Wahlkampf in den USA

Zum Selfie-Termin mit Bill Clinton

Das Rennen um das US- Präsidentschaftsamt beherrscht derzeit die Öffentlichkeit in den Vereinigten Staaten. Wo immer die Wahlkampfkarawane Halt macht, sorgt sie für Aufregung und mediale Aufmerksamkeit. So auch Dienstag im beschaulichen Athens, Ohio.
Bill Clinton kam im Rahmen des Wahlkampfes seiner Frau nach Athens in Ohio
Bill Clinton kam im Rahmen des Wahlkampfes seiner Frau nach Athens in Ohio

Die College-Stadt Athens ist eine liberale Insel im Südosten des Swing- States Ohio, dessen ländliche Regionen weitgehend von Trump-Plakaten dominiert werden. Hier studieren derzeit die mephisto97.6-Redakteure Peggy Strauchmann und Christopher Hirsch an der Ohio University (OU).

Das Publikum wartet gespannt auf Bill Clinton
Das Publikum wartet gespannt auf Bill Clinton
Bill Clinton spricht auf dem Campus der Ohio University in Athens
Bill Clinton spricht auf dem Campus der Ohio University in Athens

Kurz vor dem Wochenende hatte sich Bill Clinton angekündigt und sorgte damit für Aufregung unter den Studierenden. Kurzfristig wurden Kurse abgesagt und verlegt, damit die angehenden Akademiker der Rede des Ex- Präsidenten verfolgen konnten.

College Green – der Ort des Geschehens – ist ein kleiner Park im Zentrum des historischen Campus, der normalerweise das Revier handzahmer Eichhörnchen ist. Am Dienstagmorgen stand er allerdings ganz im Zeichen des Wahlkampfes: Tribüne, amerikanische Flaggen, Soundanlagen und Absperrungen. Schon eine Stunde vor Beginn erstreckte sich die Schlange vom Einlass quer über den Campus.

Familiäre Stimmung

"Stronger Together" – Das Motto von Hillary Clintons Wahlkampf
"Stronger Together" – Das Motto von Hillary Clintons Wahlkampf

Hillary-Buttons und Anti-Trump-Sticker dominierten das Publikum, welches hauptsächlich aus Studierenden bestand. Die Atmosphäre an diesem sonnigen Vormittag war entspannt und familiär. Nachdem sich etwa zwei Drittel des Geländes gefüllt hatten, stimmten mehrere Vorredner die Menge auf den demokratischen Wahlkampf ein. Unter ihnen war auch Ted Strickland, der demokratische Anwärter für das Amt des Senators von Ohio. Schließlich sprach ein Erstsemester in Politikwissenschaften und VWL darüber, wie seine Familie früher die Stromrechnung nicht bezahlen konnte, er seine Hausaufgaben im Kerzenlicht machen musste und er und seine Brüder dennoch studieren.

Diese Geschichte bereitete die Bühne für Bill Clinton, der sich in seiner Rede auf Themen wie erschwingliche Bildung, Chancengleichheit und Amerikas Potenziale konzentrierte. Charismatisch, locker und in freier Rede verwies er auf fehlende Programme zum Thema Studienfinanzierung bei der politischen Alternative. Mit Verweis auf Trumps Rhetorik beschrieb Clinton dessen Kernkompetenzen folgendermaßen: „Hey, ich zahle keine Steuern und die meisten meiner Geschäfte sind bankrott, aber ich kann Salz in eure Wunden streuen!“.

Die Studenten auf der Bühne bekommen "selbst gebastelte" Plakate in die Hand gedrückt
Die Studenten auf der Bühne bekommen "selbst gebastelte" Plakate in die Hand gedrückt

Die Souveränität des Ex-Präsidenten hatte dabei fast etwas Großväterliches. Passend kokettierte er mit seinem Alter und der Tatsache, dass er wegen des Wahlkampfs nicht bei seinen Enkeln sein könne. „Klar, ich wäre gerne noch mal 20, aber ich würde keinen Typen wählen, der mir verspricht, ich könne wieder 20 sein.“, sagte Clinton und verwies anschließend auf die Wirtschaftspolitik Trumps, die die USA in die Vergangenheit vor 50 Jahren zurückversetzen würde.

Ein politisches Heimspiel

Wiederholt bekräftigte Hillarys Ehemann die Voraussetzungen der Vereinigten Staaten für eine künftig positive Entwicklung. Er verwies dabei auf zunehmende Arbeitsplätze, die weltweit besten Universitäten und wachsendes Einkommen. Man müsse erneuerbare Energien und Start- Ups fördern, dafür sorgen, dass Unternehmen wieder für und nicht gegen die Gesellschaft handeln, Diversität fördern und Frauenrechte stärken. Gerade für die letzten beiden Punkte erhielt er immer wieder zustimmende Zwischenrufe.

Trump-Anhänger hörten sich auch die Rede von Bill Clinton an
Trump-Anhänger hörten sich auch die Rede von Bill Clinton an

Nur vereinzelt verweigerten Studierende – vor allem diejenigen mit Trump- oder Gun-Right-Stickern – den Applaus. Auch hielten etwa zehn bis zwanzig Trump-Unterstützer außerhalb der Absperrungen Plakate ihres Kandidaten und Anti-Hillary-Transparente hoch. Das konnte allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Besuch Bill Clintons in Athens politisch gesehen ein Heimspiel war. Dementsprechend euphorisch begegnete das Publikem dem ehemaligen Präsidenten, als er sich nach der Rede sein Sakko auszog und für Selfies posierte. Auf nationaler Ebene dürfte das Bild bis November jedoch weniger harmonisch aussehen.

Auch ein paar "Trumpies" haben am Rande der Veranstaltung auf sich aufmerksam gemacht
 

 

Die Reaktionen der Besucher der Veranstaltung
 
 

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Christopher Hirsch, Peggy Strauchmann
07.10.2016 - 18:22