Frisch Gepresst: Sløtface

Zu warm für Oktober

Das norwegischen Pop-Punk Quartett Sløtface kehrt mit ihrem zweiten Album „Sorry For The Late Reply“ und jeder Menge Ansagen zurück.
Sløtface
Sløtface mischen die norwegische Musikszene auf.

Vier EPs hat es gebraucht, bis sich Sløtface 2017 trauten ihr Debütalbum „Try Not To Freak Out“ der Öffentlichkeit zu präsentieren. Dabei war der Sound der Norweger seit ihrer Gründung 2012 klar: Pop-Punk mit Garage-Rock Substanz. Keine sehr dankbare Kombination, für eine Band, die aus einem Land kommt, das vor allem für Metal-Bands und Popsternchen bekannt ist. Sløtface, erspielten sich trotzdem, oder gerade deshalb, die Aufmerksamkeit des Labels Propeller Recordings. Mit Songs wie „Magazines“ und „Nancy Drew“ setzte die Band um Sängerin Haley Shae ihre feministische Agenda um. Aber dabei blieb es nicht: Sløtface setzen sich nicht nur für Geschlechtergerechtigkeit, sondern auch für die Umwelt ein und protestierten, gemeinsam mit einer norwegischen Jugendbewegung, gegen die absichtliche Verschmutzung eines Fjords.   

Immer noch Punk

Das neue Album „Sorry For The Late Reply“ ließ eine Weile auf sich warten, dafür kehren Sløtface jetzt umso auffälliger zurück. Nachdem Schreiberin Shae auf der Vorgängerplatte eher lose Ideen auf das Papier brachte, machte sie sich diesmal genaue Gedanken über die Inhalte der Songs. Jeder Song verfolgt eine klare Message und auch der Sound wurde deutlich entschlackt. Mit „S.U.C.C.E.S.S.“ haut die Platte von Beginn an ordentlich drauf und kritisiert Leistungsdruck und die Overachiever-Kultur. Die Lead-Single „Telepathetic“ und „Stuff“ sind weniger überladen und folgen eher einem poppigen Ansatz mit genug catchy Hooks für die Ohrwürmer für den Rest der Woche. Grund dafür ist unteranderem Produzent Odd Martin, der auch schon für den ein oder anderen Hit von Aurora und Sigrid verantwortlich war. Trotzdem ist „Sorry For The Late Reply“ immer noch eine Punk-Platte. Auf „Tap The Pack“ können sich die Moshpits dieser Welt auf alle Fälle schonmal freuen und auch „Crying in Amsterdam“ geht mit preschendem Schlagzeug ordentlich nach vorn.

Vom Gefängnis auf die Bühne

Die neuen Songs haben Sløtface zuerst während einer Tour durch norwegische Gefängnisse geprobt, auf die die norwegische Regierung sie schickte, um mit den Insassen über ihre Band zu sprechen. So brauchten sie keine Angst davor haben, dass einer ihrer Songs schon vorher das Licht der Öffentlichkeit erblickte. Sløtface sprechen auf "Sorry For The Late Reply" die wichtigen Themen ihrer Generation an: „Sink or Swim“ thematisiert den Klimawandel, „New Year, New Me“ weißt schamlos darauf hin, wie man sich mit Vorsätzen selbst enttäuschen kann. In „Passport“ wird Shae noch persönlicher, denn hier geht es um ihr Aufwachsen als Amerikanerin in Skandinavien. Sie ist vom politischen Klima in ihrer Heimat frustriert und will sich nicht davon definieren lassen.

My United States have got to be more than these barks of a small dog. Shouts that make us shake our heads feel powerless.

Song: "Passport"

„Sorry For The Late Reply“ ist das ehrliche Portrait einer Band, die weiß was sie will. Thematisch und musikalisch ist das zweite Album von Sløtface kompromissloser als ihr Vorgänger, ist aber genauso leidenschaftlich und persönlich. Sløtface sind zur richtigen Zeit am richtigen Ort und strotzen vor Energie.

 

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Sløtface : Sorry For The Late Reply

Tracklist:
  1. S.U.C.C.E.S.S.
  2. Telepathic*
  3. Stuff
  4. Luminous
  5. Tap the pack*
  6. New year, new me
  7. Passport*
  8. Crying in Amsterdam
  9. Laughing at funeras
  10. Static
  11. Sorry for the late reply (Intro)
  12. Sink or swim*
  13. Crying in Amsterdam (Reprise)

*Anspieltipps

Erscheinungsdatum: 31.01.2020
Propeller

 

Sløtface gehen auf Tour!

3. April - Hamburg, Klubhaus St. Pauli 
4. April - Berlin, Badehaus
5. April - München, Feierwerk
6. April - Köln, Helios 37 

Tickets gibt's hier