Interview

Zufallsmusik

Die Mitglieder der Band All We Are haben in Liverpool Kunst studiert. Das ist nicht selbstverständlich, denn Guru, Richard und Luis stammen aus Norwegen, Irland und Brasilien. Wir haben sie auf dem Dockville getroffen.
Machen eine gute Figur: die britische Band All We Are.
Machen eine gute Figur: die britische Band All We Are.
Musikredakteur Simon Köppl im Gespräch mit der Band All We Are (Englisch).
All We Are Interview

Ich muss zugeben, ich hab noch einen Kater von Dockville- Vorabend. Seid ihr diszipliniert oder eine echte Rock’n’Roll Band?

Guru Gikling: Also eigentlich sind wir die ganze Zeit betrunken (lacht).

Richard O'Flynn: Naja, wir versuchen schon diszipliniert zu sein, aber die Realität ist, wir haben gerne Spaß.

Könnt ihr mir einen Tipp geben, wie ich den Kater am schnellsten wieder loswerden?

Guru: Na, klar: einfach das nächste Bier aufmachen.

Ob ich das mache, da bin ich mir noch nicht so sicher, aber lasst uns doch bis dahin mal über eure Musik reden. Ihr seid als Band seit 2011 unterwegs. Aber erst diesen Februar ist euer Debüt erschienen. Warum hat das denn solange gedauert?

Richard: Also wir haben unsere erste Single 2013 im Eigenvertrieb rausgebracht. Wir haben ein paar Konzerte gespielt und es hat etwas gedauert, bis wir unsere Instrumente richtig beherrscht haben. Dann haben wir „Utmost Good“ rausgebracht und dadurch die Aufmerksamkeit von Labels bekommen. Aber ich denke, es braucht immer ein bisschen Zeit, bis man seinen Sound gefunden hat. 

Weil ihr euren Sound anspricht: hattet ihr einen bestimmten Sound im Kopf, wie ihr klingen wolltet, als ihr angefangen habt?

Guru: Wir wollten nie wie jemand anderes klingen. Wir wollten Musik schaffen, die die Leute bewegt. Das wollten wir schaffen und dann ist dieser Sound dabei entstanden.  

ALL WE ARE - Utmost Good from All We Are on Vimeo.

Ihr habt euch in Liverpool an der Kunsthochschule kennengelernt. Ich weiß, dass da immer viel Wert auf Konzepte gelegt wird. Gilt das auch für die Band?

Richard: Naja, wir haben uns ja auch eher durch die Kunsthochschule gemogelt. Wir hatten auch kein Konzept für All We Are. Das ist wirklich alles zufällig entstanden. Wir wollen einfach Musik machen. Daran haben wir hart gearbeitet. Und der Sound, der dabei entstanden ist, hat sich ganz zufällig entwickelt.

Ihr werdet mit Beach House oder The XX verglichen. Aber was ich besonders finde, ist, dass ihr analoger und etwas kratziger klingt als andere Bands, die sich am Wave Sound orientieren. Seht ihr das auch so?  

Luis Santos: Auf jeden Fall. Das ist was, dass wir sehr gerne mögen. Wir mögen analoge Instrumente und den Prozess auf analogem Tape aufzunehmen. Da muss man sich festlegen und man kann nachher nichts mehr verändern. Das ist für den kreativen Prozess sehr cool. Wir haben auch altes Equipment benutzt, Synthesizer Verstärker und Effektpedale. Dieser Vibe findet sich auch auf der Aufnahme. Außerdem ist es schön, wenn man was anfassen kann.

Das heißt, ihr habt das Album auf Tape aufgenommen?

Luis: Nicht komplett, aber teilweise. Manche Aufnahmen haben wir auch später auf Tape überspielt. Wir haben viel Vintage-Stuff benutzt. Nicht nur weil es alt ist, sondern weil es gut klingt und weil es da war.

Richard: Wir haben auch sehr viel live eingespielt. Wir haben viel mit Tempest Drum Machines gearbeitet. Nicht nur auf unseren Kopfhörern, sondern wir haben sie auch verstärkt und dann mit dem Raumklang aufgenommen. Die Aufnahmen waren sehr vom Zufall beeinflusst. Was passiert ist, kann nicht wiederholt werden. Das hat Spaß gemacht.

Ihr kommt ja auch aus Norwegen, Brasilien und Irland und lebt jetzt in England. Wie geht es euch eigentlich mit der aktuellen Migrationspolitik und Flüchtlingen in Europa?

Richard: Die Situation ist sehr tragisch mit den vielen Flüchtlingen, die aus Kriegsgebieten fliehen. Das ist schrecklich. Ich denke, dass jeder Mensch jedem anderen Menschen helfen sollte, wenn sie in Not sind. In schwierigen ökonomischen Situationen gibt es immer Politiker vom rechten Flügel, die eine strikte Einwanderungspolitik fordern. Aber wir haben den Glauben an die Menschheit noch nicht aufgegeben. Wir möchten unseren Teil positiv dazu beitragen und hoffentlich wird es besser. Klar, unsere Band mit drei Leuten aus unterschiedlichen Ländern kann dafür vielleicht ein gutes Beispiel sein.

Die letzte Frage ist natürlich, was kommt als nächstes für All We Are?

Guru: Wir haben noch ein paar Festivals zu spielen. Und dann werden wir neue Songs schreiben und rausbringen.

Richard: Wir schreiben gerade am neuen Album und hoffentlich kriegen wir das bald fertig. Und können bald wieder auf Tour gehen und auch zurück nach Deutschland kommen. Wir finden es super hier und haben hier schon viele Freunde gefunden.

 

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Simon Köppl
27.08.2015 - 20:52
  Kultur

Bandbesetzung: Die Band All We Are besteht aus Guru Gikling, Luis Santos und Richard O'Flynn. Guru und Luis singen oft im Falsett, Guru spielt Bass und Luis Gitarre. Richard hat sein Set aus Platzgründen auf ein Stehschlagzeug reduziert.

Link-Tipps

Im Gespräch mit dem Interview-Magazin erzählen "All We Are", welche Bücher und Filme ihr Album beeinflußt haben.

Für Face Culture haben sie eine Live-Version von "I Wear You" eingespielt.