CD der Woche

In Zuckerwatte verpackter Wahnsinn

Laut, spaßig und ein klein wenig unvorhersehbar. Das ist der Anspruch, den die kanadische Band Weaves an sich und ihre Musik stellen. Dabei zeigen die Jungs und das Mädel aus Toronto, dass Popmusik auch mal etwas abgefahren sein darf.
Weaves
Flower Power bei den Weaves

Wenn man bei Google "Weaves" eingibt, kriegt man erstmal ganz viele Bilder von Haaren. Das ist wohl so eine Art Haarextension. Mit Frisuren hat die Band Weaves aus Kanada wohl nicht so viel zu tun, wohl aber mit extravagantem Dream Pop. Zusammengefunden haben sich die vier im Jahre 2014. Gitarrist Morgan Waters hat damals seine zukünftige Sängerin in einem Club singen gehört und war so von ihrer Ausstrahlung begeistert, dass er sie gleich nach ihrer Email Adresse fragen musste. Unterwegs haben die beiden dann noch den Bassisten Zach Bines und Drummer Spencer Cole aufgelesen und noch im selben Jahr eine EP rausgehauen. Bis zur ersten Langspieler mussten sich die Fans dann aber noch bis zum Jahre 2016 gedulden.

 

Weaves mit ihrer Single "Tick"

 

Besoffen durch die Schokoladenfabrik

Der Sound von Weaves bewegt sich irgendwo zwischen high durch Willy Wonkas Schokoladenfabrik stapfen und in deiner Lieblingskneipe besoffen in der Ecke liegen. Charakteristisch für den Sound von Weaves ist das schrille Gitarrenspiel von Morgan Waters. Das ist auf der einen Seite von lockeren Akkorden geprägt, die dann doch ein wenig punkig rüberkommen, wie etwa beim Song „Shithole“. Auf der anderen Seite stehen da quietschenden Anschlägen, die dann schon fast so klingen wie ein Kazoo, wie man ganz gut beim Opener des Albums „Tick“ hören kann. Der letzte Song des Albums „Stress“ stellt da schon einen Bruch dar, weil er eher als ruhige Bluesnummer um die Ecke kommt.

Mit dem iPhone aufgenommener Gesang

Alleinstellungsmerkmal von Weaves ist nicht zuletzt die Stimme von Jasmyne Burke. Die klingt schrill, aber keineswegs nervig und fast irgendwie kindlich. Man kriegt auch das Gefühl, dass das irgendwie zu Burke passt, wenn man sich mal anschaut, wie die Weaves ihre Songs ausarbeiten. Die Sängerin nimmt nämlich immer ihre Gesangsideen mit ihrem Handy auf, schickt sie dann an Waters und der bastelt dann einen Song drum rum. Dabei mag es Jasmyne Bryce überhaupt nicht, wenn einer ihrer Bandkollegen dabei zuhört, wie sie in ihr Telefon singt. So schüchtern wie diese Story sie klingen lässt, hat Burkes Stimme auf dem Album eine unverwechselbare Präsenz.

Fazit

Weaves haben auf ihrem Debütalbum ihren Sound gefunden, ohne sich dabei zu wiederholen oder langweilig zu werden. Dieser ist geprägt von Jasmyn Brice schrillem Gesang und Morgan Waters abgedrehten Gitarrenspiel. Das Album ist leichtherzig aber trotzdem anspruchsvoll. Es ist schön gemachte Popmusik mit Charakter, die vielleicht für manche etwas anstrengend ist auf Dauer. Wer aber mal wieder eine etwas abgefahrenere Gute-Laune-Platte hören will, sollte bei Weaves auf jeden Fall zugreifen.

 

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Heinrich Jakunin
20.06.2016 - 15:05
  Kultur

Weaves: Weaves

Tracklist:

Trackliste

1. Tick*

2. Birds & Beas

3. Candy

4. Shithole

5. Eagle*

6. Two Oceans

7. Human

8. Coo Coo*

9. Sentences

10. One More

11. Stress*

Erscheinungsdatum: 17.06.2016
Buzz Records