Gleichstellung

Zu wenig Frauen in der Wissenschaft

Mehr als 60% der Studierenden an der Universität Leipzig sind Frauen. Sie schließen ihr Studium häufiger erfolgreich ab als ihre männlichen Kommilitonen. Hohe Positionen in der Wissenschaft sind jedoch an vielen Universitäten immer noch Männersache.
Symposium, Podiumsdikussion Frauen Wissenschaft
Podiumsdikussion über Frauen in der Wissenschaft

Wenn es um den Frauenanteil in Forschung und Lehre geht, ist die Universität Leipzig Spitzenreiter in Sachsen: Knapp die Hälfte der Wissenschaftler an der Alma Mater Lipsiensis sind Frauen. Die derzeitige Rektorin Beate Schücking, ist die erste Frau an der Spitze der Uni seit deren Gründung. Vor allem nach der Geburt wird vielen Frauen der Wiedereinstieg erschwert. Grund dafür seien auch veraltete Rollenbilder, so die Bremer Landesbeauftragte für Frauen Ulrike Hauffe.

An der Leipziger Universität sollen neue Wege zur Chancengleichheit gefunden werden. mephisto 97.6-Redakteurin Conny Poltersdorf mit den Einzeilheiten:

Redakteurin Conny Poltersdorf über Frauen in der Wissenschaft
Beitrag Frauen in der Wissenschaft

Kind oder Karriere

Gründe warum zu wenig Frauen den Professorinnen Status haben, soll es so einige geben. Die Bremer Landesbeauftrage für Frauen, Ulrike Hauffe hat ihren Job als "Frauenministerin" seit über 20 Jahren innen. Sie meint, dass die typischen Rollenbilder noch zu sehr in uns stecken. Vor allem Männer in höheren Positionen könnten sich nicht vorstellen, dass Frauen neben dem Arbeiten auch noch ein Kind versorgen können. Es sei aber auch zwingend notwenig, dass auch Männer mehr Verantwortung bei der Familienplanung übernehmen. Denn neben den Müttern müssten auch die Väter zurückstecken, um der Frau auch eine Karriere zu ermöglich:

Nach außen hin, ist das Kinderproblem riesig.

 Ulrike Hauffe, Bremer Landesbeauftragte für Frauen

#allmalepanel

Nicht nur in Deutschland gibt es zu wenig Frauen in der Wissenschaft. Auch in den USA und in Kanada sind Frauen an einer Uni Mangelware. Doch Prof. Dr. Susan Erikson von der Simon Fraser University aus Kanada nennt einen anderen Grund. Sie meint, die Integration von Frauen in der Gemeinschaft der Wissenschaftler ist noch nicht sehr weit fortgeschritten. Um sich national und international in Forscherkreisen bekannt zu machen, würde es nicht nur Wissen benötigen, sondern auch Beziehung zu anderen Wissenschaftlern. Frauen würden sehr wenig zu Expertengesprächen, Keynotes oder wissenschaftlichen Kongressen eingeladen. In diversen Social Media Kanälen wie Instagram oder Twitter, gibt es für diese Benachteiligung sogar schon einen eigenen Hashtag. Der Versuch, die Frauen in der Gesellschaft mehr zu integrieren besteht aber. Das 29. Kanadische Kabinett besteht aus 50% Frauen und 50% Männer.

Vorreiter Ostdeutschland

Professor Erikson sieht in Deutschland aber eine Besonderheit. Durch die Spaltung in Ost und West wurden die Rollenbilder unterschiedlich geprägt:

"Ich habe viele Deutsche Frauen getroffen, die Professorinnen oder Experten sind. Diese haben dabei auch kein Problem gehabt, sich Experten zu nennen."

Prof. Dr. Susan Erikson, Simon Fraser University Burnaby/Kanada

Hatten die Frauen in Ostdeutschland die Chance und die Möglichkeit nachdem sie ein Kind geboren hatten, wieder einen Job zu bekommen, war dies in Westdeutschland nicht der Fall. In den alten Bundesändern kam den Frauen tendenziell eher die Rolle der Hausfrau zu.

Lösungsansätze

Auf Kinder sollte man als Frau trotzdem nicht verzichten, meint Dr. Susan Erikson. Ein stark diskutiertes Thema in Wirtschaft und Politik ist die Frauenquote. Auch wenn sich einige Frauen dann nur als Quotenfrau sehen, sollten alle die Chance der Frauenquote nutzen, meint Ulrike Hauff. Sie selber sei in einigen Vorständen nur durch die Frauenquote. An den Universitäten muss das Thema Frauenintegration weiter voran getrieben werden. Frauen sind meist genauso qualifiziert wie Männer. Alte Geflogenheiten müssen deshalb überwunden werden. Das typisierte Rollenbild, das Frauen zuhaus am Herd stehen müssen und die Männer arbeiten, gilt schon lange nicht mehr.

 

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Conny Poltersdorf
18.01.2016 - 15:43

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