App gegen Lebensmittelverschwendung

Zu gut für die Tonne!

Ihr denkt, im Restaurant wird alles weggeschmissen, was übrig bleibt? Von wegen! Die neue App "Too Good to go" sorgt dafür, dass man sich die Reste nach Ladenschluss für wenig Geld abholen kann. Wir haben das Prinzip für euch getestet.
Rund 5,05 Millionen Tonnen Lebensmittel werden in Deutschland jährlich in den Müll geworfen

Lebensmittelverschwendung scheint ja mittlerweile nichts Neues mehr zu sein. Ob zu Hause oder in großen Schulkantinen, überall werden Reste eher in den Mülleimer befördert anstatt auf neuen Tellern zu landen. Die App "Too good to go" versucht nun, auf die Verschwendung aufmerksam zu machen und sowohl Kunden als auch Restaurantinhabern eine Lösung für das Problem zu bieten.

Wie funktioniert es?

Too good to go gibt es mittlerweile überall in Deutschland. In Leipzig haben sich bis jetzt etwa 14 Restaurants angemeldet, darunter Pizzerias, Sushi-Läden oder Asia-Restaurants. Alles,was man als Kunde zunächst tun muss, ist, sich die App kostenlos auf sein Handy zu installieren. Danach werden alle Restaurants im Umkreis angezeigt, die ihre Reste zum Abholen anbieten. Dies variiert natürlich, da nicht immer gewährleistet werden kann,ob etwas übrig bleibt. Die meisten setzen deshalb ein Limit von beispielsweise fünf Boxen und arbeiten so nach dem Prinzip "Wer zuerst kommt,mahlt zuerst". Über sein Handy kann man dann auch gleich einen Kaufbeleg erstellen lassen, mit dem man zum angegebenen Zeitpunkt im Restaurant erscheinen muss. Kleiner Minuspunkt hier: Nur Paypal und Kreditkartenzahlung sind möglich, außerdem hat Paypal bei uns beim ersten Mal nicht funktioniert. Beim Abholen gibt es dann auch hier Variationen: Die einen geben Boxen mit, beim anderen darf man sie sich selbst auffüllen. So zum Beispiel im Restaurant "Goldene Kugel" gegenüber vom Bahnhof, das sogar zwei Abholzeiten am Tag anbietet. 

 

Was steckt dahinter?

Logisch, die Umwelt schützen natürlich. Nicht nur, weil man Essen in hungrige Mägen befördert anstatt ihnen beim Vergammeln zuzuschauen. Sondern auch,weil Too good to go auch bei den Verpackungen darauf achtet, dass sie nachhaltig sind und man sogar darauf aufmerksam gemacht wird, sein eigenes Besteck mitzubringen, statt zur Plastikgabel im Imbiss zu greifen. Für die Inhaber, so zum Beispiel Herr Wurzbacher vom Schnellimbiss Süd , ist auch dies eine neue Erfahrung:

Ich finde das eine tolle Sache. Es ist nicht nur Werbung für uns, sondern auch gleichzeitig eine gute Möglichkeit zum Resteverwerten. Bis jetzt ist es aber noch zu unbekannt, nur eine Person hat bis jetzt etwas bei uns abgeholt

Auch Ignace Wentz von Too good to go Leipzig macht darauf aufmerksam, dass beide Seiten von der Idee profitieren würden. Der Kunde könne also für einen schmalen Taler satt werden und das Unternehmen seine übrigen Speisen ohne große Umstände noch einmal an den Mann bringen. 

 

Gegründet wurde das Startup-Unternehmen Ende 2015 in Dänemark und hat seitdem schnell Fuß gefasst. Nun wurde das Konzept seit Beginn des Jahres 2016 vom Dänen Jon Frisk auch nach Deutschland geholt:

Ich hatte schon viel mit Lebensmittelverschwendung am Hut. Schon beim Containern hat mich immer erstaunt,wieviel da letztendlich weggeschmissen wurde.

Unser Fazit

Alles in allem ist Too good to go eine tolle Sache. Besonders, wenn man als Kunde merkt, dass sich das Prinzip schon in einigen Restaurants durchgesetzt hat und man für zwei oder drei Euro Essen bekommt, das sonst um einiges teurer gewesen wäre. Jedoch haben wir auch gemerkt, dass es sehr auf den Inhaber ankommt. Da kann es schonmal passieren, dass die mitgegebene Box sehr klein ist und das Essen dann eher als Snack reicht. Ausserdem wissen manche Inhaber noch nicht,wie die Abrechnung funktioniert - aber man lernt ja nie aus und das macht das Abholen gleich noch ein wenig lustiger. Too good to go bietet also eine optimale Plattform für mehr Nachhaltigkeit im Alltag. Daumen hoch!

Redakteurin Cornelia Häfele hat ihre Reste einmal nicht in den Mülleimer befördert, sondern die App mit hungrigem Magen getestet:

Redakteurin Cornelia Häfele berichtet über die App "Too good to go"
 
 

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Sarah Bötscher
08.06.2016 - 18:32
  Wissen

Lebensmittelverschwendung - Zahlen und Fakten 

Pro Jahr werden abgeschätzt ca. 5,05 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle ins kommunale Abfallsammelsystem, d.h. in Restmüll und Biotonne entsorgt. Pro Kopf entspricht das einer Menge von ca. 62 kg.

Davon finden sich rund 70 Prozent im Restmüll und 30 Prozent in der Biotonne. Diese Menge entspricht jedoch nur einem Teil der anfallenden Lebensmittelabfälle, da diese auch über andere Entsorgungswege, wie durch Eigenkompostierung, Verfütterung an Haustiere oder in die Kanalisation entsorgt werden.

Den Hauptanteil der vermeidbaren und teilweise vermeidbaren Lebensmittelabfälle machen Obst und Gemüse aus. Die Menge vermeidbarer und teilweise vermeidbarer Lebensmittelabfälle aus Haushalten in Deutschland entspricht einem Geldwert von 16,6 bis 21,6 Milliarden EUR pro Jahr bzw. rund 200 bis 260 EUR pro Kopf und Jahr. Für einen durchschnittlichen Vier-Personen Haushalt bedeutet das, dass pro Jahr vermeidbare und teilweise vermeidbare Lebensmittelabfälle im Wert von rund 935 EUR in Restmüll, Biotonne und Kanalisation entsorgt, eigenkompostiert oder an Haustiere verfüttert werden.

 

(Quelle: Studie der Universität Stuttgart, gefördert durch das Bundesministerium für Ernährung,Landwirtschaft und Verbraucherschutz)