Musik-Highlights: KW 33

Young & Talented

Diesen Freitag haben wir dem Nachwuchs den Vortritt gelassen. Vier junge Künstler, alle unterschiedlich, doch alle mit großem Potential. Von Österreich nach Great Britain, bis hin zu unserer wunderschönen Stadt Leipzig.
v.l. Jacob Collier, Elis Noa, The Japanese House, HeXer
Musikhighlights der Woche - KW 33

Frisch gepresst: Unser Musiktipp der Woche ist das Album "limbo" des Künstlers Aminé. Eine ausführliche Rezension gibt es hier.

Jacob Collier – Djesse Vol. 3

Album-VÖ: 14.08.2020

Der britische Musiker Jacob Collier hat sich seine ganz eigene Nische geschaffen. Seine ersten musikalischen Abenteuer fanden auf Youtube statt, wo er 2014 mit seinem Cover des Stevie-Wonder-Klassikers „Don’t You Worry ´bout a Thing“  einen viralen Hit landete. Das Cover, in dem Collier das Original reharmonisiert, in sechsfacher Ausführung seiner selbst a cappella performt und sämtliche Instrumente spielt, erregte auch die Aufmerksamkeit von Produzenten-Legende Quincy Jones, der den damals 20-Jährigen bei seinem Label unter Vertrag nahm.

Seither hat der britische Autodidakt seine Methode noch verfeinert und perfektioniert. Mit den bisherigen beiden Ausgaben seiner geplant vierteiligen Albumreihe „Djesse“ präsentierte er neben Eigenkompositionen auch wieder einige Coverversionen. Für seine Neuauflagen von Lionel Richies „All Night Long“ und Henry Mancinis „Moon River“ verwendete er gleich mehrere hundert Gesangspuren und wurde für die Arrangements mit Grammys ausgezeichnet.

Auf „Djesse Vol. 3“ überträgt Jacob Collier seinen perfektionistischen Ansatz nun erstmals komplett auf eigene Kompositionen. Herausgekommen ist ein Album, das sich von den jazzigen und folkigen Tendenzen der Vorgänger wegbewegt und sich RnB, Hiphop und Pop öffnet. Mit seinem ständigen Wechsel aus ruhiger Analoginstrumentierung und elektronischen Ausbrüchen, Colliers eigenen Gesangsspuren und zahlreichen Gaststimmen (u.a. T-Pain, Kimbra und Ty Dolla $ign) schwankt die Stimmung zwischen Schlafzimmer und Dancefloor. Bei aller Komplexität bleibt Vol. 3 jederzeit ein zuckersüßes, zugängliches Pop-Album, das beim Hören schnell ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

Martin Pfingstl

Elis Noa - What Do You Desire?

Album-VÖ: 14.08.2020

Hört man in das Debut Album "What Do You Desire?" der Band Elis Noa aus Wien, fragt man sich schon, weshalb die Reichweite der Band bisher noch auf eine vierstellige Zahl begrenzt ist. Der ungewöhnliche elektronische Pop Sound der Band lässt Einflüsse aus R&B und Future Soul miteinfließen und das Songwriting ist ausgereift und auf den Punkt gebracht. Das macht ihre Musik alles andere als amateurhaft. Die Sängerin Elisa Godino verzaubert mit ihrer sanften Stimme und zeigt ihr Talent auch bei den Übergängen in die höheren Töne.

Ihre Stimme ergänzt die Thematik der elf Songs, in denen es grob gefasst um die Stärke geht, Verletzlichkeit zu zeigen, in jeder Hinsicht ehrlich zu sein und um das Thema Selbstwertgefühlt und damit einhergehend Offenheit von sich selbst und anderen zu erwarten.

Ihre Musik verleitet dazu, das Gefühl zu haben, weit über den Horizont der Popmusik hinaus schauen zu können und die Tiefe der Songs wirklich durch die verschiedenen Strömungen zu verstehen.

