Metronomy - Summer 08

Zurück in die Zukunft

Im Jahr 2008 gelang Metronomy mit "Nights Out" der musikalische Durchbruch. Auf "Summer 08" blickt Joseph Mount zurück auf eine Zeit, in der ein Album eine wilde Sammlung verrückter Ideen war und hinter der Musik noch kein Geld und kein Erfolg stand.
Joe Mount sitzt im Flugzeug und kippt versehentlich ein Sektglas mit Orangensaft aus
Wer braucht schon eine Band? Metronomy existieren nur auf der Bühne, im Studio ist Joe Mount lieber alleine.

Früher war doch alles besser! - "früher" meint in diesem Fall das Jahr, in dem Joesph Mount und seine Band Metronomy ihren musikalischen Durchbruch feierten. Mit ihrem zweiten Studioalbum Nights Out machten die nämlich 2008 den ersten Schritt in die Hall of Fame der elektronischen Indie-Musikszene. Acht Jahre ist eigentlich keine lange Zeit - zumindest nicht lang genug, um jemanden nostalgisch zurückblicken zu lassen. Für Joseph Mount offensichtlich schon. Auf seinem neuen Album Summer 08 erinnert er sich zurück an eine Zeit, in der ein Album noch eine lose Sammlung verrückter künstlerischer Ideen war. 

Musik der Musik wegen

Joe Mount erinnert sich auf Summer 08 vor allem inhaltlich. Die Songs beschäftigen sich mit durchtanzten Partynächten, dem Rausch dieser Nächte, dem Privileg, einfach in den Tag leben zu können und - wie könnte es auch anders sein - der Liebe. Dabei wüscht sich Joe Mount nicht unbedingt zurück. Er schaut aus unterschiedlichsten Perspektiven auf das Jahr zurück, in dem seine Musik zu seinem Beruf wurde. Dieser Rückblick kann zwar wehmütig wirken, wie im Album-Opener Back Together ("and now I'm telling you the truth / we should have made that last / ... / you and I have got to get back together"), die Wehmut bezieht sich allerdings eher auf die ungehemmte musikalische Herangehensweise. Eben, die Musik der Musik wegen, ohne großes Geld oder Erfolg dahinter. Im Großen und Ganzen hat Summer 08 aber einen eher ironischen Unterton. So besingt Mount in der ersten Single Auskopplung des Albums Old Skool die für ihn damals schon alte Generation 30+, die in ihrem Leben vor allem nach Geld und gesellschaftlichem Ansehen strebt ("in the city we drive taxi / in the front seat you won't find me / ... / make some money / make more money / with your new friends / throw a party").

Einmal alleine, immer alleine

Eins hat sich definitiv nicht verändert. Musikalisch ist sich Joseph Mount selbst der Nächste, früher wie heute. Nur auf der Bühne existiert Metronomy als Band. Im Studio steht der Multi-Instrumentalist größtenteils alleine. Auf Summer 08 treibt er diese Art von Narzissmus bis an die Spitze und verzichtet beinah vollständig auf die sonst obligatorische weibliche Gesangsstimme. Einzig und alleine Sängerin Robyn gönnt er einen Gastauftritt im Song Hang Me Out To Dry. Das ist eine willkommene Überraschung und bietet einen angenehmen Gegensatz zu Mounts hoher Gesangsstimme. Trotz des Alleingangs ist Summer 08 musikalisch unglaublich abwechslungsreich gestaltet. Von Sounds einer Kuhglocke im Song Old Skool bis hin zur Hammond Orgel in Night Owl ist alles dabei. 

Einfach Experimentell 

Auch wenn die Nostalgie ins Jahr 2008 inhaltlich deutlich zu hören ist, ist Summer 08 musikalisch wenig vergleichbar mit dem damals erschienenen Nights Out. Die Songs wirken insgesamt viel runder und durchdachter. Das Album verfolgt, wie üblich, einen sehr experimentellen Ansatz, ist aber deutlich einfacher gehalten. Dadurch wird Summer 08 zwar kommerzieller, schafft aber auch eine entspanntere Stimmung. Anders gesagt -  Summer 08 ist immer noch Metronomy, aber deutlich weniger anstrengend.

 

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Metronomy: Summer 08

Tracklist:

1 Back Together
2 Miami Logic
3 Old Skool *
4 16 Beat *
5 Hang Me out to Dry *
6 Mick Slow
7 My House
8 Night Owl
9 Love's Not an Obstacle
10 Summer Jam

*Anspieltipps

 

Erscheinungsdatum: 01.07.2016
Because Music / Warner Music

Metronomy im Web 2.0

Im Gespräch mit dem Musikexpress erzählt Joe Mount, was 2008 musikalisch sonst so los war und verwechselt kurrzeitig Lady Gaga mit Christina Aguilera. Passiert.