr. Margarete Blank, wobei die derzeitige Ausstellung durch die Leipzigstiftung gefördert wurde. Entscheidend für den Fortbestand der Stätte ist allerdings das in größten Teilen ehrenamtliche Engagement der Mitarbeiter.

Das Studiogespräch zum Nachhören finden Sie hier:

mephisto 97.6 Redakteurin Eva Weber im Gespräch mit Moderator Magnus Folten
 

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Eva-Josephine Weber
18.11.2016 - 16:50

Die Ausstellung „Im Provisorium. NS-Zwangsarbeit in Leipzig und beim Rüstungskonzern HASAG.“ ist täglich von Dienstag bis Donnerstag von 10 bis 18 Uhr kostenfrei in der Permoserstraße 15 zu besichtigen.

 

Weitere Informationen finden Sie unter der Website der Gedenkstätte.