Lia-Joana Fuchs

The Japanese House – „Chewing Cotton Wool“

EP-VÖ: 12.08.2020

The Japanese House ist ein Enigma: Zu Beginn kannten die wenigsten Gesicht und Namen der englischen Künstlerin. Selbst ihr Geschlecht war aufgrund ihres beschlagenen Gesangs für viele schwer auszumachen. Mittlerweile hat sich der Nebel etwas gelüftet: Ihr Name ist Amber Bain, ihr Elektro-Pop ist kühl und silbrig, aber gleichzeitig intim und auf ihrem gehuldigtem Debütalbum „Good At Falling“ (2019) konnten wir das schmerzhafte Auseinanderfallen einer Beziehung fast schon hautnah miterleben.

Wenn The Japanese House jetzt also neue Musik veröffentlicht, bricht ihr das damalige Mysterium langsam weg. Zu recht, denn sie beherrscht ihre Kunst gut genug, um sich nicht durch irgendein Gehabe rar und vermeintlich spannend machen zu müssen. „Chewing Cotton Wool“ knüpft an die, am Album so geschätzte Intimität an. Dank glatter Gitarren und und butterweicher Synthies schweben die vier Songs immer zwischen vorsichtiger, aber hoffnungsvoller Aufbruchsstimmung („Something Has To Change“) und tiefsitzender Nostalgie („Dionne“):
 

"Wishin' that someone would film the way I'm lookin' at you right now
I wanna watch it back and then kill myself
And I know it's not very sexy when somebody loves you this much and knows you this well
But it's the way it is
And I sense it's not the best time to be tryin' to fuck with your head and diggin' up old ground
So I squash it down"

The Japanese House, Dionne (feat. Justin Vernon)

„Chewing Cotton Wool“ ist ein kurzes Vergnügen – zwei der vier Songs sickern als Intro und Outro recht schnell an einem vorbei – ist aber ein stimmiges Gesamtwerk. Und auch, wenn sich Bain thematisch nicht besonders weit aus den gewohnten Gefilden wegbewegt, beweist sie: Traurige Liebeslieder behalten ihre Existenzberechtigung. Sie müssen nur gut gemacht sein.

Ariane Seidl

HeXer - Reimketten EP

EP-VÖ: 07.08.2020

Leipzig hat Nachwuchs im Deutschrap bekommen. Der 19-jährige HeXer will die Stadt der Komponisten wieder auf die Karte bringen und ist stark am Representen! Sein neuestes Release „Reimketten EP“ ist der zweite Teil seiner geplanten EP-Trilogie.

Vom Sound her wechselt HeXer von melodiösen, trappigen zu hart ballernden Beats. Das könnte unter anderem daran liegen, dass jeder Song aus der Feder eines anderen Produzenten stammt. An vielen Stellen klingt der Sound manchmal so, als wüsste der junge Rapper noch nicht ganz in welche Richtung er gehen möchte.

Und das merkt man auch. Neben starken Doubletime Parts, kommen Gesangspassagen, die ein wenig gewöhnungsbedürftig sind. Funfact: Singen kann HeXer, denn er wurde mit 10 Jahren in den berühmten Thomanerchor aufgenommen.  

Ab und zu erweckt es den Eindruck, als müsste der 19-jährige sich noch finden. Was er jedoch schon gefunden hat, ist eine Heimat und zwar: Leipzig. Und dieser hat er nicht nur einen, sondern gleich zwei Tracks gewidmet.

„Das ist Leipzig, mein Shit“

HeXer - Das ist Leipzig 1 & 2

Auch in seinem Video zu „Play/Safe“ sieht man im Hintergrund viele bekannte Leipziger Orte.

HeXer hat einiges an Potential. Besonders die Doubletime Parts hat er gut drauf. Allerdings muss er noch ein bisschen herausfinden, was sein Stil ist. Dann klingt die nächste EP vielleicht ein bisschen runder!

Emma Dressel

 

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Direkt bei Spotify reinhören:

 

Jacob Collier - "Djesse Vol.3"

 

Elis Noa - "What Do You Desire?"

 

The Japanese House - "Chewing Cotton Wool"

 

HeXer - "Reimketten EP"